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IBM Aktie: DRAM-Preise stiegen um 100 bis 116 Prozent

IBMs Infrastruktursparte leidet unter explodierenden DRAM-Preisen. Der Konzern senkt die Jahresprognose und setzt auf eine Erholung im dritten Quartal.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Mainframe-Verkäufe brechen um 42 Prozent ein
  • DRAM-Preise steigen um über 100 Prozent
  • IBM senkt Umsatzprognose für 2026
  • Aktie verliert ein Drittel seit Juni

IBMs Absturz in diesem Sommer hat wenig mit Künstlicher Intelligenz zu tun, die angeblich Softwarejobs frisst. Der eigentliche Grund ist banaler und trifft das Geschäft trotzdem hart: Ein globaler Engpass bei Speicherchips zwingt Unternehmenskunden dazu, ihre IT-Budgets in Server und Storage zu stecken. Für Mainframes und Beratungsleistungen bleibt kein Geld übrig.

Ein Quartal, das die Schwachstellen offenlegt

Im zweiten Quartal war die Infrastruktursparte der größte Bremsklotz. Die Verkäufe der Z-Mainframes brachen um 42 Prozent ein. Finanzchef James Kavanaugh bezifferte den Effekt auf das Gesamtwachstum mit über fünf Prozentpunkten. IBM reagierte prompt und senkte die Prognose: Für 2026 rechnet der Konzern nun mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum von 4 bis 5 Prozent, zuvor waren es über 5 Prozent.

Der Mechanismus dahinter ist ungewöhnlich für einen Software- und Dienstleistungskonzern. Ein massiver Mangel an Speicherchips trieb die Preise nach oben. Die Kosten für DRAM-Speicher stiegen im ersten Quartal 2026 um 100 bis 116 Prozent. Unternehmen sicherten sich angesichts knapper und teurer Bauteile lieber sofort Server- und Speicherkapazitäten. Software-Updates, Beratungsprojekte und Mainframe-Erneuerungen — also genau die margenstarken Geschäfte von IBM — wurden verschoben.

Das Management sieht darin ein Timing-Problem, keine strukturelle Krise. Kavanaugh widersprach der Vermutung, Kunden würden sich von der Mainframe-Plattform abwenden: „Wir sehen keinerlei Anzeichen dafür, dass Kunden vom Mainframe wegziehen.“ Für die zweite Jahreshälfte erwartet er weiterhin deutliche Stärke in diesem Bereich. CEO Arvind Krishna stufte den Rückgang als überwiegend zeitlich bedingt ein. Rund ein Drittel der verschobenen Deals sei bereits im dritten Quartal abgeschlossen worden, so Krishna.

Der Kurs bestraft härter als die Story es hergibt

Was auch immer hinter den Zahlen steckt — der Aktienkurs hat die Härte der Reaktion mehr als bestätigt. IBM schloss am Freitag bei 194,74 Euro, ein Drittel unter dem Jahreshoch von Anfang Juni. Die Aktie hat allein in den letzten 30 Tagen mehr als ein Fünftel ihres Werts verloren. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von gut 25 Prozent zu Buche.

Technisch sieht das Bild nach einer Aktie aus, die noch nach Halt sucht, nicht nach einer, die bereits dreht. Alle wichtigen gleitenden Durchschnitte liegen deutlich über dem aktuellen Kurs — ein klassisch bärisches Signal. Der RSI von 41,2 zeigt zumindest: Die Aktie hat die überverkaufte Zone verlassen, ohne bislang neue Aufwärtsdynamik aufzubauen.

Die Bullen-These hängt an einem Chip-Zyklus, den IBM nicht kontrolliert

Die unbequeme Wahrheit dieser Geschichte: IBMs kurzfristiges Schicksal hängt weniger von der eigenen Ausführung ab als von einer Lieferkette, die der Konzern nicht steuert. Bleiben die Speicherpreise hoch, weil KI-Rechenzentren die Wafer-Kapazitäten aufsaugen, könnten Unternehmen noch mehrere Quartale lang Hardware vor Software und Beratung priorisieren. Das liegt komplett außerhalb der Kontrolle des Managements.

Genau deshalb lohnt ein Blick auf die Lücke zwischen dem aktuellen Kurs und dem Analysten-Konsens von 211,64 Euro, was einem Aufwärtspotenzial von 8,7 Prozent entspräche. Der Markt preist echte Unsicherheit darüber ein, wie lange die These „verschoben, nicht vernichtet“ braucht, um sich zu bestätigen. Mit einer Marktkapitalisierung von 182,64 Milliarden Euro bleibt IBM ein Konzern mit erheblichen wiederkehrenden Softwareeinnahmen. Investoren wollen aktuell trotzdem nicht über die nächsten ein bis zwei Quartale mit schwachen Mainframe- und Infrastrukturdaten hinwegblicken.

Worauf es jetzt ankommt

Der entscheidende Test: Zeigt sich das angeblich bereits im dritten Quartal abgeschlossene Drittel der verschobenen Deals sauber in den nächsten Berichtszahlen? Und normalisieren sich die Speicherpreise so weit, dass Unternehmen wieder in das gesamte IBM-Portfolio investieren statt nur in Hardware? Bis das geklärt ist, wirkt IBMs Aktie weniger wie eine kaputte Wachstumsgeschichte. Sie ist eher eine Wette darauf, wann sich ein Lieferketten-Engpass von selbst auflöst — eine Wette, die der Markt derzeit mit erheblicher Skepsis bepreist.

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Diskussion zu IBM

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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