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Intel Aktie: AMD überholt Intel im Rechenzentrum

Intel-Aktie fällt nach Rekordrallye um fast 12 Prozent. Analysten sehen operative Hürden bei Foundry-Plänen und AMD-Vorsprung im Rechenzentrum.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Kursrückgang von fast zwölf Prozent
  • Foundry-Prozess 18A mit Verzögerungen
  • AMD überholt Intel im Rechenzentrum
  • Quartalszahlen am 23. Juli erwartet

186 Prozent Kursgewinn seit Jahresanfang, aber ein Absturz von fast zwölf Prozent in nur einer Woche – bei Intel klaffen große Story und aktuelle Kursrealität gerade auseinander. Die Wall Street feiert den Chipkonzern seit Monaten als Symbol des amerikanischen Halbleiter-Comebacks. Diese Woche zeigt sich, wie fragil dieser Optimismus ist.

Zum Wochenschluss stand die Aktie bei 96,26 Euro. Das bedeutet ein Minus von 2,23 Prozent am Freitag. Über sieben Handelstage summiert sich der Rückgang auf 11,77 Prozent.

Die längere Perspektive relativiert das etwas. Auf Jahressicht steht immer noch ein Plus von 186,45 Prozent zu Buche, binnen zwölf Monaten sogar ein Kursgewinn von 372,67 Prozent. Intel bleibt damit einer der auffälligsten Performer im gesamten Halbleitersektor. Die jüngste Korrektur zeigt aber, dass Anleger den großen strategischen Umbau nun kritischer gegen die operative Realität abwägen.

Die Gießerei-Bremse

Der Auslöser für die abkühlende Stimmung liegt im Kerngeschäft der Zukunft: der eigenen Chipfertigung. Aktuelle Berichte aus der Branche deuten darauf hin, dass profitable Ausbeuten beim neuen „18A“-Fertigungsprozess erst Ende 2026 oder sogar erst 2027 erreicht werden. Für einen Konzern, der seine gesamte Wende auf den Status einer erstklassigen Foundry setzt, ist jede Verzögerung ein Warnsignal.

Die Skepsis zeigt sich im Kurs. Aktuell notiert Intel 22,73 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 124,58 Euro, erreicht Ende Juni 2026. CEO Tan Lip Bu, seit März 2025 im Amt, treibt den Umbau zwar sichtbar voran. Die Foundry-Sparte schreibt aber weiterhin deutliche operative Verluste – trotz eines Umsatzplus von 16 Prozent im ersten Quartal.

Wachablösung im Rechenzentrum

Zur Verunsicherung trägt ein struktureller Wechsel bei. Im ersten Quartal 2026 hat AMD erstmals Intel im Rechenzentrumsgeschäft überholt: 5,8 Milliarden Dollar Umsatz standen 5,1 Milliarden Dollar bei Intel gegenüber. Ein historischer Bruch in einem Markt, den Intel jahrzehntelang dominiert hat.

Intels eigene Data-Center-und-KI-Sparte wuchs zwar um 22 Prozent im Jahresvergleich. Der Verlust der Umsatzkrone an den langjährigen Rivalen wiegt trotzdem schwer.

Investoren richten den Blick nun auf den für Mitte 2028 geplanten Prozessor „Coral Rapids“ als möglichen Wendepunkt. Bis dahin muss der Markt Geduld aufbringen – und zahlt dafür schon jetzt einen stolzen Preis. Die Aktie handelt zum über 100-Fachen der erwarteten Gewinne, deutlich über dem Sektordurchschnitt. Bei einer Marktkapitalisierung von 495,13 Milliarden Euro verlangt der Markt nahezu fehlerfreie Ausführung.

Reicht ein Polster aus drei prominenten Kapitalgebern, um eine Fertigungstechnologie zu retten, die frühestens 2027 profitabel läuft? Die Antwort hängt weniger vom Geld selbst ab als davon, wie schnell sich die 18A-Ausbeuten tatsächlich verbessern.

Der souveräne Rückhalt

Trotz der operativen Baustellen positioniert sich Intel zunehmend als strategisches Asset mit staatlichem Rückenwind. Drei Kapitalgeber stechen dabei heraus:

  • Die US-Regierung investierte 8,9 Milliarden Dollar für eine Beteiligung von 10 Prozent.
  • Nvidia steckte 5 Milliarden Dollar in eine rund vierprozentige Beteiligung, verbunden mit gemeinsamer Produktentwicklung.
  • SoftBank beteiligte sich mit 2 Milliarden Dollar.

Hinzu kommen Spekulationen über eine mögliche Kooperation mit Apple bei einfacheren Chips. Ein solcher Deal würde vermutlich zwei bis drei Jahre bis zur Umsetzung brauchen, könnte die Foundry-Glaubwürdigkeit von Intel aber grundlegend neu bewerten lassen.

Bewährungsprobe am 23. Juli

Der nächste konkrete Test folgt bald. Am 23. Juli 2026 legt Intel seine Zahlen zum zweiten Quartal vor. Analysten wollen dort vor allem Fortschritte bei den 14A-Meilensteinen und aktuelle Updates zur 18A-Ausbeute sehen.

Technisch zeigt sich bereits eine Abkühlung. Der RSI liegt bei 42,9, der Kurs notiert 6,40 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 102,84 Euro. Gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt von 54,67 Euro liegt die Aktie aber immer noch 76,07 Prozent im Plus.

Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 88,30 Euro. Das entspräche einem weiteren Rückgang von 8,3 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Der Umbau vom klassischen Chiphersteller zum nationalen Foundry-Champion läuft. Der Weg dorthin führt aber, wie die jüngste Volatilität zeigt, über harte Fertigungshürden.

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