Mancher Kursverlauf erzählt mehr über eine Branche als jede Analystenstudie. Wer die Intel-Aktie der vergangenen Wochen beobachtet, sieht genau das: einen Titel, der zwischen Euphorie über den Umbau zum KI-Zeitalter und der Ernüchterung über die Kosten dieses Umbaus hin- und herpendelt. Am Mittwoch geriet die Aktie im US-Handel unter Druck, fiel um 2,34 Prozent und rutschte damit von der psychologischen Marke von 100 Dollar ab. Ausgelöst wurde der Rückzug durch allgemeine Nervosität im Halbleitersektor und neue Sorgen um globale Zollpolitik – Themen, die nichts mit Intel selbst zu tun haben, aber eben doch jeden Chiphersteller treffen. Im deutschen Handel schloss das Papier am Mittwoch bei 87,40 Euro, nahezu unverändert zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 10,58 Prozent – ein Beleg dafür, wie sehr die jüngste Rally von den Quartalszahlen getragen wurde, die der Kurssturz vom Mittwoch nur teilweise kaschiert.
Zwischen Rekordumsatz und Milliardenverlust
Diese Zahlen liegen inzwischen zwei Wochen zurück, prägen aber immer noch die Wahrnehmung des Titels. Intel meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar, ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über der Konsensschätzung von 14,4 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,42 Dollar, mehr als doppelt so hoch wie die erwarteten 0,21 Dollar. Gleichzeitig wies das Unternehmen nach US-GAAP einen Nettoverlust von 11,0 Milliarden Dollar aus – verursacht durch eine nicht zahlungswirksame Bewertungsbelastung von 12,5 Milliarden Dollar auf staatlich hinterlegte Aktien. Diese Diskrepanz zwischen operativer Stärke und bilanzieller Belastung ist symptomatisch für ein Unternehmen, das sich mitten in einem teuren, staatlich mitfinanzierten Umbau befindet. Konzernchef Lip-Bu Tan bestätigte zugleich, dass der Fertigungsprozess 18A die Massenproduktion erreicht hat und ein Fertigungsvertrag mit einem großen Cloud-Anbieter unter Dach und Fach ist – ein wichtiges Signal für das Foundry-Geschäft, das lange als Intels größte offene Baustelle galt. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz zwischen 15,8 und 16,8 Milliarden Dollar sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie von 0,38 Dollar in Aussicht.
Sparen und investieren zugleich
Der eigentliche Widerspruch zeigt sich abseits der Bilanz. Intel bestätigte Ende Juli den Abbau von 103 Stellen in seinen Standorten in Santa Clara, wirksam ab dem 15. August, als Teil eines breiteren Stellenabbaus in der Sparte für Rechenzentren und KI. Zur gleichen Zeit hob das Unternehmen seine Investitionsprognose für 2026 auf über 20 Milliarden Dollar an, von zuvor 18 Milliarden – begründet mit der wachsenden Nachfrage nach KI-Rechenleistung. Sparen an einer Stelle, investieren an einer anderen: Das ist die Formel, mit der sich der Konzern derzeit neu erfindet. Ergänzt wird das Bild durch eine Produktänderungsmitteilung von Anfang der Woche, in der Intel die Einstellung bestimmter Produktlinien ankündigte, mit letztem Bestelltermin am 6. November und letzter Lieferung im August 2027 – ein weiteres Zeichen für die laufende Straffung des Portfolios.
Analysten uneins, Ökosystem wächst
Die Reaktionen der Analysten bleiben gespalten. Wedbush hob das Kursziel Ende Juli im Anschluss an die Quartalszahlen auf 98 Dollar von zuvor 60 Dollar an und vergab ein „Neutral“-Rating. Rosenblatt erhöhte das Ziel am Mittwoch auf 65 Dollar von 50 Dollar, blieb aber bei der Einschätzung „Sell“ – ein deutliches Signal, dass selbst optimistischere Stimmen die Bewertung noch für ambitioniert halten. Auf der anderen Seite verdichten sich die Hinweise auf ein wachsendes KI-Ökosystem rund um Intel: Der Halbleiterspezialist SambaNova Systems sammelte eine Finanzierungsrunde über eine Milliarde Dollar bei einer Bewertung von elf Milliarden Dollar ein, was Medienberichten zufolge auch als positives Signal für Intels Rolle in diesem Umfeld gilt. Zudem soll der Auftragsfertiger PSMC exklusiver Lieferant von EMIB-Siliziumkondensatoren für Intel geworden sein, was wiederum Aufträge für den Partner UMC nach sich ziehen könnte. Ob der Rückschlag von der Hunderter-Marke nur eine Verschnaufpause ist oder der Vorbote einer längeren Konsolidierung – das dürfte sich erst zeigen, wenn der nächste Beweis für die Kapazitätsauslastung der neuen Fertigungslinien vorliegt.
Intel-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Intel-Analyse vom 6. August liefert die Antwort:
Die neusten Intel-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Intel-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 6. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Intel: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
