Juli 2026 den schlechtesten Handelstag seit dem Börsenkrach von 1987 erlebt. Der Börsenwert des Technologiekonzerns schrumpfte zeitweise um rund 70 Milliarden US-Dollar, nachdem das Management enttäuschende vorläufige Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt hatte. CEO Arvind Krishna räumte in einem Schreiben an die Investoren offen Fehler ein und erklärte, das Unternehmen habe es versäumt, sich schnell genug an die veränderte Nachfragedynamik im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) anzupassen.
Verfehlung der Erwartungen im Kerngeschäft
Die vorläufigen Ergebnisse für das zweite Quartal blieben hinter den Prognosen der Analysten zurück. IBM meldete einen Umsatz von 17,2 Milliarden US-Dollar, was zwar einem leichten Plus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, aber deutlich unter dem Konsens von 17,86 Milliarden US-Dollar liegt. Auch der bereinigte Gewinn je Aktie (EPS) verfehlte mit 2,93 US-Dollar die Erwartung von 3,01 US-Dollar. Besonders deutlich wurde die Schwäche im Infrastruktur-Segment, dessen Umsatz um 7 Prozent einbrach. Laut Arvind Krishna habe man das Ausmaß der Umschichtung von Kundenbudgets unterschätzt: Unternehmen investieren derzeit massiv in Hardware wie Server, Speicherlösungen und Speicherchips für KI-Anwendungen, während Ausgaben für Software und klassische Mainframes zurückgestellt wurden.
Die Aktie notiert aktuell bei 192,18 € und verzeichnete heute eine leichte Erholung von 1,06 %. Dennoch bleibt die Lage angespannt: Der Wert liegt mit 22,71 % seit Jahresbeginn im Minus und weist einen Abstand von 16,23 % zum 50-Tage-Durchschnitt von 229,41 € auf. Auch der 200-Tage-Durchschnitt von 236,54 € liegt derzeit in weiter Ferne. Mit einer Marktkapitalisierung von 235,95 Milliarden € und einem Kurs, der nur knapp 6 % über dem 52-Wochen-Tief von 181,32 € liegt, reflektiert der Markt die Sorge über eine länger anhaltende Wachstumsschwäche im Softwarebereich.
Analysten reagieren mit Abstufungen
Die Enttäuschung über die vorläufigen Zahlen führte umgehend zu Reaktionen der Analystenhäuser. Die Bank HSBC stufte die IBM-Aktie auf „Reduce“ herab und setzte ein Kursziel von 191 US-Dollar fest. Analysten bezeichneten die aktuelle Entwicklung als einen „hässlichen Moment“ für IBM und den gesamten Softwaresektor, da die Investitionspriorität der Kunden derzeit klar auf der KI-Infrastruktur liegt, was IBMs Software- und Beratungsgeschäft bremst. Das Unternehmen gab zudem bekannt, dass zahlreiche Großaufträge zum Quartalsende nicht abgeschlossen werden konnten.
Trotz der allgemeinen Schwäche gab es im Quartalsbericht auch Lichtblicke. Das Tochterunternehmen Red Hat verzeichnete ein Wachstum von 11 Prozent. Das Segment der verteilten Infrastruktur (Distributed Infrastructure) wuchs sogar um 37 Prozent und weist einen Auftragsbestand von rund 500 Millionen US-Dollar auf. Dennoch konnten diese Erfolge den Rückgang im Bereich der Z-Mainframes und der klassischen Software nicht kompensieren.
Langfristige Strategie und Großinvestitionen
Um den Anschluss im technologischen Wettbewerb nicht zu verlieren, setzt IBM verstärkt auf langfristige Projekte. Das Unternehmen kündigte die Initiative „Lightwell“ an, ein mit 5 Milliarden US-Dollar dotiertes Projekt für KI-Sicherheit, an dem 20,000 Ingenieure arbeiten sollen. Zudem plant IBM Investitionen von mehr als 10 Milliarden US-Dollar in die Quantencomputer-Technologie über die nächsten fünf Jahre. Ziel ist es, bis 2029 den ersten fehlertoleranten Quantencomputer fertigzustellen. In Zusammenarbeit mit staatlichen Förderungen aus dem CHIPS Act ist zudem der Bau der „Anderon“-Halbleiterfabrik geplant, die mit insgesamt 2 Milliarden US-Dollar finanziert werden soll.
Die vollständigen Finanzergebnisse für das zweite Quartal wird IBM voraussichtlich am 22. Juli präsentieren. Anleger werden dann genau darauf achten, ob das Management konkrete Maßnahmen zur Beschleunigung des Softwaregeschäfts vorlegen kann, um den Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 292,85 € wieder zu verringern.
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