Starke KI-Fantasie trifft auf ein schwächelndes Kerngeschäft. Bei Infineon klaffen Zukunftsversprechen und aktuelle Zahlen derzeit auseinander. CEO Jochen Hanebeck richtet den Blick nach vorn. Er sieht bis zum Ende des Jahrzehnts einen adressierbaren KI-Markt von bis zu zwölf Milliarden Euro.
Stromversorgung als Wachstumstreiber
Ein zentraler Baustein dieser Strategie ist die Energieversorgung von KI-Rechenzentren. Neue Chip-Generationen verlangen massiv mehr Strom. Infineon liefert die passenden Lösungen. Der Konzern hob die Umsatzprognose für diesen Bereich deutlich an. Im Geschäftsjahr 2026 sollen hier rund 1,5 Milliarden Euro fließen.
Die Tendenz zeigt steil nach oben. Bis 2027 erwartet das Management in diesem Segment sogar Erlöse von 2,5 Milliarden Euro. Die Folge: Infineon profitiert direkt von den extremen Effizienzanforderungen moderner Rechenzentren.
Bremsspuren im Kerngeschäft
Abseits des KI-Booms bleibt das Umfeld jedoch schwierig. Für das erste Quartal 2026 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzrückgang. Die Erlöse dürften auf 3,6 Milliarden Euro sinken. Das entspricht einem Minus von neun Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Auch das Gesamtjahr 2025 hinterlässt Spuren in der Bilanz. Der Jahresumsatz landet voraussichtlich bei 14,7 Milliarden Euro. Der operative Gewinn schrumpft im Jahresvergleich um rund eine Milliarde Euro. Für 2026 stellt der Vorstand immerhin wieder ein moderates Wachstum in Aussicht.
Entspannung bei kritischen Rohstoffen
Parallel dazu gibt es gute Nachrichten aus der Lieferkette. China exportiert seit Mai wieder Gallium nach Japan. Zuvor ruhte der Handel monatelang. Dieser Rohstoff ist entscheidend für moderne Galliumnitrid-Halbleiter. Infineon hält in diesem Bereich eine technologische Führungsposition.
Die jüngste Lieferung umfasste rund 6.000 Kilogramm. Das signalisiert eine punktuelle Entspannung für zivile Anwendungen. Die Elektromobilität und die Telekommunikation atmen auf.
Charttechnik und Ausblick
An der Börse honorierten Investoren die langfristige Perspektive zuletzt enorm. Die Aktie beendete die Handelswoche bei 81,92 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein beeindruckendes Kursplus von fast 114 Prozent auf der Anzeigetafel.
Der Aufwärtstrend bleibt trotz leichter Tagesverluste völlig intakt. Der Kurs notiert massiv über seiner 200-Tage-Linie. In der neuen Woche rücken nun weitere Impulse aus dem KI-Infrastruktur-Sektor in den Fokus. Analysten hoben zuletzt bereits die Kursziele für Ausrüster wie Aixtron an. Setzt sich dieser Trend fort, stützt das auch die fundamentale Bewertung von Infineons Stromversorgungs-Sparte.
