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IBM Aktie: Schwächster Tag seit 2000

IBM verfehlt Umsatz- und Gewinnerwartungen im zweiten Quartal deutlich. Der Aktienkurs droht auf den tiefsten Stand seit der Dotcom-Blase zu fallen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Umsatz verfehlt Markterwartungen um 700 Millionen Dollar
  • Gewinn je Aktie bleibt unter Analystenschätzung
  • Kunden verschieben Großaufträge wegen Lieferängsten
  • Red Hat und Quantencomputing als Wachstumstreiber

Wenn ein CEO in einem Investorenbrief einräumt, „wir haben nicht schnell genug reagiert“ und „wir sind gestolpert“, ist das selten Routine. Genau das schreibt IBM-Chef Arvind Krishna heute an seine Aktionäre – und der Markt quittiert es mit einem der heftigsten Kursrückgänge in der jüngeren Geschichte des Konzerns.

Auslöser sind vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal 2026. IBM meldete einen Umsatz von 17,2 Milliarden Dollar, während der Markt mit rund 17,9 Milliarden Dollar gerechnet hatte. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,93 Dollar und blieb damit unter der Konsensschätzung von 3,01 Dollar. Die Aktie verlor vorbörslich zweistellig – nach Einschätzungen droht der schwerste Tagesverlust seit dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000.

Kunden kauften vor, statt Verträge zu unterschreiben

Krishna nennt in seinem Brief einen konkreten Mechanismus für den Rückschlag. Nach dem starken Start des neuen Mainframe-Programms z17 hatte IBM für das Infrastruktur-Geschäft ohnehin einen Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich erwartet. Tatsächlich fiel der Einbruch deutlich stärker aus, weil Kunden in den letzten Juni-Wochen ihre Investitionsbudgets kurzfristig in Server-, Speicher- und Arbeitsspeicher-Käufe umschichteten – aus Sorge vor Lieferengpässen und erwarteten Preiserhöhungen. Hinzu kamen branchenweite Cybersecurity-Sorgen, die Kunden zusätzlich ablenkten. Mehrere große Abschlüsse verschoben sich dadurch über das Quartalsende hinaus und blieben aus den Büchern.

Nicht alles lief schlecht. Red Hat legte im Quartal um 11 Prozent zu, die Zukäufe HashiCorp und Confluent entwickelten sich stark. Das Segment Distributed Infrastructure erzielte mit einem Plus von 37 Prozent sein bestes Ergebnis der Firmengeschichte, gestützt durch einen Auftragsbestand von rund 500 Millionen Dollar zum Quartalsende.

Quantencomputer und ein Fünf-Milliarden-Programm als Gegengewicht

Parallel zur enttäuschenden Kurzfrist-Bilanz hält IBM an milliardenschweren Zukunftswetten fest. Zusammen mit dem Software-Ableger Red Hat brachte der Konzern die Sicherheitsplattform Lightwell an den Start, ein mit 5 Milliarden Dollar dotiertes Programm, das laut Krishna bereits von Großbanken wie Bank of America, JPMorgan Chase und Goldman Sachs genutzt wird. Im Quantencomputing kündigte IBM zudem eine neue Wafer-Fabrik namens Anderon an, unterstützt durch eine Milliarde Dollar an CHIPS-Fördermitteln des US-Handelsministeriums und eine eigene Milliarden-Dollar-Investition. Insgesamt will der Konzern in den kommenden fünf Jahren mehr als 10 Milliarden Dollar in die Quantentechnologie stecken, mit dem Ziel, bis 2029 den ersten großskaligen, fehlertoleranten Quantencomputer vorzustellen.

Klarheit über das Ausmaß der Delle dürfte es erst in gut einer Woche geben. IBM hält seine reguläre Telefonkonferenz zu den vollständigen Quartalszahlen am 22. Juli 2026 ab – dann will das Management auch einen aktualisierten Ausblick für das Gesamtjahr liefern.

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