Infineon profitiert von Rekordzahlen und einem optimistischen Ausblick des US-Partners Nvidia. Der Chip-Konzern aus München arbeitet mit dem KI-Riesen an einer 800-Volt-Architektur für die kommende Generation von KI-Chips – ein Projekt, das die Position von Infineon im Wachstumsmarkt Rechenzentren stärken soll.
Die Kooperation kommt nicht überraschend, fügt sich aber in eine Serie strategischer Schritte, mit denen Infineon sein Geschäft rund um Stromversorgung für KI-Infrastruktur ausbaut.
Erst kürzlich hatte der Konzern die Übernahme des indischen Unternehmens C2i Semiconductors aus Bangalore bekanntgegeben, um Kompetenzen bei softwaredefinierten Mehrphasen-Controllern und Power Stages für KI-Rechenzentren zu bündeln. Einen Kaufpreis nannte Infineon dabei nicht.
Zahlen stützen die Wachstumsstory
Die Basis für den Optimismus liefern die eigenen Geschäftszahlen. Im dritten Geschäftsquartal 2026 erzielte Infineon einen Rekordumsatz von 4,172 Milliarden Euro, ein Plus von 13 Prozent zum Vorjahr, bei einem Segmentergebnis von 797 Millionen Euro und einer Marge von 19,1 Prozent.
Mitte August hob das Unternehmen zudem seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 auf rund 16,3 Milliarden Euro an und stellte für das vierte Quartal einen Umsatz von etwa 4,7 Milliarden Euro bei einer Segmentmarge von 23 Prozent in Aussicht.
Ergänzt wird das Wachstum durch Zukäufe: Ende Juni hatte Infineon die Übernahme des Non-Optical Analog/Mixed-Signal Sensor-Portfolios von ams-OSRAM für 570 Millionen Euro abgeschlossen. Das Portfolio soll im Kalenderjahr 2026 rund 230 Millionen Euro zum Umsatz beitragen.
Kurs bleibt trotz starker Fundamentaldaten unter Druck
Trotz dieser Nachrichtenlage notiert die Aktie am Freitag mit 56,74 Euro spürbar unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 66,29 Euro – ein Abstand von 14 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 89,67 Euro, erreicht im Juni, trennen das Papier inzwischen 37 Prozent. Zugleich liegt der Kurs mit 6,7 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt, was auf eine intakte längerfristige Aufwärtsbewegung hindeutet, die durch den jüngsten Sektor-Ausverkauf überlagert wird.
Genau diesen Widerspruch griff das Analystenhaus Goldman Sachs Mitte des Monats auf: Die Analysten verwiesen auf den Gegensatz zwischen Rekord-Fundamentaldaten im KI-Geschäft und dem Kursdruck durch den branchenweiten Ausverkauf und bekräftigten ihr Kursziel von 91,00 Euro.
Parallel dazu setzte Infineon sein laufendes Aktienrückkaufprogramm fort und erwarb im August eigene Anteile zu Kursen über 63,00 Euro – zu einem Zeitpunkt, als steigende Anleiherenditen die Aktie zusätzlich belasteten.
Für Anleger zeigt sich damit ein Konzern, der operativ auf Rekordkurs bleibt, dessen Aktie aber unter makroökonomischem Gegenwind aus dem Anleihemarkt und der allgemeinen Sektor-Nervosität leidet. Die Kooperation mit Nvidia liefert nun ein zusätzliches Argument dafür, dass sich die fundamentale Stärke des Unternehmens mittelfristig auch im Kurs niederschlagen könnte.
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