Ein Rekordquartal, ein Kurssturz von fast acht Prozent an einem einzigen Tag. Bei Intel prallen gerade zwei Wahrheiten aufeinander, und für mich überwiegt eindeutig die positive.
Intel meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar. Das ist ein Plus von 25,4 Prozent im Jahresvergleich und das stärkste Wachstum seit 15 Jahren. Der Markt reagierte trotzdem nervös: Am Freitag brach die Aktie um 7,73 Prozent ein und schloss bei 81,14 Euro. Über 30 Tage summiert sich der Rückgang auf 27,64 Prozent.
Rekordwachstum trifft auf Buchhaltungslärm
Die Zahlen zeigen einen Konzern im Umbruch. Der Bereich Data Center & AI wuchs um 59 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar Umsatz. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,42 Dollar und verdoppelte damit die Analystenerwartungen.
Gleichzeitig wies Intel einen GAAP-Nettoverlust von 11 Milliarden Dollar aus. Grund war eine einmalige Sonderbelastung von 12,5 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit Treuhandgeldern aus dem CHIPS Act. Diese Zahl dürfte Privatanleger verschreckt haben.
Sie verdeckt aber das eigentliche Bild: Auf non-GAAP-Basis erzielte Intel einen Nettogewinn von 2,2 Milliarden Dollar. Der freie Cashflow drehte zudem wieder ins Positive. Meiner Einschätzung nach überbewertet der Markt aktuell diesen buchhalterischen Sondereffekt und unterschätzt die fundamentale Erholung der Chipnachfrage.
Fortschritte in der Fertigung, prominente Partner
Intels langfristige Strategie steht und fällt mit dem Umbau zum führenden Foundry-Anbieter. Die technische Umsetzung scheint der Ankündigung endlich zu folgen. Der 18A-Fertigungsprozess läuft laut Unternehmen bereits über den internen Zielen, die nächste Generation 14A soll planmäßig Ende 2027 folgen.
Mehrere hochkarätige Partnerschaften untermauern diesen Kurs. Nvidia und SoftBank haben investiert, Tesla kooperiert bei einer 14A-„Terafab“. Hinzu kommt eine nicht bindende Vereinbarung mit Lens Technology zu Glas-Substratverpackungen für KI-PCs und Rechenzentrumschips der nächsten Generation.
Das sind keine reinen Symboldeals. Sie markieren einen konkreten Weg zu Intels Ziel von einer Billion Transistoren pro Chip-Package bis 2030.
Ein Rücksetzer, der Beachtung verdient
Trotz der jüngsten Talfahrt bleibt Intel einer der Top-Performer des Jahres: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 158,41 Prozent zu Buche. Nach einem Anstieg von 355 Prozent binnen zwölf Monaten war eine Korrektur wohl unvermeidlich.
Aktuell notiert die Aktie 34,87 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 124,58 Euro. Der RSI von 37,1 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain – ein technisches Argument dafür, dass der Ausverkauf seinen Boden finden könnte.
Ausblick: Der Weg zurück
Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 95,49 Euro, was einem Aufwärtspotenzial von 17,7 Prozent entspricht. Die israelische Regierung strich zwar eine Förderung von umgerechnet rund 1,3 Milliarden Schekel für die Werkserweiterung in Kirjat Gat – ein regionales Risiko, das aber angesichts der für 2026 geplanten Investitionen von 20 Milliarden Dollar in die globale Fertigung in den Hintergrund tritt.
Die Wahrscheinlichkeit spricht für eine Erholung, sobald der Markt die „sauberen“ non-GAAP-Zahlen verdaut und das Ausmaß des KI-Infrastrukturbooms anerkennt. Bei Big-Tech-Investitionen in KI, die bis 2027 die Marke von einer Billion Dollar erreichen sollen, positioniert sich Intel als kritischer Zulieferer und Foundry-Partner.
Für alle, die an die „IDM 2.0″-Strategie glauben, dürfte der aktuelle Abstand zum 52-Wochen-Hoch weniger ein Alarmsignal als vielmehr ein taktischer Einstiegspunkt sein.
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