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IBM Aktie: Morgan Stanley kappt Ziel auf 190 Dollar

Nach schwachen Quartalszahlen und gesenkter Jahresprognose kappen mehrere Analystenhäuser ihre Kursziele für IBM. Die Aktie notiert nahe dem 52-Wochen-Tief.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Analysten senken Kursziele drastisch
  • Gesunkene Umsatzerwartung für Softwaregeschäft
  • IBM hält an Dividendenpolitik fest
  • Untersuchung wegen möglichem Wertpapierbetrug

IBM kommt nicht zur Ruhe. Nach dem schwächsten Handelstag seit mindestens 1968 am 14. Juli und den offiziellen Quartalszahlen vom Mittwoch senken nun reihenweise Analysten ihre Kursziele. Die Aktie notiert in Frankfurt bei 182,48 Euro, nur knapp über dem frischen 52-Wochen-Tief von 175,14 Euro.

Wall Street reagiert mit Kürzungen

Morgan Stanley bestätigt zwar das neutrale „Equal-Weight“-Rating, senkt aber das Kursziel drastisch von 293 auf 190 Dollar. BMO Capital kappt sein Ziel von 270 auf 230 Dollar und bleibt bei „Market Perform“. Goldman Sachs reduziert seine Zielmarke von 335 auf 270 Dollar, hält aber an der „Buy“-Empfehlung fest.

Auslöser ist eine gesenkte Jahresprognose. IBM hatte die Umsatzerwartung für das Softwaregeschäft nach schwächerer Nachfrage bei Mainframe-Systemen zurückgenommen. Bemerkenswert: Die Aktie legte nach der offiziellen Zahlenvorlage zunächst zu. Anleger zeigten sich offenbar erleichtert, dass die Ergebnisse nicht schlechter ausfielen als befürchtet.

Bloomberg bewertet die Telefonkonferenz mit Analysten am 22. Juli dennoch skeptisch. Die Berichterstattung attestiert der Turnaround-Geschichte des Konzerns inzwischen Schwäche. IBM hatte bereits eine Woche zuvor vor einem deutlichen Umsatzausfall gewarnt – jener Ankündigung, die den historischen Kurseinbruch vom 14. Juli auslöste.

Guidance-Kürzung und stabile Dividende

Für das dritte Quartal erwartet IBM ein Umsatzwachstum zu konstanten Wechselkursen, das dem Niveau des Gesamtjahres entspricht. Bei Mainframes sieht das Unternehmen bislang keine Anzeichen dafür, dass Kunden abwandern. Für das Gesamtjahr 2026 senkt IBM die Wachstumsprognose auf eine Spanne von vier bis fünf Prozent, nachdem zuvor mehr als fünf Prozent in Aussicht standen.

CEO Arvind Krishna erklärte dazu: „Wir erwarten nun ein Umsatzwachstum zu konstanten Wechselkursen im Bereich von vier bis fünf Prozent und weiterhin einen Anstieg des freien Cashflows um etwa eine Milliarde Dollar gegenüber dem Vorjahr.“ Beim bereinigten Gewinn je Aktie traf IBM mit 2,93 Dollar exakt die Konsensschätzung.

Trotz der Turbulenzen hält der Konzern an seiner Dividendenpolitik fest. Der Vorstand genehmigte eine reguläre Quartalsdividende von 1,69 Dollar je Aktie, zahlbar am 10. September an Aktionäre, die am 10. August im Bestand geführt sind. Damit setzt IBM eine Serie fortlaufender Quartalsdividenden fort, die bis ins Jahr 1916 zurückreicht.

Betrugsvorwürfe erhöhen den Druck

Zur Kursbelastung kommt eine weitere Komplikation. Nach dem Kurseinbruch vom 14. Juli läuft eine Untersuchung wegen möglichen Wertpapierbetrugs. Im Zentrum steht die Frage, ob das Management die Stärke der Auftragspipeline vor der Vorabwarnung falsch dargestellt hat – konkret geht es um die Konversionsrate abgeschlossener Deals. IBM erklärte, mit den Ermittlungen zu kooperieren. Kommentare des Managements zur Zukunft dürften in den kommenden Quartalen daher besonders genau geprüft werden.

Charttechnik zeigt überverkauftes Terrain

Die technischen Signale unterstreichen den Abwärtsdruck. Der RSI von 31,5 deutet auf eine überverkaufte Aktie hin, während der Kurs rund 20 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und knapp 22 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt liegt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 84 Prozent zeigt, wie unruhig der Handel seit der Warnung Mitte Juli geworden ist.

Die Analystenmeinungen driften auseinander: Während einige Häuser ihre Kursziele deutlich kappen, halten andere wie Goldman Sachs an einer grundsätzlich positiven Einschätzung fest. Für IBM bleibt die Aufgabe, das Vertrauen in die eigene Wachstumsstory rund um KI und Hybrid-Cloud in der zweiten Jahreshälfte 2026 zurückzugewinnen.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.