Sechs namhafte US-Kanzleien jagen denselben Mandanten. Im Mittelpunkt: ImmunityBio und sein Executive Chairman Patrick Soon-Shiong, dem Investoren vorwerfen, die Wirksamkeit des Krebsimmuntherapeutikums ANKTIVA systematisch übertrieben zu haben. Der Kurssturz vom 24. März hat die Lage dramatisch zugespitzt.
FDA-Warnung löst Klagewelle aus
Der Ausgangspunkt der Sammelklage liegt in einem Podcast vom 19. Januar 2026. Unter dem Titel „Is the FDA BLOCKING Life Saving Cancer Treatments?“ trat Soon-Shiong persönlich auf und machte weitreichende Aussagen zu ANKTIVA. Was damals wie ein PR-Coup wirkte, entpuppte sich als regulatorisches Minenfeld.
Am 24. März wurde öffentlich, dass die FDA bereits am 13. März einen Warnbrief verschickt hatte. Darin stellte die Behörde fest, dass Podcast und TV-Werbung das Medikament falsch darstellten und damit gegen den Federal Food, Drug, and Cosmetic Act verstießen. Pikant: Zwei frühere Schreiben an die ImmunityBio-Tochter Altor BioScience — aus September 2025 und Januar 2026 — hatten ähnliche Verstöße bereits adressiert.
Die Aktie verlor an diesem Tag 21 Prozent und schloss bei 7,42 Dollar. Rund zwei Milliarden Dollar Marktkapitalisierung waren damit weg.
Klage, Gegenreaktion, Umsatzrekord
Inzwischen haben Rosen Law Firm, Hagens Berman, Kessler Topaz, Robbins Geller, Kaplan Fox und weitere Kanzleien Investoren auf die Frist aufmerksam gemacht: Bis zum 26. Mai 2026 können Betroffene beim zuständigen Bundesgericht in Kalifornien einen Antrag auf Lead-Plaintiff-Status stellen. Die Klage läuft unter dem Aktenzeichen Douglas v. ImmunityBio, Inc., 2:26-cv-03261.
Das Unternehmen selbst hat reagiert. Am 6. April reichte ImmunityBio eine umfassende Stellungnahme bei der FDA ein, ließ den Podcast von der eigenen Website entfernen und bestätigte, dass der TV-Spot nie ausgestrahlt wurde. Interne Schulungen und externe Regulierungsaufsicht sollen künftige Verstöße verhindern.
Operativ läuft das Geschäft unterdessen besser als je zuvor. Im ersten Quartal 2026 erzielte ImmunityBio einen vorläufigen Produktumsatz von rund 44,2 Millionen Dollar — ein Plus von 168 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Liquiditätsreserven lagen zum Quartalsende bei geschätzten 380,9 Millionen Dollar.
Erholung mit Fragezeichen
Der Kurs hat sich seit dem Einbruch teilweise gefangen. Am vergangenen Freitag stieg die Aktie um gut sechs Prozent auf 7,70 Dollar. In sechs der letzten zehn Handelstage ging es aufwärts.
Der 26. Mai markiert nun den nächsten harten Einschnitt. Wer die Klageschrift mitgestalten will, muss bis dahin aktiv werden. Wie das Gericht die Vorwürfe gewichtet und ob das starke Umsatzwachstum die rechtlichen Risiken kompensieren kann, wird die Bewertung der Aktie in den kommenden Monaten maßgeblich bestimmen.
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