Infineon stellt die Weichen für die nächsten Wachstumstreiber – und muss zugleich einen prominenten Abgang im Management verkraften. Neue Kooperationen im Automobilsektor, eine Produktpremiere im IoT-Bereich und rückläufige Geschäftszahlen zeichnen ein gemischtes Bild. Wie gut passt diese Strategie zur aktuellen Börsenbewertung?
Strategische Partnerschaft im Auto-Sektor
Mit der südkoreanischen HL Klemove hat Infineon ein Memorandum of Understanding für eine vertiefte Zusammenarbeit im Bereich softwaredefinierter und autonomer Fahrzeuge unterzeichnet. Ziel ist es, Infineons Rolle als Systemanbieter für die Automobilindustrie auszubauen.
Die Kooperation konzentriert sich auf drei technologische Kernfelder:
- Zonale Steuergeräte der nächsten Generation auf Basis von Infineon-Mikrocontrollern und Leistungshalbleitern
- Ethernet-basierte ADAS- und Kameralösungen, darunter Frontkamera-Module und Parkassistenz-Steuergeräte
- Hochauflösende Radarsysteme, bei denen HL Klemove auf Infineons Radar-Halbleiter für Kurzstrecken- und Imaging-Radar setzt
Peter Schaefer, Executive Vice President und CSO Automotive, hebt die Bedeutung eines breiten, integrierten Portfolios hervor, um die Entwicklung softwaredefinierter Fahrzeuge zu beschleunigen. Die Kooperation zielt damit klar auf komplexe Systemlösungen statt reiner Komponentenlieferung.
Management-Abgang: Remont geht zu Soitec
Parallel zur Ausweitung der Auto-Aktivitäten meldet Infineon einen wichtigen Personalverlust. Laurent Remont, bisher Senior Vice President, wechselt im April als CEO zum französischen Wafer-Spezialisten Soitec.
Die Reaktion am Markt zeigt, wie hoch Remont dort eingeschätzt wird: Die Soitec-Aktie legte nach der Ankündigung um rund 4 % zu. Bernstein-Analyst Aleksander Peterc sprach von einer „sehr guten Wahl“ und verwies auf Remonts breiten Halbleiter-Hintergrund mit Stationen bei Kontron, STMicroelectronics und zuletzt Infineon.
Für Infineon bedeutet der Abgang zwar keinen Bruch in der Strategie, unterstreicht aber den Wettbewerb um erfahrene Top-Manager in der Branche.
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Wi-Fi 7-Premiere für das IoT
Auf der Produktseite setzt Infineon mit einer Neuheit im IoT-Segment Akzente. Das Unternehmen stellt mit der AIROC ACW741x-Familie nach eigenen Angaben das erste Wi-Fi-7-IoT-Gerät mit konsequenter 20-MHz-Optimierung vor. Der Chip bündelt drei Funkstandards:
- Wi-Fi 7 mit Multi-Link-Unterstützung
- Bluetooth LE 6.0 inklusive Channel Sounding
- IEEE 802.15.4 Thread mit Unterstützung für das Matter-Ökosystem
Der zentrale Vorteil: Die Lösung soll im Standby-Betrieb bis zu 15-mal weniger Energie verbrauchen als vergleichbare IoT-Wi-Fi-Produkte. Angesprochen werden vor allem batteriebetriebene Geräte wie Überwachungskameras, smarte Türschlösser oder Thermostate.
Kevin Robinson, CEO der Wi-Fi Alliance, unterstreicht die strategische Rolle energieeffizienter 20-MHz-Geräte für Wi-Fi 7 im IoT-Markt. Mit Murata und Quectel haben bereits zwei etablierte Modul- und Lösungsanbieter Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert – ein Hinweis darauf, dass Infineon hier frühzeitig eine Nische mit hohem Anwendungspotenzial besetzt.
Geschäftslage und Börsenbild
Trotz der strategischen Initiativen spiegelt sich im Zahlenwerk für das Geschäftsjahr 2025 noch kein Wachstumsschub wider. Bei rund 57.000 Mitarbeitern erzielte Infineon einen Umsatz von etwa 14,7 Milliarden Euro, nach 14,955 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Nettogewinn verringerte sich von 1,301 Milliarden auf 1,015 Milliarden Euro.
An der Börse präsentiert sich die Aktie dennoch robust. Mit einem Kurs von 40,73 Euro notiert das Papier heute nur rund 4 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 42,35 Euro und deutlich über dem 52‑Wochen-Tief von 24,09 Euro. Der Abstand von knapp 18 % zum 200‑Tage-Durchschnitt deutet auf einen klaren Aufwärtstrend hin, während ein RSI von 46,3 keinen überkauften Zustand signalisiert.
Fazit: Solide Basis, Bewährungsprobe voraus
Infineon bündelt seine Stärken klar in zwei Wachstumsfeldern: softwaredefinierte Fahrzeuge und energieeffiziente IoT-Konnektivität. Die Kooperation mit HL Klemove und die Einführung der AIROC ACW741x-Familie passen strategisch zu dieser Ausrichtung, während der Abgang von Laurent Remont zeigt, dass der Wettbewerb um Führungs- und Technologietalente intensiver wird.
Operativ bleibt der Konzern allerdings gefordert, die rückläufigen Kennzahlen in künftigen Geschäftsjahren zu drehen. Für den Markt wird entscheidend sein, ob die jetzt vereinbarten Partnerschaften und neuen Produkte in den kommenden Quartalen messbar zu Umsatz und Ergebnis beitragen und damit das aktuell hohe Kursniveau dauerhaft untermauern.
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