IBM hat mit vorläufigen Zahlen zum zweiten Quartal für einen der heftigsten Kurseinbrüche in der jüngeren Unternehmensgeschichte gesorgt. Der Technologiekonzern meldete vorab einen Umsatz von 17,2 Milliarden US-Dollar – deutlich unter dem Konsens von rund 17,86 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,93 US-Dollar gegenüber einer Erwartung von rund 3,01 US-Dollar. Die Aktie reagierte mit einem der stärksten Tagesverlusten seit Jahrzehnten, laut einem Bericht von Yahoo Finance dem größten Einbruch seit 1968. Über die Woche summierte sich der Kursverlust auf rund ein Viertel, begleitet von einem Marktwertverlust von schätzungsweise 70 Milliarden US-Dollar.
Verlagerte Ausgaben treffen Software und Infrastruktur
Vorstandschef Arvind Krishna bezeichnete die Zahlen als „enttäuschend“ und machte dafür verzögerte Großaufträge sowie eine kurzfristige Verlagerung von Kundenbudgets auf Server, Speicher und Arbeitsspeicher verantwortlich – Ausgaben also, die stattdessen in KI-Infrastruktur anderer Anbieter flossen. Auch Bedenken im Bereich Cybersicherheit spielten laut Krishna eine Rolle. Innerhalb der Segmente zeigte sich ein gespaltenes Bild: Die Sparte Consulting stagnierte weitgehend, das Infrastrukturgeschäft brach um 7 Prozent ein, während der Softwarebereich um 5 Prozent zulegte. Positiv stach Red Hat mit einem Umsatzplus von 11 Prozent hervor. IBM hält an strategischen Investitionsplänen fest, darunter mehr als 10 Milliarden US-Dollar für Quantencomputing bis 2029 sowie die mit 5 Milliarden US-Dollar dotierte KI-Initiative Lightwell.
Der Kurseinbruch blieb nicht auf IBM beschränkt. Der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF verlor mehr als 4 Prozent, während Softwarewerte wie ServiceNow, Workday, Salesforce und Palantir ebenfalls unter Druck gerieten. Marktbeobachter werten die IBM-Warnung als möglichen Indikator dafür, dass Unternehmensbudgets derzeit bevorzugt in KI-Hardware statt in Unternehmenssoftware fließen. IDC-Analystin Nadkarni ordnete die Marktreaktion zwar als überzogen ein, räumte aber ein, dass sich auch IBM der branchenweiten Budgetverschiebung nicht entziehen könne.
Analysten senken reihenweise Kursziele
Die Bank HSBC stufte IBM nach der Warnung auf „Reduce“ zurück und setzte das Kursziel auf 191 US-Dollar. Oppenheimer senkte die Einstufung nach dem Kurssturz von rund 25 Prozent auf „Perform“ und verwies auf die branchenweite Verfehlung sowie die Schwierigkeit, die Jahresprognose noch zu erreichen. Die Citi-Analystin Fatima Boolani reduzierte ihr Kursziel von 375 auf 255 US-Dollar, beließ die Kaufempfehlung jedoch unverändert. Bank of America hielt ebenfalls an ihrer Kaufeinstufung fest, senkte das Kursziel aber auf 280 US-Dollar. Trotz der Herabstufungen bewegt sich der durchschnittliche Analystenkonsens Berichten zufolge weiterhin im Bereich einer moderaten Kaufempfehlung mit einem Zielkurs von etwa 298 US-Dollar – ein Hinweis darauf, dass ein Teil der Wall Street den Rückschlag als vorübergehend einstuft. Berichten zufolge gibt es zudem Spekulationen über wachsenden Aktivistendruck sowie mögliche Aufspaltungsdiskussionen im Vorstand, der sich Ende Juli treffen soll.
Kurs nahe Jahrestief, Blick auf den 22. Juli
An der Börse zeigt sich das Ausmaß der Verunsicherung deutlich: Die Aktie schloss am Freitag bei 185,72 Euro, ein Minus von 3,07 Prozent, und liegt damit nur noch 4,03 Prozent über dem am 16. Juli markierten 52-Wochen-Tief von 178,52 Euro. Die Erholung nach dem Ausverkauf lässt damit noch auf sich warten. Entscheidend für die weitere Kursrichtung dürfte der vollständige Quartalsbericht am 22. Juli werden. Erst dann zeigt sich, ob die von Krishna beschriebene Verlagerung der Kundenausgaben ein einmaliger Effekt war oder eine strukturelle Entwicklung markiert, die IBMs Geschäftsmodell dauerhaft belastet.
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