Infineon treibt seine Strategie im Wachstumsmarkt Rechenzentren voran. Das Unternehmen hat mit Skeleton Technologies eine Absichtserklärung unterzeichnet, um gemeinsam Solid-State-Transformatoren und Hochleistungs-Sidecars für Stromversorgungslösungen in KI-Rechenzentren zu entwickeln.
Ziel der Kooperation ist eine höhere Energieeffizienz und mehr Resilienz in der Stromversorgung von Rechenzentren, die durch den KI-Boom vor stark steigendem Energiebedarf stehen.
Technisch kombiniert die Partnerschaft Infineons Halbleiter der Reihen CoolSiC und CoolGaN mit der Superkondensator-Technologie von Skeleton Technologies.
Beide Unternehmen versprechen sich davon eine gesteigerte Leistungsdichte und Zuverlässigkeit der Energieversorgung – ein Thema, das angesichts des rasant wachsenden Strombedarfs von Rechenzentren an Bedeutung gewinnt. Der Analyst Maximilian Berger sieht in dem Deal Potenzial für Infineon, warnt aber zugleich vor Risiken, ohne diese näher zu konkretisieren.
Halbleiter für Rechenzentren als Wachstumshebel
Die Kooperation mit Skeleton reiht sich in eine breitere Entwicklung ein, bei der Infineons Leistungshalbleiter zunehmend in energieintensiven Zukunftsmärkten zum Einsatz kommen. So setzt der chinesische Heimspeicherhersteller Fox ESS in seinen Systemen auf Infineons CoolSiC-MOSFETs der 1200-Volt-G2-Generation.
Nach Angaben von Fox ESS sinken die Schaltverluste dadurch um 70 Prozent, der Wirkungsgrad der Batterieladung und -entladung erreicht bis zu 98,47 Prozent. Fox ESS hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 890.000 Wechselrichter und über eine Million Batteriespeicher mit dieser Technologie verbaut.
Der Bedarf an effizienter Stromversorgung für Rechenzentren dürfte in den kommenden Jahren deutlich zulegen. Die Internationale Energieagentur schätzt den weltweiten Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden – mehr als doppelt so hoch wie heute.
KI-Rechenzentren könnten ihren Energiebedarf demnach bis dahin sogar vervierfachen. Für Zulieferer von Leistungshalbleitern wie Infineon entsteht daraus ein strukturelles Wachstumsfeld, das über den klassischen Automobil- und Industriemarkt hinausreicht.
Kursreaktion und Marktumfeld
Die Infineon-Aktie reagierte am Freitag positiv auf die Nachrichtenlage und zählte mit einem Plus zu den stärksten Werten im DAX. Der Kurs kletterte im Tagesverlauf auf 56,63 Euro. Damit setzt sich eine Erholung fort, nachdem das Papier zuvor unter Druck geraten war – zum 50-Tage-Durchschnitt von 63,76 Euro besteht weiterhin ein Abstand von 11 Prozent, was die jüngste Schwächephase unterstreicht.
Parallel zur Skeleton-Partnerschaft registrierte Goldman Sachs eine Veränderung ihrer Stimmrechtsanteile an Infineon: Die Bank hielt zum 1. September einen Gesamtanteil von 5,31 Prozent, zusammengesetzt aus 0,65 Prozent Aktien und 4,66 Prozent Instrumenten, nachdem der Anteil zuvor bei 4,42 Prozent gelegen hatte.
Solche Meldungen nach Paragraf 40 WpHG spiegeln in der Regel Positionierungen im Derivatehandel wider und lassen für sich genommen keine strategische Absicht erkennen.
Für Anleger bleibt die Kombination aus struktureller Nachfrage nach Leistungshalbleitern für Rechenzentren und der breiten Anwendungsbasis in Photovoltaik- und Speichersystemen der entscheidende Treiber der Investmentstory. Die Skeleton-Kooperation liefert dafür ein weiteres konkretes Datenpunkt, auch wenn sie zunächst nur als Absichtserklärung firmiert und noch keine bezifferten Umsatzeffekte erkennen lässt.
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