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Hochtief Aktie: Vier Großprojekte in zehn Tagen

Der Baukonzern gewinnt Großaufträge für Rechenzentren und Pipelines und bestätigt seine Jahresprognose nach Rekordzahlen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Vier Großaufträge binnen zehn Tagen
  • Auftragsbestand erreicht Rekordniveau
  • Operativer Gewinn steigt um 30 Prozent
  • DAX-Aufnahme im Juni 2026

Die Tochtergesellschaften des Essener Baukonzerns sicherten sich Aufträge in Thailand, den USA, Australien und Deutschland – ein Muster, das sich seit Anfang Juli 2026 durch die Digital- und Energiesparte des Unternehmens zieht.

Rechenzentren, Pipelines und ein KI-Campus

Den jüngsten Zuschlag meldete die Hochtief-Tochter Leighton Asia am 17. Juli 2026: Sie erhält den Auftrag für den Bau eines Rechenzentrums in Thailand. Nur einen Tag zuvor hatte die US-Tochter Turner Construction ihre Beteiligung an der Erweiterung des Meta-KI-Campus in Richland Parish, Louisiana, bestätigt – das Projekt soll auf eine Compute-Kapazität von 5 Gigawatt ausgebaut werden. Ebenfalls am 16. Juli wurde bekannt, dass die australische Tochter CPB Contractors die erste Bauphase der Pipeline zwischen Toowoomba und Warwick umsetzen wird.

Bereits am 7. Juli hatte Hochtief Infrastructure den Auftrag für ein Rechenzentrum für NTT in Berlin gemeldet. Damit reiht sich binnen zehn Tagen ein Digitalinfrastruktur- oder Energieprojekt an das nächste – von Rechenzentren über Wasserpipelines bis zu Versorgungsanlagen für die Halbleiterindustrie. Bereits Anfang Juni hatte Hochtief einen Auftrag für ein Flusswasserwerk zur Versorgung der deutschen Halbleiterindustrie gesichert, Mitte Juni kam über Leighton Asia ein Auftrag für ein luxuriöses Wohnungsbauprojekt in Indien hinzu.

Rekordgewinn, höhere Dividende und Komplettübernahme von Thiess

Die operative Basis für diese Expansion lieferte der Konzern mit den Zahlen zum ersten Quartal 2026, veröffentlicht am 11. Mai. Der operative Konzerngewinn stieg um 30 Prozent auf 217 Millionen Euro, der währungsbereinigte Umsatz wuchs um 14 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand erreichte mit 79,3 Milliarden Euro einen Rekordwert. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte Hochtief die Prognose eines operativen Nettogewinns zwischen 950 Millionen und 1,025 Milliarden Euro – ein Plus von 20 bis 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Aktionäre profitierten bereits: Am 7. Juli zahlte Hochtief die Dividende für das Geschäftsjahr 2025 aus, 6,60 Euro je Aktie und damit 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Strategisch verstärkte sich der Konzern zudem im Bergbaudienstleistungsgeschäft: Die australische Tochter CIMIC übernahm zum 1. Juli die verbleibenden Anteile von Thiess von Elliott Advisors und hält den Bergbaudienstleister damit nun zu 100 Prozent. Personell stellte sich die Infrastruktursparte neu auf – seit dem 3. Juni führt Peter Hingott als neuer CEO die Sparte Hochtief Infrastructure.

DAX-Aufnahme als Rahmen für die Kursrally

Den symbolischen Höhepunkt der vergangenen Wochen markierte die Aufnahme in den DAX am 22. Juni 2026, wo Hochtief die Nachfolge von Porsche SE antrat. Die Aktie hat diese Entwicklung über das Jahr hinweg begleitet: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 35,45 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von 147,79 Prozent. Am Freitag schloss das Papier bei 453,20 Euro, ein Rückgang von 2,03 Prozent zum Vortag. Von ihrem 52-Wochen-Hoch von 554,50 Euro, erreicht am 6. Mai 2026, notiert die Aktie damit rund 18 Prozent entfernt.

Auf Monatssicht hat sich der Kurs mit einem Minus von 10,52 Prozent deutlich abgekühlt, nachdem die Rally der Vormonate offenbar Gewinnmitnahmen provoziert hat. Anleger richten den Blick nun auf den 27. Juli 2026, wenn Hochtief den Halbjahresbericht vorlegt und in einer Telefonkonferenz mit Analysten über den Geschäftsverlauf informiert. Angesichts der dichten Folge bestätigter Großaufträge in den vergangenen Wochen dürfte der Auftragsbestand dabei erneut im Zentrum des Interesses stehen.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.