Die Friedenspflicht ist abgelaufen, und die IG Metall verliert keine Zeit. Mit ersten Arbeitsniederlegungen unmittelbar nach Mitternacht hat die Gewerkschaft die Warnstreikphase in der deutschen Metall- und Elektroindustrie eröffnet. Sie reagiert damit auf ein Arbeitgeberangebot, das die Arbeitnehmervertreter angesichts der Inflation als deutlich zu niedrig einstufen.
Den Auftakt machten rund 300 Beschäftigte beim Weißblechhersteller Thyssenkrupp Rasselstein in Andernach, die ihre Nachtschicht vor dem Werkstor beendeten. Parallel dazu legten Mitarbeiter beim Mobilfunkzulieferer RF 360 Europe in München die Arbeit nieder.
Die Proteste markieren den Beginn einer breiteren Welle. In Nordrhein-Westfalen beginnen die Aktionen am Sonntagabend beim Autozulieferer Gestamp in Bielefeld. Für Montag sind dort bereits Mitglieder in mehr als zwei Dutzend Betrieben zu befristeten Ausständen aufgerufen.
Weite Wege in den Tarifverhandlungen
Hinter den Arbeitsniederlegungen steht ein Tarifkonflikt für rund 3,7 Millionen Beschäftigte. Betroffen sind Schlüsselbranchen wie der Fahrzeug- und Maschinenbau, die Elektroindustrie sowie die Metallerzeugung.
Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Gehalt bei einer kurzen Laufzeit von zwölf Monaten. Hinzu kommen Forderungen nach Zusagen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Werksstandorten.
Die Arbeitgeberseite legte in der zweiten Verhandlungsrunde eine Offerte vor, die eine Einmalzahlung und eine Tariferhöhung von 1,3 Prozent vorsieht. Bei einer Gesamtlaufzeit von 26 Monaten soll diese Anhebung erst im Juli 2028 wirksam werden. Die Unternehmen begründen ihre Zurückhaltung mit der schwierigen Wirtschaftslage und hohen Kostenbelastungen am Standort Deutschland.
Die Gewerkschaftsführung hält dem entgegen, dass ein solches Angebot die Kaufkraft der Beschäftigten schwäche und keine Perspektiven für die Betriebe schaffe. In der kommenden Woche werden die Ausstände auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet, um den Druck vor den nächsten Gesprächsrunden spürbar zu erhöhen.
