Startseite » Marktberichte » Immobilien, Gold, Rüstung: Die Zinswende sortiert die Depots neu
Symbolbild, KI-generiert

Immobilien, Gold, Rüstung: Die Zinswende sortiert die Depots neu

Steigende Renditen belasten Immobilien und Gold, während Rüstungswerte nach Behördenkritik nachgeben. Auftragsbücher bleiben vielfach gut gefüllt.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Aroundtown erreicht Jahrestief nach Kurszielsenkung
  • Gold verliert kurzfristig trotz Monatsplus
  • Rüstungswerte reagieren auf Beschaffungsamt-Kritik
  • OHB erhält Milliardenauftrag für Satellitenplattformen

Sehr geehrte Damen und Herren,

60,4 Prozent – so hoch taxierte der Markt am Montag laut CME FedWatch die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinsanhebung im September. Diese Zahl allein wäre eine Randnotiz. Ihre Wirkung ist es nicht: Seit Kevin Warshs Rede in Jackson Hole am Freitag exekutieren die Märkte eine Sektor-Rotation, die sich in harten Kursverlusten niederschlägt. Immobilienwerte fallen auf Jahrestiefs, Gold gibt nach, deutsche Rüstungsaktien geraten zusätzlich unter selbstgemachten Druck. Die eigentliche Geschichte dieser Tage ist die Verteilung der Zinslast über die Sektoren, nicht der Fed-Kommentar selbst.

Zinsrealität erreicht die Immobilienmärkte

Die US-Anleihemärkte liefern die Blaupause für die Bewegung: Die zweijährige Staatsanleihe kletterte am Freitag auf bis zu 4,35 Prozent, die zehnjährige lag am Montag bei rund 4,78 Prozent – ein 20-Monats-Hoch. Am US-Immobilienmarkt zeigt sich die Konsequenz unmittelbar: Der Zins für 30-jährige Hypotheken liegt bei 6,66 Prozent, nachdem Warshs hawkishe Rede in Jackson Hole die Renditen zusätzlich befeuert hat. Der Berliner Büroimmobilienkonzern Aroundtown bekommt die Kombination aus steigenden Zinsen und Analysten-Skepsis unmittelbar zu spüren: Nach einer Kurszielsenkung von Goldman Sachs auf 1,90 Euro notiert die Aktie am Dienstagvormittag bei 1,88 Euro – tiefster Stand seit einem Jahr, seit Jahresbeginn ein Minus von 29 Prozent. Wer auf eine baldige Zins-Entlastung bei Immobilienwerten gesetzt hatte, muss diese Wette auf die kommenden Wochen verschieben.

Gold gebremst, nicht gebrochen

Der Goldpreis, im August noch klarer Krisen-Fluchtpunkt, gerät unter die Räder der Zinserwartung: Spot-Gold notiert zuletzt bei rund 4.430 Dollar je Unze, ein Rückgang von einem halben Prozent gegenüber dem Vortagsschluss. Auf Monatssicht bleibt trotz der Korrektur ein Plus von fast zehn Prozent stehen. Bemerkenswert: Das US-Finanzministerium verdoppelt ab September seine Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen, was den Dollar tendenziell schwächt und die These vom „Dollar-Entwertungshandel“ stützt – ein struktureller Gegenwind zur kurzfristigen Zinslogik, der Gold trotz der Korrektur als Depot-Baustein interessant hält.

Anzeige

Dass Gold trotz der jüngsten Zinslogik sein Monatsplus verteidigt, ist kein Zufall – Zentralbanken bauen ihre Bestände seit Jahren systematisch aus, um sich gegen genau solche Marktphasen zu wappnen. Ein kostenloser Report erklärt, warum institutionelle Anleger Gold zunehmend als eigenständige Anlageklasse jenseits klassischen Geldes betrachten und was das für die langfristige Wertsicherung bedeutet. Gold-Report jetzt sichern

Rüstungswerte: Beschaffungsamt statt Washington als Kursbremse

Rüstungsaktien, monatelang Lieblinge deutscher Anleger, kassierten zum Wochenstart eine Breitseite aus unerwarteter Richtung – nicht aus den USA, sondern aus dem eigenen Beschaffungsamt. Kritik von Bundeswehr und BAAINBw an Projektverzögerungen und Qualitätsmängeln schickte Rheinmetall, RENK, Hensoldt und TKMS am Montag ins Minus, die Schwäche setzte sich am Dienstagvormittag fort. Rheinmetall notierte im Verlauf bei rund 1.088 Euro und damit gut zwei Prozent unter dem Vortagsniveau, Hensoldt gab knapp anderthalb Prozent auf rund 84 Euro nach, TKMS verlor gut zwei Prozent auf rund 86 Euro. Bei Hensoldt kommt ein Insiderverkauf erschwerend hinzu: Aufsichtsratschef Reiner Winkler trennte sich von 10.000 Aktien zu 94,71 Euro, ein Signal, das angesichts der ohnehin labilen Stimmung schwer wiegt. Die nächste größere Unterstützung liegt an der 200-Tage-Linie bei rund 80,57 Euro. Fundamental bleibt die Auftragslage jedoch intakt: Rheinmetall weist einen Auftragsbestand von über 80 Milliarden Euro aus, TKMS kam nach neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 auf 20,1 Milliarden Euro, davon 6,3 Milliarden Euro allein aus einem neuen Fregatten-Auftrag. RENK baut seine Panzergetriebe-Fertigung von unter 600 Einheiten 2023 auf über 800 in diesem Jahr und über 2.000 bis 2030 aus, gestützt durch 325 Millionen Euro Investitionen bis 2028. Der Kursrutsch liest sich damit weniger als Trendbruch denn als überfällige Verschnaufpause nach einem sehr langen Lauf.

Siemens Energy, OHB und Airbus: Wettbewerbsangst trifft auf Auftragsbücher

Deutlich härter traf es Siemens Energy: Die Aktie brach am Montag ein, nachdem bekannt wurde, dass SpaceX eine eigene Fertigung für Turbinenschaufeln plant – ein direkter Vorstoß in das industrielle Kerngeschäft. Am Dienstagvormittag notiert der Titel bei rund 142 Euro, kaum verändert gegenüber dem Vortagsschluss, nachdem der scharfe Ausverkauf vom Montag bereits stark belastet hatte. Operativ lieferte der Konzern zuletzt solide Zahlen: Im dritten Quartal stieg der Auftragseingang auf 17,9 Milliarden Euro, der Umsatz kletterte um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro. Zudem treibt Siemens Energy die Abspaltung seiner Sparte „Transformation of Industry“ unter dem Namen Omterra voran, die mit 17.000 Mitarbeitern und 5,7 Milliarden Euro Umsatz (2025) auf eine Bewertung von über 10 Milliarden Euro zielt. Auf Zwölfmonatssicht steht die Aktie trotz des Rückschlags mit einem Plus von 59 Prozent da – die SpaceX-Ankündigung ist eine ernstzunehmende Wettbewerbsgefahr, aber noch keine Zahlenrealität.

Während die Rüstungsschwergewichte litten, sorgte ein kleinerer Wert für Aufsehen: OHB sicherte sich von SES im Rahmen des europäischen IRIS²-Satellitenprogramms einen Auftrag über knapp eine Milliarde Euro für 18 Satellitenplattformen mit Startfenster 2029. Die Aktie sprang am Montag um 8,4 Prozent auf 205,50 Euro, bei einer Marktkapitalisierung von rund 4,3 Milliarden Euro, gestützt durch einen erweiterten Streubesitz aus einer vorangegangenen Kapitalerhöhung mit rund 500 Millionen Euro Erlös. Airbus dagegen tat sich schwer und gab am Montag deutlich nach, der Titel notiert zuletzt bei rund 195 Euro – obwohl der Konzern bis zum 29. August bereits 466 Verkehrsflugzeuge auslieferte, ein Plus von 7 Prozent gegenüber Vorjahr. Der Kontrast zeigt: Im Raumfahrt- und Rüstungssegment entscheidet derzeit weniger die operative Lage als die Story hinter dem einzelnen Auftrag.

Banken und Krypto: Der Atlantik-Graben wächst, Bitcoin-Flüsse kippen

Auf der Finanzwerte-Seite offenbart sich ein Gefälle, das ein strafferes Fed-Zinsumfeld noch verschärfen dürfte: Im ersten Halbjahr steigerten die zehn größten europäischen Banken ihren Nettogewinn um 21 Prozent auf 58,7 Milliarden Euro, die zehn größten US-Banken dagegen um 42 Prozent auf 110,6 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalrendite liegt in Europa bei 12,3 Prozent, in den USA bei 15 Prozent – der Abstand hat sich gegenüber dem Vorjahr sogar vergrößert. Wer in Europas Bankaktien auf eine Annäherung gehofft hatte, sieht diese Hoffnung durch die Zahlen widerlegt. Auf der Kapitalseite bewegt sich derweil einiges: Allianz prüft die Übernahme von AA Ltd im Volumen von rund 5,8 Milliarden Euro und notiert nur knapp unter dem erst am Freitag markierten 52-Wochen-Hoch, während Mercedes-Benz einen Aktienrückkauf von bis zu 58 Millionen Aktien für bis zu eine Milliarde Euro angekündigt hat.

Auch im Kryptomarkt zeigt sich, wie sehr die neue Zinsrealität längst eingepreist ist: Bitcoin hält sich trotz gestiegener Zinssorgen über der 78.000-Dollar-Marke und schloss den August nach Marktdaten mit der besten Monatsperformance seit 2017 ab. Die Fondsflüsse allerdings kippten: Nach einem Wochenzufluss von 924,5 Millionen Dollar in US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten die Produkte zum Wochenende einen Nettoabfluss von 201,9 Millionen Dollar. Wer die Rally allein am Kurs misst, übersieht damit, dass die institutionelle Basis dahinter zuletzt wackliger geworden ist.

Anzeige

Während der Rohstoff selbst zuletzt konsolidiert, richten manche Anleger den Blick längst auf Unternehmen, die von einem anziehenden Goldpreis überproportional profitieren könnten. Ein kostenfreier Spezial-Report von Experte Maximilian Ritter nennt drei ausgewählte Gold-Aktien samt Namen und WKN, die den Goldpreis hebeln können – ganz ohne Lagerkosten oder physische Aufschläge. Spezial-Report jetzt herunterladen

Das große Bild

Was die heutigen Blöcke verbindet: Fundamentaldaten und Kursreaktion laufen auseinander. Rheinmetall trägt einen Auftragsbestand von über 80 Milliarden Euro, doch die Aktie fällt wegen Beschaffungsamt-Kritik. Siemens Energy liefert 18,5 Prozent Umsatzwachstum, doch die SpaceX-Ankündigung drückt den Kurs. Europas Banken steigern den Gewinn um 21 Prozent, bleiben aber mit 12,3 Prozent Eigenkapitalrendite strukturell hinter den 15 Prozent der US-Konkurrenz zurück. Und Gold hält sein Monatsplus von fast zehn Prozent, während die kurzfristige Zinslogik es bremst. Der Kalender der kommenden Tage entscheidet, ob sich diese Diskrepanz schließt oder vertieft: Am Mittwoch legt Broadcom Zahlen vor, am Freitag folgt der US-Arbeitsmarktbericht – beide Termine justieren die Zinserwartungen vor der Fed-Sitzung am 15. und 16. September weiter. Die EZB entscheidet bereits am 10. September in Berlin, mit einer breit erwarteten Anhebung von 2,25 auf 2,50 Prozent, nachdem die Inflation in Frankreich und Spanien im August wieder angezogen hat. Zwei große Notenbanken gleichzeitig auf Straffungskurs – diese Konstellation dürfte die Sektor-Rotation der vergangenen Tage eher verlängern als beenden.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.