IBM liefert starke Zahlen, gewinnt Großaufträge und erweitert sein Board – doch die Aktie steht massiv unter Druck. Der Auslöser: Die Sorge, dass KI-Start-ups wie Anthropic dem Tech-Veteranen das Geschäft streitig machen könnten. Ist die Angst berechtigt oder eine Überreaktion?
Rekordquartal wird vom Markt ignoriert
IBM legte im vierten Quartal 2025 beeindruckende Zahlen vor: Der Umsatz stieg um 12 Prozent auf 19,7 Milliarden Dollar, getrieben von einem Softwarewachstum von 14 Prozent und einem Infrastruktur-Plus von 21 Prozent. Der Gewinn je Aktie lag mit 4,52 Dollar deutlich über den Analystenschätzungen von 4,31 Dollar. Für das Gesamtjahr meldete das Unternehmen einen freien Cashflow von 14,7 Milliarden Dollar – ein Anstieg um 2 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahr.
Für 2026 peilt IBM ein Umsatzwachstum von mehr als 5 Prozent an, der freie Cashflow soll um rund eine Milliarde Dollar zulegen. Das kumulierte GenAI-Auftragsvolumen übersteigt mittlerweile 12,5 Milliarden Dollar. Trotz dieser Kennzahlen notiert die Aktie rund 20 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch und handelt unterhalb ihrer gleitenden Durchschnitte.
Die Anthropic-Bedrohung: Panik oder Peanuts?
Der Kursrutsch wurde ausgelöst, als das KI-Unternehmen Anthropic verkündete, COBOL-Code modernisieren zu können – eine Domäne, in der IBM seit Jahrzehnten führend ist. Mainframe-Verkäufe machten 2025 etwa 23 Prozent des IBM-Umsatzes aus, Mainframe-Software weitere 29 Prozent der Software-Erlöse.
Doch IBM kontert: Das eigene Tool WatsonX Code Assistant beherrscht diese Aufgabe bereits seit zwei Jahren. Zudem hat sich das Unternehmen längst breiter aufgestellt. Die Software-Sparte, die mittlerweile rund 45 Prozent des Geschäfts ausmacht, wuchs 2025 um 9 Prozent – der höchste Jahreszuwachs in der Unternehmensgeschichte. Die Bereiche Data und Automation legten im vierten Quartal um 19 beziehungsweise 14 Prozent zu.
Offensive auf mehreren Fronten
Parallel zu den Quartalszahlen sicherte sich IBM einen 112-Millionen-Dollar-Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium zur Modernisierung von Preissystemen in Militär-Supermärkten. Eine Partnerschaft mit Deepgram integriert dessen Sprach-KI in die watsonx-Plattform und stärkt IBMs Position im Unternehmens-KI-Geschäft.
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Am 6. März startete zudem die neue FlashSystem-Portfolio-Generation mit bis zu 40 Prozent höherer Dateneffizienz und Ransomware-Erkennung in unter 60 Sekunden. Die geplante Übernahme von Confluent für 31 Dollar je Aktie soll Mitte 2026 abgeschlossen werden und IBMs Hybrid-Cloud-Fähigkeiten ausbauen.
Anfang März erweiterte IBM sein Board um Ramon Laguarta, den Chef von PepsiCo, der Erfahrung in digitaler Transformation und Enterprise-Technologie mitbringt. Eine gleichzeitig eingereichte Satzungsänderung stärkt die Rechte der Aktionäre.
Quantum Computing als Trumpfkarte
Ein oft übersehener Faktor: IBM hat sich zum Vorreiter im Quantencomputing entwickelt. Anfang März veröffentlichte ein internationales Forscherteam unter IBM-Beteiligung in der Fachzeitschrift Science die Entdeckung eines neuartigen Moleküls, das mithilfe von Quantencomputern charakterisiert wurde – ein Beweis für die praktische Anwendbarkeit der Technologie.
Sollte Quantencomputing sein Potenzial entfalten, könnte dieses Geschäftsfeld das Legacy-Mainframe-Segment nicht nur kompensieren, sondern weit übertreffen. Der Consulting-Auftragsberg steht bei 32 Milliarden Dollar, mehr als ein Viertel davon ist GenAI-bezogen.
Wie es weitergeht
IBM zahlt am 10. März eine Quartalsdividende von 1,68 Dollar je Aktie. Die Verschuldung kletterte durch Übernahmen auf 66 Milliarden Dollar, etwa 45 Prozent der Gesamtaktiva. Ob die Aktie zur Aufholjagd ansetzt, hängt davon ab, wie überzeugend das Unternehmen seine KI- und Cloud-Investitionen in nachhaltiges Wachstum übersetzt – und ob der Markt erkennt, dass IBM mehr ist als ein Mainframe-Dinosaurier.
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