Ein Kursrutsch von 8,5 Prozent an einem Tag, und das am selben Tag, an dem Infineon seine KI-Strategie mit einem neuen Partner untermauert: Die Lage beim Chipkonzern ist widersprüchlich. Die Börse blickte heute eher auf die Politik als auf die Unternehmensnachrichten.
Politik drückt die Chipwerte
Auslöser des Ausverkaufs waren die US-Zwischenwahlen. Donald Trump und die Republikaner mussten eine Niederlage gegen die Demokraten hinnehmen. Anleger fürchten nun strengere Regeln für den Ausbau von Rechenzentren und Verzögerungen bei Großprojekten.
Das trifft Infineon an einer empfindlichen Stelle. Der Konzern setzt stark auf Leistungshalbleiter für KI-Rechenzentren. Die Verkaufswelle an der Nasdaq erreichte schnell Frankfurt und erfasste vor allem Halbleiter- und Infrastrukturwerte. Auch Siemens Energy und Hochtief gaben nach, weil Investoren frühere Kursgewinne aus dem KI-Umfeld wieder auspreisten.
Der Dax drehte nach einem Rekordhoch bei knapp 26.693 Punkten ins Minus und schloss 0,43 Prozent tiefer bei 26.325 Zählern. Infineon war damit klar einer der größten Belastungsfaktoren im Leitindex, nur Rheinmetall verlor mit 16 Prozent noch deutlich mehr.
Absichtserklärung mit SOLUM
Parallel dazu hat Infineon eine Absichtserklärung mit dem südkoreanischen Serverstromversorger SOLUM unterzeichnet. Beide wollen ihre Zusammenarbeit bei Hochvolt-Gleichstromlösungen (HVDC) für KI-Rechenzentren ausbauen. Im Fokus stehen Zwischenkreiswandler, Batterie-Backup-Einheiten und Netzteile.
Infineon soll SOLUM früh in Projekten begleiten, Referenzdesigns liefern und technische Unterstützung leisten. Dabei kommen Bausteine aus Silizium, Siliziumkarbid und Galliumnitrid zum Einsatz. SOLUM bringt sein Know-how im Design und in der Fertigung von Serverstromversorgung ein und will damit auch Kunden in Nordamerika erreichen.
Auf einem gemeinsamen Technologietag zeigte SOLUM bereits einen Batterie-Backup-Wandler der 26-Kilowatt-Klasse für 800-Volt-Architekturen. Er nutzt Infineons CoolSiC-MOSFETs, Gate-Treiber und digitale Leistungsregler. Angepeilt ist ein Spitzenwirkungsgrad von über 98,5 Prozent, die Serienproduktion ist für 2027 vorgesehen.
Einordnung
Kurzfristig dominiert die Politik. Die Kooperation ändert daran nichts, sie zeigt aber, wie Infineon seine Position im KI-Stromnetz der Rechenzentren ausbaut.
Die Absichtserklärung ist zudem noch keine Auftragsvergabe, die Serienfertigung des gezeigten Produkts liegt erst im Jahr 2027. Ob strengere US-Vorgaben für Rechenzentren den Ausbau tatsächlich bremsen, hängt von konkreten Gesetzesvorhaben der neuen Mehrheit ab. Bis dahin dürfte die Aktie sensibel auf jede Nachricht aus Washington reagieren.
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