Infineon baut sein Geschäft rund um Rechenzentren für Künstliche Intelligenz konsequent weiter aus. Am Mittwoch kündigte der Münchner Halbleiterkonzern eine Kooperation mit dem südkoreanischen Elektrotechnikkonzern LS Electric an. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen hocheffiziente Gleichstrom-Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren entwickeln. Für Anleger ist die Partnerschaft ein weiteres Signal dafür, wie stark Infineon sein Geschäft auf die Energieversorgung von Rechenzentren ausrichtet – einem Markt, der für den Konzern zunehmend zum Wachstumstreiber wird.
KI-Geschäft als Wachstumsmotor
Die Zahlen dahinter sind beachtlich: Infineon rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit Umsätzen aus der Stromversorgung von KI-Rechenzentren von mehr als 1,6 Milliarden Euro – mehr als eine Verdopplung gegenüber gut 700 Millionen Euro im Vorjahr. Für das kommende Geschäftsjahr 2027 stellt der Konzern KI-bezogene Erlöse von über 2,5 Milliarden Euro in Aussicht. Ergänzt wird das Bild durch mehrjährige Kapazitätsreservierungsvereinbarungen mit führenden KI-Kunden, die abgeschlossen wurden oder derzeit verhandelt werden und laut Unternehmensangaben ein kumuliertes Umsatzvolumen im hohen einstelligen Milliardenbereich erreichen sollen.
Diese Entwicklung fügt sich in die gestern vorgelegten Quartalszahlen ein, in denen Infineon seine Jahresprognose für das Geschäftsjahr 2026 auf einen Umsatz von rund 16,3 Milliarden Euro angehoben hatte. Die Aktie reagierte auf die Zahlen zunächst mit deutlichen Verlusten, weil die Profitabilität hinter den Erwartungen zurückblieb. Mehrere Analysehäuser justierten daraufhin ihre Kursziele: Goldman Sachs hob sein Kursziel auf 91 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung, mit Verweis auf die steigende KI-Nachfrage und die Erholung der Endmärkte als Haupttreiber. UBS zeigte sich zurückhaltender, hob das Kursziel zwar auf 64 Euro an, beließ die Einstufung aber bei „Neutral“ und verwies auf wachsenden Wettbewerbsdruck aus China als Belastung für die Profitabilität. Die Bandbreite der übrigen Einschätzungen reicht von vorsichtig optimistisch bis deutlich bullisch, mehrere Häuser sehen nach den Zahlen weiteres Aufwärtspotenzial.
Rechtssieg gegen Innoscience stärkt GaN-Position
Neben dem KI-Geschäft sorgt Infineon auch auf juristischer Ebene für Rückenwind. Mitte Juli bestätigte die US-Handelsbehörde International Trade Commission ein Verbot patentverletzender GaN-Produkte des chinesischen Herstellers Innoscience für den US-Markt. Der Rechtsstreit wurde damit zugunsten von Infineon entschieden. Für den Konzern ist das mehr als eine juristische Randnotiz: Galliumnitrid-Halbleiter gelten als Schlüsseltechnologie für effiziente Stromversorgung, etwa in Rechenzentren und in der Elektromobilität. Ein gesicherter Patentschutz in diesem Segment stützt die Wettbewerbsposition gegenüber asiatischen Anbietern, während gleichzeitig neue Lieferverträge im KI-Bereich das Geschäft breiter aufstellen.
Auf operativer Ebene zeigte sich die Stärke zuletzt vor allem im Segment Power + Sensor Systems, das den Umsatz um 34 Prozent steigerte und mit einem Segmentgewinn von 359 Millionen Euro zum wichtigsten Ergebnistreiber avancierte. Der Auftragsbestand des Konzerns kletterte gegenüber dem Vorquartal um 5 Milliarden Euro auf knapp 30 Milliarden Euro – ein Hinweis darauf, dass die Nachfrage über mehrere Endmärkte hinweg breiter wird, auch wenn das Segment Connected Secure Systems mit einem Umsatzrückgang von 9 Prozent gegenlief.
Kursbild bleibt angeschlagen
An der Börse hat sich die Infineon-Aktie von ihrem Kurseinbruch nach den Quartalszahlen zwar teilweise erholt: Am Freitag legte das Papier um 4,14 Prozent auf 62,42 Euro zu. Seit Jahresbeginn steht damit weiterhin ein Plus von 65,44 Prozent zu Buche. Vom eigenen 50-Tage-Durchschnitt bleibt der Kurs jedoch mit einem Abstand von 14,33 Prozent nach unten spürbar entfernt – ein Zeichen dafür, dass der kurzfristige Trend trotz der jüngsten Gegenbewegung angeschlagen bleibt. Anleger richten den Blick nun auf die kommenden Monate: Die Ergebnisse für das vierte Quartal und das Gesamtgeschäftsjahr 2026 werden im November erwartet, mit ihnen dürfte sich zeigen, ob die angepeilte Segment Result Margin von rund 23 Prozent im Schlussquartal tatsächlich erreicht wird.
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