Ein Kurssprung von fast 370 Prozent seit Jahresbeginn, ein RSI von 71,4 und eine Aktie, die fast 88 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt notiert. Bei ImmunityBio kollidieren gerade zwei Erzählungen: harte Umsatzzahlen auf der einen Seite, spekulativer Retail-Hype auf der anderen.
Am Freitag schloss die Aktie bei 8,15 Euro, ein Minus von 1,21 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 7,38 Prozent zu Buche. Über 30 Tage hat sich der Kurs um 31,45 Prozent verteuert.
Ein Jahr im Ausnahmezustand
Die Zwölf-Monats-Bilanz liest sich extrem: plus 255,27 Prozent. Vom 52-Wochen-Tief bei 1,66 Euro, erreicht am 14. November, hat sich der Kurs mehr als vervierfacht. Zum Rekordhoch von 10,54 Euro vom 25. Februar fehlen aktuell noch 22,68 Prozent.
Die technischen Indikatoren zeigen eine Aktie im Überhitzungsmodus. Der 14-Tage-RSI von 71,4 signalisiert überkauftes Terrain. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 63 Prozent — ein Wert, der die Heftigkeit der jüngsten Kursausschläge unterstreicht.
Spekulation um Index-Aufnahme trieb den Kurs
Retail-Trader richten den Blick derzeit auf mehrere Termine im Juli. Im Fokus stehen die Saudi-Arabien-Expansion des Krebsmedikaments Anktiva und die anstehenden Quartalszahlen. Spekulationen über eine Aufnahme in den Russell 1000 Index befeuerten die Rally zusätzlich.
Diese Spekulation erwies sich teilweise als berechtigt. Am 26. Juni sprang der Kurs um fast 12 Prozent nach oben, als die halbjährliche Index-Neugewichtung in Kraft trat. Auslöser war die Marktkapitalisierung von rund 9 Milliarden Dollar, die ImmunityBio für eine Aufnahme in Frage kommen ließ.
Umsatz wächst dreistellig
Hinter dem Kursfeuerwerk steckt aber auch ein handfestes Geschäft. Im ersten Quartal 2026 meldete ImmunityBio einen vorläufigen Nettoproduktumsatz von rund 44,2 Millionen Dollar. Das entspricht einem Plus von etwa 168 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Das gesamte Jahr 2025 brachte einen Nettoproduktumsatz von 113 Millionen Dollar. Im Vergleich zu 2024 bedeutet das eine Steigerung um 700 Prozent. Getragen wird dieses Wachstum vom Verkauf des Blasenkrebs-Medikaments Anktiva, das mittlerweile in den USA, Großbritannien, Saudi-Arabien und der Europäischen Union zugelassen ist.
Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat im Mai 2026 zudem einen ergänzenden Zulassungsantrag für Anktiva in Kombination mit BCG angenommen. Behandelt werden soll damit eine bestimmte Form von nicht-muskelinvasivem Blasenkrebs. Die Behörde hat den 6. Januar 2027 als Zieldatum für ihre Entscheidung gesetzt.
Analysten bleiben trotz Höhenflug optimistisch
Trotz der parabolischen Kursbewegung halten Analysten an ihren positiven Einschätzungen fest. Acht Analysten kommen im Schnitt auf ein Kursziel von 14,63 Dollar. Die jüngste Einschätzung stammt von HC Wainwright & Co., die am 2. Juni ein Kursziel von 15,00 Dollar für die kommenden zwölf Monate ausgaben — deutlich über dem aktuellen Niveau.
Auch BTIG äußerte sich Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni konstruktiv zur Aktie. Die Kursziele implizieren erhebliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kurs von 8,15 Euro.
Für Anfang August erwartet der Markt den nächsten Quartalsbericht von ImmunityBio, für das zweite Geschäftsquartal 2026. Zusammen mit der laufenden Anktiva-Expansion und der ausstehenden FDA-Entscheidung dürfte dieser Termin zeigen, ob die Rally noch Substanz hat oder ob die überkauften technischen Signale bald für eine Verschnaufpause sorgen.
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