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Intel Aktie: Chipsektor verliert eine Billion

Intel-Aktie fällt trotz Jahresplus um 187 Prozent. Analysten uneins über Foundry-Strategie und KI-Investitionen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Chipbranche verliert eine Billion Dollar
  • Intel-Aktie fällt um 8,4 Prozent
  • Analysten sehen Parallelen zur Dotcom-Blase
  • Foundry-Sparte bleibt großer Unsicherheitsfaktor

Der gesamte Halbleitersektor gerät ins Wanken. Über eine Billion Dollar Marktwert haben Chiphersteller in dieser Woche verloren, weil die Wall Street plötzlich an der Nachhaltigkeit der KI-Investitionen zweifelt. Intel trifft es besonders hart: Die Aktie schloss am Mittwoch bei 96,55 Euro, nach einem Rückgang von 8,41 Prozent binnen sieben Handelstagen.

Zum Vergleich: Seit Jahresbeginn steht bei Intel noch immer ein Plus von 187,31 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten sind es sogar 382,85 Prozent. Der aktuelle Rücksetzer relativiert die Rally – beendet sie aber nicht.

Sorge vor einer neuen Dotcom-Blase

Die Zweifel gehen über gewöhnliche Gewinnmitnahmen hinaus. Ein bärisch eingestellter Analyst zog Parallelen zum Juni 2000 – jenem Monat kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase. BofA-Stratege Michael Hartnett verweist auf seinen eigenen Blasen-Risikoindikator: Der liegt aktuell bei 0,91 und damit deutlich über dem Wert des Nasdaq 100 von 0,69.

Hinzu kommen konkrete politische Risiken. Eine von Kevin Warsh geführte Federal Reserve könnte die Zinsen zur Inflationsbekämpfung anheben. Parallel dazu vermietet Meta überschüssige Cloud-Kapazitäten für KI – ein Schritt, der laut Marktbeobachtern die Investitionsausgaben der gesamten Branche dämpfen könnte.

Der Ausverkauf traf Intel schon am Dienstag mit voller Wucht. Die Aktie brach im regulären Handel um 9,66 Prozent ein. Am Mittwoch setzte sich die Schwäche vorbörslich fort, ein weiteres Minus von über 2 Prozent kam hinzu. Auch die Terminkontrakte auf Nasdaq und S&P 500 gaben nach und zogen den gesamten Sektor mit nach unten.

Langfristiger Trend bleibt intakt

Trotz des Rücksetzers zeigen die technischen Signale ein gemischtes Bild. Intel notiert weiterhin 31 Prozent über dem 100-Tage-Durchschnitt und 78,84 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Das im August 2025 entstandene „Golden Cross“ – ein charttechnisches Kaufsignal – stützt den langfristigen Aufwärtstrend weiterhin.

Der 14-Tage-RSI liegt bei 42,8 und damit in neutralem Terrain. Das ist bemerkenswert, denn die Aktie ist inzwischen 22,50 Prozent von ihrem 52-Wochen-Hoch entfernt. Dieses Hoch von 124,58 Euro erreichte Intel erst am 30. Juni. Auch der 50-Tage-Durchschnitt bei 102,17 Euro liegt inzwischen über dem aktuellen Kurs.

Analysten uneins über die Richtung

Während der Kurs einbrach, hoben mehrere Wall-Street-Häuser zuletzt ihre Kursziele an. Cantor Fitzgerald beließ sein Rating bei „Neutral“, erhöhte aber am 29. Juni das Kursziel auf 150 Dollar. Goldman Sachs startete die Coverage am 25. Juni ebenfalls mit „Neutral“ und einem Kursziel von 150 Dollar.

Bank of America bestätigte am 23. Juni ihre Kaufempfehlung und hob das Ziel auf 160 Dollar an. Am optimistischsten zeigt sich HSBC: Die Bank sieht ein Kursziel von 200 Dollar und begründet dies mit dem langfristigen Potenzial von Intels Foundry-Geschäft.

Der Analystenkonsens bleibt dennoch vorsichtig. Im Schnitt lautet die Einstufung „Hold“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei nur 88,63 Dollar – deutlich unter dem aktuellen Kursniveau.

Die Foundry bleibt der Unsicherheitsfaktor

Ein Großteil der Skepsis dreht sich um Intels Fertigungsumbau. Berichten zufolge könnte der neue 18A-Prozess erst 2026 oder 2027 profitable Ausbeuten erreichen. Diese Zeitspanne belastet die Stimmung, auch wenn die Kursgewinne des vergangenen Jahres davon unberührt blieben.

Die Zahlen zeigen das Ausmaß der Aufgabe: Intel Foundry erwirtschaftete im ersten Quartal 2026 gerade einmal 174 Millionen Dollar Umsatz mit externen Kunden. Der operative Verlust der Sparte lag bei 2,4 Milliarden Dollar. Das Geschäft steckt noch in einer sehr frühen Phase.

Am 23. Juli legt Intel nach Börsenschluss seine Quartalszahlen vor. Zusammen mit dem Bericht von TSMC dürfte dieser Termin darüber entscheiden, ob sich der Sektor stabilisiert. Entscheidend wird sein, ob Fortschritte in der Fertigung und bei den Preisen die Bewertungssorgen ausgleichen können, die derzeit auf der gesamten Chipbranche lasten.

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