Infineon hat seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr kräftig angehoben – und trotzdem ist die Aktie seither unter Druck geraten. Der Chiphersteller rechnet nun mit rund 16,3 Milliarden Euro Umsatz für das Geschäftsjahr 2026, nachdem die Zahlen für das dritte Quartal am 5. August mit 4,172 Milliarden Euro Umsatz und einem Segmentergebnis von 797 Millionen Euro veröffentlicht wurden.
Die Segmentmarge lag bei 19,1 Prozent. Für das vierte Quartal stellte das Unternehmen sogar rund 4,7 Milliarden Euro Umsatz und eine Segmentmarge von etwa 23 Prozent in Aussicht.
Besonders auffällig: Infineon beziffert den Umsatz im Geschäft mit Stromversorgung für Künstliche Intelligenz für das laufende Geschäftsjahr auf über 1,6 Milliarden Euro. Damit positioniert sich der Konzern als Zulieferer für die Energieinfrastruktur rund um KI-Rechenzentren – ein Feld, das Anleger derzeit besonders genau beobachten.
Analysten reagieren uneinheitlich
Die Reaktionen der Analysehäuser auf die Zahlen fielen gemischt aus. Goldman Sachs hob das Kursziel am 7. August von 88 auf 91 Euro an und bestätigte die Einstufung „Buy“. Die Deutsche Bank senkte ihr Kursziel dagegen einen Tag zuvor auf 85 Euro, beließ die Einstufung aber ebenfalls bei „Buy“.
Morgan Stanley kappte sein Ziel auf 81 Euro bei weiterhin „Overweight“, während UBS das Kursziel auf 64 Euro anhob, die Einstufung „Neutral“ jedoch unverändert ließ. Die Spanne zwischen den Kurszielen zeigt, wie unterschiedlich die Häuser die Wachstumsdynamik im KI-Stromversorgungsgeschäft gegenüber den zyklischen Risiken im klassischen Halbleitergeschäft gewichten.
Dass die Kursziele mehrheitlich deutlich über dem aktuellen Niveau liegen, verdeutlicht die Diskrepanz zwischen fundamentaler Einschätzung und Kursverlauf. Die Aktie schloss am Freitag bei 56,35 Euro, ein Plus von 1,4 Prozent auf Tagesbasis.
Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 9,1 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sogar von 19 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 89,67 Euro, erreicht Anfang Juni, trennen das Papier inzwischen 37 Prozent.
Operatives Geschäft trübt sich lokal ein
Parallel zu den positiven Konzernzahlen musste die US-Tochter Infineon Technologies America Corp. Anfang August die Schließung eines Halbleiterwerks in Mesa, Arizona, bekanntgeben. 98 Stellen fallen weg, das Werk soll bis Ende September heruntergefahren werden. Der Schritt zeigt, dass die Wachstumsstory im KI-Bereich nicht überall ungebrochenes operatives Wachstum bedeutet – einzelne Standorte werden im Zuge der Portfoliostraffung aufgegeben.
Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob die angehobene Prognose und das AI-Stromversorgungsgeschäft ausreichen, um das verlorene Vertrauen der vergangenen Wochen zurückzugewinnen.
Mit einem RSI von 37,3 gilt die Aktie charttechnisch als überverkauft, während die Volatilität von 67 Prozent auf annualisierter Basis die Nervosität am Markt widerspiegelt. Die divergierenden Kursziele der Analysehäuser – von 64 bis 91 Euro – lassen erkennen, dass diese Frage derzeit unterschiedlich beantwortet wird.
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