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Intel Aktie: Rally gestoppt

Intel übertrifft Quartalsziele, doch die Prognose für Q1 2026 enttäuscht. Lieferengpässe bremsen das KI-Geschäft und führen zu einem massiven Kursrutsch.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Umsatz und Ergebnis im Q4 2025 über Erwartungen
  • Enttäuschende Prognose für das erste Quartal 2026
  • Produktionsengpässe bremsen KI-Chip-Nachfrage
  • Aktie verliert über 15 Prozent an einem Tag

Intel hat Anleger mit seinem Ausblick auf das erste Quartal 2026 kalt erwischt. Nach einem starken Jahresendspurt und großen Hoffnungen auf das KI-Geschäft folgt nun eine harte Realität: Die Nachfrage ist da, aber die Kapazitäten fehlen. Wie belastend ist diese Kombination aus Lieferengpässen und gedämpfter Prognose für die weitere Erholung?

Solide Quartalszahlen, schwacher Ausblick

Operativ lieferte Intel für das vierte Quartal 2025 zunächst ordentliche Zahlen. Der Umsatz lag mit 13,7 Milliarden US‑Dollar über den Erwartungen von Wall Street und der eigenen Prognose. Besonders das Geschäft mit Rechenzentren und KI‑Chips überzeugte: 4,7 Milliarden Dollar Umsatz in diesem Segment übertrafen die Analystenschätzungen von 4,4 Milliarden Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie erreichte 0,15 Dollar und lag damit fast doppelt so hoch wie die eigene Zielmarke von 0,08 Dollar.

Der eigentliche Knackpunkt ist jedoch der Ausblick auf das erste Quartal 2026. Beim Umsatz stellt Intel im Mittel nur 12,2 Milliarden Dollar in Aussicht, weniger als die von Analysten erwarteten 12,6 Milliarden Dollar. Beim Ergebnis je Aktie kalkuliert das Management lediglich mit einer schwarzen Null, während der Konsens zuvor bei 0,08 Dollar lag. Das Sentiment kippte entsprechend schnell.

Der Kurs reagierte mit einem deutlichen Rückschlag: Am Freitag schloss die Aktie bei 45,88 US‑Dollar und verlor damit rund 15,5 Prozent an einem Tag – der heftigste Tagesverlust seit August 2024 und ein spürbarer Rückschlag nach dem vorangegangenen Anstieg.

Lieferengpässe bremsen die KI‑Story

Der Kern des Problems: Intel kann die stark gestiegene, KI‑getriebene Nachfrage nach Server‑Chips nicht vollständig bedienen. CEO Lip‑Bu Tan räumte ein, dass die Produktionseffizienz noch hinter den Zielen zurückbleibt und das Unternehmen die volle Kundennachfrage derzeit nicht erfüllen kann.

Finanzchef David Zinsner sprach von branchenweiten Engpässen in der Halbleiterproduktion. Nach seiner Einschätzung dürfte die verfügbare Kapazität bei Intel im ersten Quartal ihren Tiefpunkt erreichen, bevor sich die Versorgungslage ab dem zweiten Quartal schrittweise verbessert. In der zweiten Jahreshälfte 2025 hatte Intel seine Lagerpuffer weitgehend aufgebraucht, um starke Bestellungen bedienen zu können – nun fehlt dieser Puffer, während die Nachfrage hoch bleibt.

Diese Konstellation verschiebt die erhoffte finanzielle Erholung nach hinten: Die Produkte finden Käufer, aber die Stückzahlen bleiben begrenzt. Marktbeobachter sehen darin eine Turnaround‑Story, die nicht an mangelnder Nachfrage, sondern an der Angebotsseite hängt.

Analysten werden skeptischer

Die Reaktion der Wall Street fiel überwiegend kritisch aus. Mehrere Häuser stellen die ambitionierte Kursentwicklung der vergangenen Monate in Frage.

  • Der Analyst Vivek Arya von Bank of America bestätigte sein „Underperform“-Votum und argumentierte, der Kurs liege deutlich über dem, was Intel derzeit mit einem wettbewerbsfähigen und profitablen Geschäftsmodell rechtfertigen könne.
  • Stacy Rasgon von Bernstein Research warf dem Unternehmen vor, die Nachfrage im Rechenzentrumsbereich „deutlich falsch eingeschätzt“ zu haben, und setzte ein Kursziel von 36 Dollar.
  • Analysten von TD Cowen kommentierten, die jüngste Rally sei „weitgehend von einem Traum“ getragen worden – weniger von kurzfristig belastbaren Fundamentaldaten.

Diese Einschätzungen unterstreichen: Der Markt hatte viel Vorschussvertrauen in Intels KI‑ und Turnaround‑Story eingepreist. Die nun vorgelegte Prognose zwingt Investoren, diese Erwartungen zu justieren.

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Rally mit Dämpfer – Bewertung bleibt ambitioniert

Trotz des Rücksetzers bleibt der übergeordnete Aufwärtstrend der vergangenen Monate klar erkennbar. 2025 legte die Aktie um 84 Prozent zu und ließ den Halbleiter‑Referenzindex, der um 42 Prozent stieg, deutlich hinter sich. Auch seit Jahresbeginn 2026 zeigte sich der Titel bis vor den Zahlen kräftig: Vor Veröffentlichung des Berichts lag das Plus im Januar bei 47 Prozent.

Die jüngste Korrektur ist zwar scharf, aber sie folgt auf eine außergewöhnlich starke Erholung. Auf Sicht von zwölf Monaten steht die Aktie immer noch rund 122 Prozent höher. Mit einem Kurs‑Umsatz‑Verhältnis von über 4 und einer Marktkapitalisierung von etwa 230 Milliarden Dollar bleibt die Bewertung anspruchsvoll, insbesondere vor dem Hintergrund der kurzfristigen Lieferprobleme.

Der aktuelle Schlusskurs von 45,88 Dollar bedeutet zugleich einen Rückgang von knapp 15,5 Prozent gegenüber dem 52‑Wochen‑Hoch von 54,29 Dollar, das erst am 22. Januar erreicht wurde. Von den Tiefstständen bei 16,61 Dollar im April 2025 ist der Titel aber weiterhin weit entfernt.

Große Investitionen, hohe Erwartungen

Die Erwartungen an Intel wurden zuletzt von mehreren prominenten Finanzspritzen befeuert. Der US‑Staat stellte 8,9 Milliarden Dollar zur Verfügung, hinzu kamen 5 Milliarden Dollar von Nvidia und 2 Milliarden Dollar von SoftBank. Diese Summen sollen den Umbau des Konzerns beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit im KI‑ und Foundry‑Geschäft stärken.

Gerade im Foundry‑Bereich – also der Fertigung von Chips für externe Kunden – hofften viele Investoren auf mehr Klarheit. CEO Tan erklärte, zwei potenzielle Kunden würden aktuell die kommende 14A‑Fertigungstechnologie evaluieren. Entscheidungen darüber erwartet das Management gegen Ende 2026 oder Anfang 2027.

Analysten mahnen dennoch zur Geduld. RBC Capital Markets geht davon aus, dass „wesentliche Umsatzbeiträge“ aus 14A‑Kunden frühestens Ende 2028 zu erwarten sind. Jefferies‑Analysten zeigen sich weiterhin zurückhaltend und sehen noch keinen klaren Fahrplan angesichts weiterer Marktanteilsverluste, fehlender eindeutiger KI‑Strategie und unsicherer Perspektiven bei Fertigung und Packaging.

Ausblick: Erholung hängt an der Kapazität

Aus Sicht institutioneller Investoren ist die Lage widersprüchlich: Michael Schulman von Running Point Capital bringt es auf den Punkt, wenn er Intels Turnaround‑Geschichte als „angebots‑, nicht nachfragebedingt“ beschreibt. Die Produkte stoßen auf starkes Kundeninteresse, doch die Lieferengpässe verzögern den finanziellen Aufschwung.

Für die nächsten Quartale ist klar umrissen, worauf es ankommt: Intel erwartet, dass sich die Versorgungssituation ab dem zweiten Quartal 2026 verbessert und sich im weiteren Jahresverlauf schrittweise entspannt. Gelingt diese Stabilisierung der Lieferketten, rechnet das Management mit kräftigem Wachstum im Rechenzentrums‑ und KI‑Geschäft, da die Server‑Nachfrage weiter anzieht. Ob die Aktie an ihre vorherige Rally anknüpfen kann, wird damit vor allem von der tatsächlichen Entschärfung der Kapazitätsengpässe und der Umsetzung der Foundry‑Pläne in den kommenden Jahren abhängen.

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