Ein neuer Server macht aus HPEs KI-Story mehr als eine Reaktion auf starke Quartalszahlen. Mit dem ProLiant Compute DL394 Gen12 auf Basis von NVIDIAs Vera-CPU zielt der Konzern auf agentische KI, Reinforcement Learning und schnelle Datenverarbeitung. Der Punkt ist strategisch: HPE will nicht nur vom Datacenter-Ausbau profitieren. Der Konzern sucht den Platz in einer neuen Infrastrukturwelle.
Vera-Server erweitert die KI-Story
Der Produktstart am 1. Juni rund um die COMPUTEX 2026 verschiebt die Wahrnehmung der Aktie. HPE adressiert Workloads, die hohe CPU-Leistung, viel Speicherbandbreite und niedrige Latenz brauchen. Agentische KI meint Systeme, die Aufgaben planen, Daten auswerten und mehrere Schritte selbst koordinieren.
Besonders wichtig ist der Finanzsektor. HPE stellte den Server im Rahmen einer Kooperation mit NVIDIA und Redpanda vor. Die New York Stock Exchange prüft diesen Ansatz. Damit bekommt die KI-Server-Story einen konkreten Einsatzfall in einem Markt, in dem Latenz und Stabilität zählen.
Technisch setzt HPE auf LPDDR5X-Speicher und nennt eine aggregierte Bandbreite von 1,2 TB/s. Pro Kern sollen bis zu 14 GB/s möglich sein. Das Ziel: Daten schnell aufnehmen, verarbeiten und für KI-Systeme nutzbar machen.
Sicherheit gehört ebenfalls zum Verkaufsargument. HPE verweist auf Silicon Root of Trust, iLO 7 und eine sichere Enklave für den gesamten Server-Lebenszyklus. Die nächste Servergeneration soll als erste die quantenresistenten Sicherheitsanforderungen des NIST erfüllen.
Starke Zahlen liefern Rückenwind
Die Produkteinführung trifft auf ein starkes zweites Fiskalquartal. HPE meldete einen Umsatz von 10,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 40 Prozent. Der Konzern lag damit klar auf Wachstumskurs.
Beim Gewinn zeigte sich ebenfalls Dynamik. Der verwässerte GAAP-Gewinn je Aktie lag bei 0,44 Dollar. Bereinigt erreichte HPE 0,79 Dollar je Aktie.
Cloud & AI kam auf 7,7 Milliarden Dollar und wuchs um 22,9 Prozent. Dieses Segment trägt damit den Kern der neuen Bewertung.
Der Serverumsatz erreichte 5,5 Milliarden Dollar und legte um 32,7 Prozent zu. Genau hier soll der Vera-basierte ProLiant-Server ansetzen.
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Noch schneller wuchs Networking. Der Bereich erzielte 2,7 Milliarden Dollar Umsatz und sprang um 148,2 Prozent nach oben.
Im Rechenzentrumsnetzwerk lag der Umsatz bei 320 Millionen Dollar. Das Wachstum betrug dort 233,3 Prozent. Diese Entwicklung passt zur These, dass KI nicht nur mehr Server braucht, sondern auch schnellere Netzwerke.
Auch der Cashflow stärkt die Investmentstory. HPE erzielte 1,4 Milliarden Dollar operativen Cashflow und 0,9 Milliarden Dollar freien Cashflow. An Aktionäre flossen 343 Millionen Dollar über Dividenden und Rückkäufe zurück.
Aktie preist viel ein
Der Kurs spiegelt diese Neubewertung bereits deutlich wider. Gestern schloss die Aktie bei 48,14 Euro, genau auf dem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresanfang steht ein Plus von 133,29 Prozent.
Auf Jahressicht beträgt der Anstieg 209,46 Prozent. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 127,53 Prozent. Das ist kein normaler Repricing-Prozess mehr, sondern eine massive Neubewertung der KI-Infrastruktur-Fantasie.
Der Markt honoriert vor allem die starke Nachfrage nach KI-Servern. Serverhersteller profitieren dabei auch von einem wichtigen Detail: Kunden akzeptieren höhere Kosten für Speicherchips eher, wenn die Systeme für KI-Projekte knapp und geschäftskritisch sind. Das kann Margen stützen, obwohl die Lieferketten angespannt bleiben.
Für das laufende Quartal erwartet HPE einen Umsatz von 11,5 bis 12,1 Milliarden Dollar. Das Management signalisiert damit, dass der starke Lauf nicht nur ein einzelner Ausreißer war.
Beim bereinigten Gewinn je Aktie liegt die Zielspanne bei 0,88 bis 0,93 Dollar. Für das Gesamtjahr hob HPE den Ausblick auf 29 bis 33 Prozent Umsatzwachstum an.
Der ProLiant Compute DL394 Gen12 soll im Herbst 2026 in der NVIDIA AI Computing by HPE-Reihe verfügbar sein. Bis dahin misst der Markt HPE vor allem an zwei Dingen: ob die Servernachfrage in Aufträge übergeht und ob höhere Speicherkosten die Marge nicht auffressen.
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