Infineons Produktionsvorstand Alexander Gorski will mehr. Ein zweites TSMC-Werk in Dresden soll her – diesmal für modernste Chipstrukturen. Die Forderung trifft auf eine Aktie, die nach ihrer Rekordrally spürbar ins Straucheln geraten ist.
Gorski drängt auf feinere Strukturen
Auf dem Bayerischen Halbleiterkongress wurde Gorski deutlich: „Der nächste Schritt muss sein, dass TSMC eine weitere Fabrik mit kleinen Strukturgrößen baut.“ Der Hintergrund: In Dresden entsteht bereits die erste TSMC-Fabrik, das Joint Venture ESMC. TSMC hält daran 70 Prozent, Bosch, Infineon und NXP je 10 Prozent.
Über 10 Milliarden Euro fließen in die Anlage. Bis zu 5 Milliarden Euro davon kommen aus staatlicher Förderung. Ab Ende 2027 soll die Fabrik 40.000 Wafer pro Monat produzieren.
Diese erste Fabrik deckt jedoch keine hochmodernen Fertigungsknoten ab. Sie startet mit Strukturbreiten von 28 bis 22 Nanometern und soll später auf 16 bis 12 Nanometer sinken. Das reicht für Mikrocontroller in Autos – nicht für die Spitzentechnologie.
Genau hier setzt Gorski an. Chips mit 7, 5 oder weniger Nanometern kommen fast ausschließlich aus Taiwan. Europa fertigt in diesem Bereich bislang nichts.
Ein zeitnaher Baustart ist damit aber nicht verbunden. Selbst wenn die Partner bald Gespräche aufnehmen, wäre frühestens ab 2030 mit einer Inbetriebnahme zu rechnen. Aus Branchenkreisen heißt es: eher später.
Smart Power Fab läuft bereits
Der Vorstoß kommt kurz nach einem anderen Meilenstein. Am 2. Juli hat Infineon seine neue Smart Power Fab in Dresden in Betrieb genommen – drei Monate früher als geplant. Mit rund fünf Milliarden Euro Investition ist es die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte.
Diese Fabrik zielt allerdings auf Leistungshalbleiter, nicht auf feine Logikchips. Gorski ordnet das selbst ein: Leistungschips sind etwas anderes als feine Logik. Für die europäische Chipstrategie bleibt die Lage insgesamt schwierig. Der EU Chips Act wollte bis 2030 ein Fünftel der weltweiten Fertigung nach Europa holen. Angekommen sind bisher vor allem reife Prozesse – nicht die Spitzentechnologie.
Kurs bleibt unter Druck
Die Infineon-Aktie schloss am Freitag bei 72,81 Euro, ein Minus von 0,82 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von knapp 6 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn liegt das Papier dennoch rund 90 Prozent im Plus.
Zum 52-Wochen-Hoch von 89,67 Euro, markiert Anfang Juni, fehlen der Aktie derzeit knapp 19 Prozent. Der Kurs notiert leicht unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 74,44 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt bleibt der Abstand mit rund 51 Prozent aber deutlich positiv.
Der RSI von 45 zeigt weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation an. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage bleibt mit rund 75 Prozent aber hoch.
Für die Aktie bleibt Gorskis Forderung vorerst ein langfristiges Thema ohne unmittelbare operative Wirkung. Kurzfristig richtet sich der Blick der Anleger auf die Quartalszahlen am 5. August. Dann zeigt sich, ob die operative Stärke des Konzerns die hohen Erwartungen der Analysten erfüllt.
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