Infineon eröffnet das größte Werk seiner Geschichte in Dresden. Die Anlage geht ein Vierteljahr früher als geplant ans Netz. An der Börse löst der Meilenstein allerdings keine Euphorie aus. Im Gegenteil. Die Aktie rutscht massiv ab.
Milliarden-Fabrik trifft auf US-Warnung
Der Konzern investierte Milliarden in die neue Fabrik. Dort entstehen künftig Leistungshalbleiter für künstliche Intelligenz und Elektroautos. Das Projekt schafft rund tausend neue Arbeitsplätze. Dennoch verliert das Papier heute 3,16 Prozent auf 76,21 Euro. Damit führt Infineon die Verlustliste im DAX an.
Auslöser für den Kursrutsch ist ein Stimmungswechsel in den USA. Die Bank of America warnte gestern vor einem zunehmenden Blasenrisiko im Halbleitersektor. Das schickte den US-Branchenindex SOX um über sechs Prozent in die Tiefe. Schwergewichte wie Nvidia und Micron gerieten stark unter Druck. Diese globale Verkaufswelle reißt nun auch europäische Chipwerte mit nach unten.
Zukauf abgeschlossen
Abseits der Marktturbulenzen schloss Infineon gestern eine strategische Lücke. Der Konzern übernahm das nicht-optische Sensorportfolio von ams OSRAM. Der Schritt erweitert das eigene Angebot spürbar.
Analysten werten die operative Entwicklung weiterhin positiv. Die Investmentbank Jefferies bestätigte heute ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 96 Euro. Laut Analyst Janardan Menon könnte das Dresdner Werk dank einer KI-gestützten Planung in zwei bis drei Jahren voll ausgelastet sein. Die Nachfrage nach Leistungschips bleibe intakt.
Charttechnik im Fokus
Trotz des aktuellen Rücksetzers blicken Anleger auf eine gewaltige Jahresrallye. Seit Januar verbucht die Aktie ein Plus von knapp 99 Prozent.
Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch liegt nun bei rund 15 Prozent. Der Kurs behauptet sich jedoch über dem mittelfristigen gleitenden Durchschnitt. Diese wichtige Unterstützungslinie verläuft aktuell bei 72,12 Euro.
Voraussichtlich im August legt Infineon die nächsten Quartalszahlen vor. Dann liefert das Management konkrete Details zur aktuellen Auftragslage. Mit diesen Daten konkretisiert sich auch die Hochlaufkurve für die neue Fabrik in Dresden.
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