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Hormuz-Krise erschüttert Weltmärkte

Die Schließung der Straße von Hormus treibt Ölpreise auf 107 Dollar und belastet Währungen sowie Konjunkturaussichten weltweit.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Brent-Rohöl steigt auf 107 Dollar
  • Japanischer Yen naht 160er-Marke
  • Ifo-Geschäftsklima fällt auf Tiefstand
  • Zentralbanken halten Zinsen vorerst

Der geschlossene Seeweg zieht immer weitere Kreise. Während US-Präsident Donald Trump am Wochenende ein geplantes Diplomatentreffen in Islamabad absagte und Iran seinen Außenminister für Gespräche nach Moskau schickte, bleibt die Straße von Hormus gesperrt — und mit ihr steht ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gasversorgung still. Die Folgen treffen Währungen, Zentralbanken und Konjunkturaussichten rund um den Globus.

Festgefahrene Diplomatie, steigende Preise

Die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran stecken fest. Iran legte zwar ein neues Angebot zur Öffnung der Meerenge vor, knüpft daran aber Bedingungen, die für die US-Seite schwer zu akzeptieren sind: Ende der Seeblockade, Kriegsschadenersatz, eine neue Rechtsordnung für Hormus — und kein Wort zum Atomprogramm. Das Axios-Bericht zufolge würde Teherans Vorschlag genau jenen Hebel entfernen, den Trump in künftigen Verhandlungen über Irans Urananreicherung benötigt.

Die Diplomatie dreht sich im Kreis. Araghchi reiste von Muskat nach Islamabad, von dort nach Moskau — und traf nirgendwo auf amerikanische Gesprächspartner. Trump machte am Sonntag deutlich, wessen Zug es nun sei: „Es gibt ein Telefon. Wir haben sichere Leitungen.“ Teherans Antwort: Man werde keine Gespräche unter Drohungen aufnehmen.

Brent-Rohöl kostete am Montagmorgen rund 107 US-Dollar pro Barrel, ein Plus von etwa 2 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Seit Kriegsbeginn Ende Februar haben die hohen Energiepreise merklich auf Verbraucherpreise und Industriekosten durchgeschlagen — eine Entwicklung, die Ökonomen weltweit mit wachsender Sorge beobachten.

Yen unter Druck, BOJ im Dilemma

Nirgendwo ist das Dilemma ausgeprägter als in Japan. Der Yen notiert bei rund 159,50 je Dollar — gefährlich nah an der 160er-Marke, bei der Märkte mit einer Intervention des Finanzministeriums rechnen. Japan importiert den Großteil seines Energiebedarfs aus dem Nahen Osten; der Schock trifft die Wirtschaft also zweifach: über höhere Importkosten und über den schwächeren Yen, der diese Importe weiter verteuert.

Die jüngsten Inflationsdaten unterstreichen die Zwickmühle der Notenbank. Der japanische Kernverbraucherpreisindex stieg im März um 1,8 Prozent — knapp unter dem Zwei-Prozent-Ziel der Bank of Japan, aber getragen von Faktoren, die kaum etwas mit robuster Binnennachfrage zu tun haben. Auffälliger noch: Die Preise, die Unternehmen untereinander für Dienstleistungen berechnen, legten im März um 3,1 Prozent zu — angetrieben von einem Sprung der Seefrachttarife um 42 Prozent, ein direkter Effekt der Hormus-Schließung.

Auf ihrem Treffen in dieser Woche wird die BOJ die Zinsen voraussichtlich unverändert lassen, aber Bereitschaft zu weiteren Erhöhungen signalisieren. Ökonomen wie Takeshi Minami vom Norinchukin Research Institute warnen jedoch: „Auch wenn der Binnendruck hoch bleibt, muss die BOJ nicht automatisch reagieren.“ Eine anhaltende Schließung der Meerenge könnte Asiens Schwellenländer so stark belasten, dass Japan den wirtschaftlichen Abschwung mehr fürchtet als den Preisauftrieb.

Deutschland: Konjunktur vor dem Rückfall

Ähnlich angespannt ist die Lage in Europa. Das Ifo-Geschäftsklima fiel im April auf 84,4 Punkte — den niedrigsten Stand seit Mai 2020, mitten in der Corona-Krise. Ifo-Präsident Clemens Fuest brachte es auf den Punkt: „Die deutsche Wirtschaft wird von der Iran-Krise hart getroffen.“ Gleichzeitig zog sich der Einkaufsmanagerindex für den privaten Sektor erstmals seit fast einem Jahr in den Kontraktionsbereich zurück.

Das Verhängnisvolle an der deutschen Situation ist das Timing. Das Land hat gerade einen 500 Milliarden Euro schweren Infrastrukturfonds auf den Weg gebracht, der die lange ersehnte wirtschaftliche Erholung einleiten sollte. Doch der fiskalische Impuls braucht Zeit, um in der realen Wirtschaft anzukommen — Zeit, die der Energieschock gerade aufzuzehren droht. Commerzbank-Chefvolkswirt Joerg Kraemer schätzt, dass das Wachstum selbst bei einer Wiedereröffnung von Hormus Ende Mai noch um mindestens 0,4 Prozentpunkte niedriger ausfallen dürfte. „Aber jeder weitere Tag ohne Öldurchfluss erhöht das Rezessionsrisiko.“

Dollar und Zentralbanken im Fokus

Der Dollar profitiert von der Unsicherheit. Nachdem er im März auf dem Höhepunkt des Kriegsausbruchs als sicherer Hafen gefragt war, dann Boden verlor, als Hoffnungen auf eine schnelle Einigung aufkeimten, stabilisiert er sich nun wieder. Der Dollar-Index notiert bei rund 98,6. Kyle Rodda von Capital.com formuliert eine Warnung, die viele Marktteilnehmer teilen: „Die Märkte sind so zuversichtlich, fast schon gleichgültig in Bezug auf Fortschritte bei den Gesprächen. Der Frieden hält vielleicht nicht — und dann müssten die Märkte sehr heftig neu bepreisen.“

Diese Woche stehen neben der BOJ auch die Fed, die EZB und die Bank of England vor Entscheidungen. Alle drei dürften die Zinsen halten, aber ihre Kommunikation wird genau auf Hinweise zur weiteren Richtung durchsucht. Shane Oliver von AMP fasst die Großwetterlage zusammen: „Eine leichte Stagflation ist eingepreist. Die Uhr tickt nun, ob daraus etwas Schwereres wird — wie in den 1970ern.“

China und die stillen Machtverschiebungen

Abseits des unmittelbaren Kriegsgeschehens nutzt China die geopolitische Unruhe strategisch. Während Peking öffentlich Zurückhaltung übt und einen Xi-Trump-Gipfel Mitte Mai anstrebt, hat es seit dem Handelsabkommen vom Oktober 2025 ein bemerkenswertes Arsenal an wirtschaftlichen Druckmitteln aufgebaut: neue Gesetze gegen Verlagerung von Lieferketten aus China, strengere Exportkontrollen für seltene Erden, Verbote für ausländische KI-Chips in staatlich finanzierten Rechenzentren. Peking bereitet sich, wie Geopolitikanalyst Joe Mazur es formuliert, nach der Logik vor: „Wer Frieden will, bereite sich auf den Krieg vor.“

Der Hormus-Konflikt hat diesen Prozess sogar beschleunigt. Als US-Finanzminister Scott Bessent Mitte April Sanktionen gegen Käufer iranischen Öls androhte — China bezieht rund 80 Prozent der iranischen Exporte — reagierte Peking innerhalb von Tagen mit neuen Verordnungen zu Lieferkettensicherheit und extraterritorialer Gerichtsbarkeit.

Wie lange Hormus noch gesperrt bleibt, ist die zentrale Frage, von der im Moment fast alles andere abhängt. Die Diplomatie bewegt sich im Schneckentempo, die Wirtschaft aber in Echtzeit.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

Heute teile ich meine Expertise durch den Newsletter "Chartanalyse-Trends", den Börsendienst "Momentum Trader", Vorträge auf Messen wie der Invest Stuttgart sowie YouTube-Videos. Mein "Timing is Money"-Ansatz identifiziert optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für Aktien, Gold, Kryptowährungen und weitere Anlageklassen.