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Infineon Aktie: MWB senkt auf Verkaufen trotz 77,20 Euro

Infineon erreicht neues Jahreshoch, während MWB Research die Aktie auf Verkaufen stuft. Das EU-Projekt Moore4Power unterstreicht die strategische Bedeutung des Konzerns.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Aktie erreicht neues Jahreshoch
  • MWB stuft auf Verkaufen herab
  • EU-Chip-Projekt Moore4Power gestartet
  • Umsatz- und Cashflow-Prognosen angehoben

Infineon steckt in einem ungewohnten Spannungsfeld. Operativ läuft es besser, die Aktie hat stark zugelegt und der Konzern führt ein großes europäisches Chip-Projekt an. Ausgerechnet jetzt kommt Gegenwind von MWB Research.

Die Aktie schloss am Dienstag bei 77,20 Euro und markierte damit ein neues Jahreshoch. In den vergangenen 30 Tagen legte sie um 43,79 Prozent zu, seit Jahresanfang um 101,54 Prozent.

MWB sieht wenig Spielraum

MWB Research erkennt die bessere Lage bei Infineon ausdrücklich an. Die Stärke rund um Künstliche Intelligenz greift laut den Analysten auf die Industrie über. Auch im Autogeschäft sehen sie erste Zeichen einer Stabilisierung.

Trotzdem senkt MWB den Daumen. Das Analysehaus hob das Kursziel zwar von 58 auf 60 Euro an, stufte die Aktie aber von Halten auf Verkaufen ab. Der Grund liegt weniger im Geschäft als in der Bewertung.

Aus Sicht der Analysten hat der Markt viel Positives bereits eingepreist. Der Chipsektor wirkt voll, die Bewertungen sind deutlich gestiegen und weiteres Kurspotenzial hängt an neuen Gewinnrevisionen. Kurz gesagt: Der Anspruch an Infineon ist gestiegen.

Der europäische Tech-Sektor stand derweil ebenfalls unter Druck. Er verlor am Dienstag 1,2 Prozent, nachdem er am Pfingstmontag den höchsten Stand seit der Jahrtausendwende erreicht hatte.

EU-Projekt setzt strategischen Akzent

Abseits der Kursdebatte stärkt Infineon seine Rolle in der europäischen Halbleiterstrategie. Im Mai 2026 startete Moore4Power offiziell. Das Projekt hat ein Volumen von 91 Millionen Euro und läuft über drei Jahre.

Unter Infineons Führung arbeiten 62 Partner aus 15 europäischen Ländern zusammen. Dazu zählen ABB, Airbus, Alstom und IMEC. Das Konsortium will neue Leistungselektronik für Industrie, Mobilität und Energieanwendungen entwickeln.

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Der Ansatz geht über das klassische Mooresche Gesetz hinaus. Statt nur kleinere Strukturen zu verfolgen, kombiniert Moore4Power verschiedene Technologien. Silizium, SiC und GaN sollen mit Sensorik, Steuerung und Kommunikation verbunden werden.

Dazu kommen KI-Modelle, digitale Zwillinge und automatisierte Abläufe. Sie sollen die Entwicklung neuer Module deutlich verkürzen. Das Ziel: Von ersten Fab-Mustern bis zur validierten Datenblattfreigabe soll nur noch eine Woche vergehen.

Für die E-Mobilität peilt das Projekt eine Effizienz von bis zu 99 Prozent an. Bei Bahnsystemen sollen Antriebsverluste um mindestens 30 Prozent sinken. Das zeigt, warum Leistungselektronik für Europas Industriepolitik so wichtig bleibt.

Zahlen liefern Rückenwind

Auch die jüngsten operativen Daten stützen das bessere Bild. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte Infineon einen Umsatz von 3,812 Milliarden Euro. Die Segmentergebnis-Marge lag bei 17,1 Prozent.

Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand nun mit einem signifikanten Umsatzanstieg. Zuvor hatte Infineon nur ein moderates Plus erwartet. Die bereinigte Bruttomarge soll im niedrigen bis mittleren Vierzig-Prozent-Bereich liegen.

Auch beim Cashflow wird der Konzern optimistischer. Infineon erwartet nun rund 1,65 Milliarden Euro bereinigten Free Cashflow, nach zuvor 1,4 Milliarden Euro. Die Segmentergebnis-Marge soll rund 20 Prozent erreichen.

Damit prallen zwei Sichtweisen aufeinander. Das operative Bild hellt sich auf, während die Bewertung nach dem starken Lauf empfindlicher wird. Der Abstand zum MWB-Kursziel bleibt die Reibungsfläche, die neue EU-Rolle liefert dagegen strategisches Gewicht.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.