IBM liefert Stoff für Technik-Fantasien. Am Freitag sprang die Aktie um 4,71 Prozent auf 237,80 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von fast zehn Prozent auf der Anzeigetafel. Der Auslöser ist eine technologische Premiere aus dem New Yorker Forschungslabor. IBM präsentiert die weltweit erste Chip-Architektur unterhalb der Ein-Nanometer-Grenze.
Vertikale Bauweise bricht Grenzen
Der neue 0,7-Nanometer-Chip packt rund 100 Milliarden Transistoren auf die Fläche eines Fingernagels. Das verdoppelt die Dichte im Vergleich zur Vorgängergeneration. Ingenieure erreichen dies durch einen radikalen Ansatz. Sie schrumpfen die Bauteile nicht nur, sondern stapeln sie vertikal.
Diese 3D-Integration nennt der Konzern Nanostack. Die Leistung soll um bis zu 50 Prozent steigen. Alternativ sinkt der Energieverbrauch um 70 Prozent. Das zielt direkt auf den enormen Datenhunger moderner KI-Anwendungen ab.
Die erste Euphorie am Markt kühlte schnell ab. Der Grund: Bis zur kommerziellen Produktion vergehen mindestens fünf Jahre. IBM fertigt solche Logikchips nicht selbst in Serie. Das Unternehmen entwickelt die Architektur und lizenziert das Wissen an externe Auftragsfertiger.
Einen Partner für die neue Technologie gibt es noch nicht. Ingenieure kämpfen weiterhin mit ungelösten Problemen bei der Wärmeentwicklung. Kurzfristig fokussiert sich das Management darauf, die aktuelle Zwei-Nanometer-Technik in den Markt zu bringen.
Milliardenwette auf Quantencomputer
Parallel dazu treibt IBM ein zweites Großprojekt voran. Gemeinsam mit der US-Regierung baut der Konzern die erste reine Quanten-Foundry Amerikas auf. Das neue Unternehmen heißt Anderon. Es soll künftig als neutraler Auftragsfertiger für Quantenchips agieren.
Sowohl das US-Handelsministerium als auch IBM investieren jeweils eine Milliarde US-Dollar. Anderon bildet das Herzstück eines fünfjährigen Investitionsplans. Bis 2033 will IBM fehlerfreie Quantensysteme ausliefern.
Fokus auf den Quartalsbericht
Trotz des jüngsten Kurssprungs notiert die Aktie knapp 19 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von Anfang Juni. Analysten bleiben optimistisch. Dan Ives von Wedbush Securities hob das Kursziel auf 350 US-Dollar an. Er verweist auf starkes Momentum im Cloud- und KI-Geschäft.
Auch Barclays bestätigt ein Ziel von 350 US-Dollar. Ein Risiko bleibt die komplexe Integration bei den Endkunden. Eine interne Studie zeigt: 71 Prozent der Führungskräfte fürchten die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern. Analysten warnen vor möglichen Verzögerungen bei großen KI-Projekten.
Am 22. Juli legt IBM die Zahlen für das zweite Quartal vor. Der Markt kalkuliert mit einem Umsatz von rund 17,8 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn je Aktie von 2,98 Dollar. Die Bilanz liefert den nächsten harten Faktenabgleich, wie schnell der Konzern seine KI-Pipeline in verbuchte Erlöse verwandelt.
