IBM treibt seine Transformation zum AI- und Cloud-Spezialisten weiter konsequent voran. Die Übernahme des Datenstreaming-Spezialisten Confluent hat von US-Seite nun praktisch freie Bahn, gleichzeitig legen Analysten bei ihren Kurszielen nach. Für Anleger stellt sich damit weniger die Frage nach dem „Ob“, sondern nach dem Tempo des weiteren Wachstums.
Confluent-Deal erhält grünes Licht
Der entscheidende Impuls kam zu Wochenmitte von der Fusionsfront: Die Wartefrist nach dem US-Kartellrecht (HSR Act) für die geplante Confluent-Übernahme im Volumen von 11 Milliarden US‑Dollar ist abgelaufen. Damit haben die US-Behörden den Weg faktisch freigemacht, ein wichtiger Unsicherheitsfaktor für große Tech-Deals fällt weg.
IBM bietet 31 US‑Dollar je Confluent-Aktie. Strategisch soll Confluent direkt in die watsonx-Plattform eingebunden werden. Ziel ist, Datenströme in Echtzeit zu verarbeiten und sauber in KI-Anwendungen einzuspeisen – genau dort, wo viele Unternehmen heute noch technische Hürden haben.
Der Deal gilt als Baustein für stärkere „DataOps“- und Streaming-Fähigkeiten. Solche Werkzeuge sind entscheidend, um KI im Unternehmensalltag überhaupt sinnvoll auszurollen, statt nur Pilotprojekte zu betreiben.
Analysten setzen Kursziele höher
Parallel sorgt ein frischer Analystenkommentar für Rückenwind. Bank of America Securities bekräftigte am 13. Januar ihr „Buy“-Votum und hob das Kursziel von 315 auf 335 US‑Dollar an – trotz einer vorangegangenen Konsolidierung nach Rekordständen.
Die Begründung: Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet Analyst Wamsi Mohan ein ausgewogenes Bild aus Wachstum und Profitabilität. Der Umsatz soll um rund 5 % zulegen, die Software-Sparte sogar um etwa 10 %, sobald die Confluent-Integration zur Jahresmitte 2026 voll durchschlägt. Genau dieser Software- und Abomodell-Anteil ist für das Bewertungsniveau der Aktie zentral.
Charttechnisch bewegt sich IBM aktuell in der Nähe seiner Höchststände: Gestern schloss die Aktie bei 303,16 US‑Dollar und liegt damit nur wenige Prozent unter dem 52‑Wochen-Hoch, zugleich aber deutlich über dem langfristigen 200‑Tage-Durchschnitt.
Kurzfristige Reibung, langfristige Hebel
Restrukturierung belastet 2025
Die Wachstumsstory kommt allerdings nicht zum Nulltarif. Im Zuge der Neuaufstellung rechnet Bank of America für das vierte Quartal 2025 mit Restrukturierungskosten („workforce rebalancing“) von rund 400 Millionen US‑Dollar.
Die Folge:
- Die EBIT-Marge 2025 dürfte um etwa 70 Basispunkte steigen
- Damit verfehlt IBM leicht das eigene Ziel eines Zuwachses von mehr als 100 Basispunkten
- Kurzfristig drücken also Einmalkosten, mittelfristig sollen Effizienzgewinne und höhermargige Softwareerlöse überwiegen
Trotz dieses leichten Margenrückstands sehen Analysten die Confluent-Einbindung als entscheidend, um IBM im Kernbereich „Daten für KI nutzbar machen“ besser zu positionieren.
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Gemischte Signale von Institutionellen
Auf der Investorenseite zeigen sich unterschiedliche Strategien. Nachdem IBM den S&P 500 in den vergangenen zwölf Monaten deutlich geschlagen und um mehr als 47 % zugelegt hat (S&P ca. 18 %), haben einige Adressen Gewinne mitgenommen.
So meldete Cullinan Associates im dritten Quartal 2025 den Verkauf von 3.242 IBM-Aktien und damit eine Positionsreduktion. Das steht im Kontrast zu anhaltend positiver Stimmung vieler Privatanleger, passt aber zu einem klassischen „Profit-Taking“-Ansatz nach einer starken Outperformance.
Cashflow stützt Bewertung
Bewertungsseitig bleibt IBM trotz des Kursanstiegs klar auf den Cashflow fokussiert. Bank of America kalkuliert für 2025 mit einem Free Cashflow von rund 14 Milliarden US‑Dollar, 2026 sollen es etwa 15 Milliarden US‑Dollar werden.
Dieser Mittelzufluss finanziert zuverlässig die Dividende, die derzeit einer Rendite von etwa 2,2 % entspricht, und unterlegt das Bewertungsniveau. Mit einem Forward-KGV von rund 24,8 sehen Analysten das Profil als „Growth zu vernünftigem Preis“.
„Legacy Tech“ im AI-Zeitalter
Im größeren Bild steht IBM für eine gelungene Abkehr vom reinen Hardware-Image hin zu Hybrid-Cloud- und KI-Infrastruktur. An der Börse kommen aktuell jene Anbieter gut an, die die technischen Grundlagen für KI liefern – etwa Datenverwaltung, Middleware und Sicherheitsarchitekturen.
Die nun voranschreitende Confluent-Übernahme knüpft nahtlos an die Integration von HashiCorp Anfang 2025 an. Hintergrund: Nur ein Bruchteil der weltweiten Unternehmensdaten wird heute effektiv für KI genutzt, vor allem wegen fragmentierter Systeme und komplexer Datenpipelines. IBM adressiert mit Zukäufen genau diese Engpässe.
Im Unterschied zu vielen reinen KI-Wetten mit dreistelligen Bewertungsmultiplikatoren tritt IBM mit einem moderateren, cashflow-basierten Bewertungsansatz an – bei gleichzeitig deutlich wachsendem Softwareanteil.
Blick auf den nächsten Katalysator
Der nächste klare Fixpunkt ist der Q4-Bericht, der aktuell für den 28. Januar 2026 erwartet wird. Dann dürfte der Markt mehrere Punkte besonders genau prüfen:
- Guidance für Softwarewachstum: Entscheidend wird sein, ob das Management den Ausblick auf rund 10 % Software-Umsatzplus für 2026 klar stützt.
- Margenentwicklung 2025/2026: Hier zeigt sich, ob Restrukturierung und Integration wie geplant in höhere Profitabilität münden.
- Kursniveau und Technik: Nach dem jüngsten Rücksetzer von den Rekordständen testet die Aktie Unterstützungszonen um die 300‑Dollar-Marke; eine Stabilisierung darüber würde das Bild einer Fortsetzung des Aufwärtstrends untermauern.
Damit rückt der Quartalsbericht in den Mittelpunkt: Er soll belegen, dass IBM die kurzfristigen Kosten seiner Transformations- und M&A-Strategie unter Kontrolle hat und gleichzeitig den versprochenen Schub beim margenstarken Softwaregeschäft liefern kann.
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