Infineon baut keinen einzigen Server-Speicherchip und gerät trotzdem in den Sog des Chip-Ausverkaufs. Auslöser ist eine Ankündigung aus China, die die Branche verunsichert. Für den Münchner Konzern dürfte es eher um Stimmung als um das Geschäft gehen.
Was den Sektor belastet
Der chinesische Speicherhersteller CXMT will noch 2026 Serverspeicher mit der dichteren 4F²-Architektur liefern. Je Chip passen damit bis zu 50 Prozent mehr Zellen hinein. Das schürt Sorgen um Marktanteile und Margen etablierter Anbieter. Spezifikationen oder ein Lieferdatum nannte CXMT nicht, bislang ist es ein Fahrplan, kein Liefernachweis.
Hinzu kommen wachsende Zweifel an der Rentabilität der milliardenschweren KI-Investitionen. Marktexperten der Dekabank verweisen auf die Warnung des Broadcom-Chefs vor überzogenen KI-Erwartungen und Finanzierungsproblemen beim Ausbau.
In Asien fielen die Verluste deutlich aus. Der südkoreanische Kospi rutschte um rund 6 Prozent ab, Samsung und SK hynix büßten zwischen 7 und 9 Prozent ein.
Infineon im Windschatten
Die Infineon-Aktie verlor am Montag 2,8 Prozent auf 57,22 Euro. Vorbörslich auf Tradegate ging es heute weitere 1,5 Prozent nach unten. Auch AIXTRON und SUSS MicroTec gaben nach, obwohl beide ohne Speichergeschäft auskommen.
Dabei spielt Infineon fundamental in einer anderen Liga. Der Konzern lebt von Leistungshalbleitern, Mikrocontrollern und Sensoren, Speicher steckt allenfalls als Flash-Baustein in Autos. Im dritten Geschäftsquartal erzielte Infineon einen Rekordumsatz von 4,17 Milliarden Euro, 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Für das Geschäftsjahr peilt das Management rund 16,3 Milliarden Euro an.
Die Kunden bauen zudem mehr Rechenzentren, nicht weniger. Infineon versorgt KI-Server mit Strom. Fallen die Speicherpreise, geraten allerdings die KI-Investitionen unter Rechtfertigungsdruck, und das könnte mittelbar auch Zulieferer treffen.
Über zwei Handelstage summiert sich der Rücksetzer auf rund zehn Prozent. Neben der Chip-Schwäche belasten Sorgen um Zinsen und Inflation.
Termine mit Signalwirkung
Am Mittwoch legt der Ausrüster ASML Geschäftszahlen vor, am Donnerstag folgt Taiwan Semiconductor Manufacturing. Beide Berichte können den Sektor deutlich bewegen und zeigen, ob die Investitionspläne der Branche trotz der KI-Skepsis halten.
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