Intel steht an einem spannenden Wendepunkt: Nach Jahren des Hinterherlaufens rückt der Konzern im Foundry-Geschäft überraschend in den Mittelpunkt. Auslöser ist nicht nur eine technische Aufholjagd, sondern auch ein Engpass beim Branchenprimus TSMC. Entscheidend wird nun, ob Intel diese Chance in konkrete Aufträge und belastbare Zahlen übersetzen kann.
Analysten kippen ihre Haltung
Der Ton an der Wall Street hat sich in wenigen Tagen deutlich gedreht. Mehrere große Häuser haben ihre bisher eher skeptische Sicht auf Intel überarbeitet – teils sehr deutlich.
Im Fokus steht vor allem Citigroup: Die Bank, die Intel lange mit „Sell“ eingestuft hatte, hat die Aktie am 15. Januar auf „Neutral“ hochgestuft und das Kursziel von 29 auf 50 US‑Dollar angehoben – ein Sprung von mehr als 70 Prozent. Für viele Marktteilnehmer ist das ein Signal, dass selbst hartnäckige Kritiker die Fortschritte beim Umbau des Geschäftsmodells nicht mehr ignorieren.
Am 16. Januar folgte Jefferies mit einer Anhebung des Kursziels von 40 auf 45 US‑Dollar bei unverändertem „Hold“-Votum. Begründung: vor allem eine stärkere Nachfrage im Servergeschäft. Noch optimistischer hatte sich zuvor bereits KeyBanc positioniert: Dort wird Intel mit „Overweight“ eingestuft und ein Kursziel von 60 US‑Dollar – aktuell das obere Ende der Spanne – ausgerufen.
An den Kursen zeigt sich die veränderte Stimmung deutlich: Trotz eines Rücksetzers von rund 2,8 Prozent am Freitag auf 46,96 US‑Dollar liegt die Aktie auf Wochensicht im Plus und hat in den vergangenen 30 Tagen um mehr als 50 Prozent zugelegt.
TSMC-Engpass als Chance
Der plötzliche Optimismus speist sich nicht nur aus internen Fortschritten bei Intel, sondern vor allem aus einer Verschiebung in der globalen Chip-Lieferkette.
Laut bestätigten Berichten vom 16. Januar stößt TSMC an Kapazitätsgrenzen. Der Auftragsfertiger soll große Kunden wie Nvidia und Broadcom bereits auf mögliche Engpässe hingewiesen haben. Für Intel öffnet sich damit ein „Fenster der Gelegenheit“: Die Foundry-Sparte IFS könnte zusätzliche Aufträge übernehmen, die TSMC in der aktuellen Situation nicht bedienen kann.
Anders als noch vor einigen Jahren wird Intels Fertigung inzwischen wieder als echte Alternative wahrgenommen. Ein zentraler Grund: Die fortgeschrittenen Fertigungsknoten gelten als stabiler, die Prozessqualität als deutlich verbessert. Marktbeobachter sprechen von einem möglichen „Spillover“-Effekt – also von Volumen, das aus Kapazitätsgründen von TSMC zu Intel wandert.
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Operative Basis: 18A und neue Produkte
Damit diese Theorie trägt, muss die technische Umsetzung stimmen. Unter CEO Lip-Bu Tan hat Intel das Tempo bei der Fertigung spürbar erhöht.
Im Mittelpunkt steht der 18A-Prozess (1,8 nm). Laut aktuellen Informationen erreicht Intel hier Ausbeuteraten („Yield“) von über 60 Prozent – ein Niveau, das als Mindestvoraussetzung für die Massenproduktion gilt. Damit rückt das Unternehmen näher an die internationale Spitzengruppe heran.
Mehrere operative Punkte stützen derzeit die Neubewertung:
- 18A-Yields über 60 %: Das erhöht die Chancen, Samsung als Nummer zwei im Foundry-Markt zu verdrängen.
- „Panther Lake“-Start: Die neue Prozessorgeneration wird hochgefahren und soll 2026 vom erwarteten Wachstum im Markt für AI‑PCs profitieren.
- Politische Rückendeckung: Treffen zwischen Lip-Bu Tan und Vertretern der US-Regierung unterstreichen die strategische Rolle von Fertigungskapazitäten in den USA.
Diese Faktoren liefern das Fundament für die aktuelle Kursrally, die die Aktie deutlich über ihre längerfristigen Durchschnitte getrieben hat.
Quartalszahlen am 22. Januar im Fokus
Der nächste Prüfstein ist bereits terminiert: Am 22. Januar legt Intel die Zahlen für das vierte Quartal vor.
Der Marktkonsens rechnet derzeit mit einem Umsatz von rund 13,3 Milliarden US‑Dollar. Beim Gewinn je Aktie wird ein Ergebnis nahe der Nulllinie erwartet (zwischen 0,00 und –0,02 US‑Dollar). Hintergrund sind die hohen Investitionen in neue Fabriken und Technologien, die kurzfristig auf die Profitabilität drücken.
An der Börse spielt der Rückblick auf Q4 allerdings nur die zweite Geige. Im Vordergrund steht der Ausblick auf 2026. Besonders wichtig wird sein,
- ob Intel ein klareres Bild für das Wachstum im Foundry-Geschäft zeichnet,
- und ob das Management neue externe Großkunden benennt, die aus der TSMC-Knappheit heraus zu Intel wechseln.
Die Aktie hat zuletzt ein neues Jahreshoch markiert und notiert aktuell nur wenige Prozent darunter. Damit ist die Erwartungshaltung spürbar gestiegen: Bestätigt Intel am 22. Januar sowohl die technische Führungsarbeit bei 18A als auch konkrete Foundry-Aufträge aus dem „Spillover“-Effekt, dürfte die Neubewertung des Konzerns weiter an Fahrt gewinnen; bleiben diese Signale aus, könnte ein Teil des jüngsten Kursanstiegs wieder abgegeben werden.
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