Die Töchter Turner Construction und CPB Contractors meldeten am 16. Juli 2026 zwei neue Großprojekte: den Ausbau eines Rechenzentrums für Meta im US-Bundesstaat Louisiana sowie die Auswahl für die erste Bauphase der Toowoomba-Warwick-Pipeline in Australien. Beide Aufträge reihen sich in eine Serie von Vertragsgewinnen ein, die den Essener Baukonzern seit Wochen antreibt.
Analysten reagieren auf starken Ausblick
Noch bevor die neuen Aufträge bekannt wurden, hatte Jefferies-Analyst Graham Hunt am 15. Juli sein Kursziel für Hochtief von 494 auf 508 Euro angehoben. Die Einstufung beließ er auf „Hold“. Hunt begründete den Schritt mit der Erwartung eines starken Quartalsberichts am 27. Juli, getrieben durch die US-Tochter Turner Construction, die mit Projekten wie dem Meta-Rechenzentrum in Louisiana zum Wachstumstreiber im Nordamerika-Geschäft geworden ist.
Bernstein Research hatte tags zuvor, am 14. Juli, seine Einstufung „Market-Perform“ mit einem Kursziel von 532,60 Euro bestätigt. Die Analysten verwiesen dabei auf neue Aufträge für Rechenzentren in Hongkong sowie eine Wasseraufbereitungsanlage für die deutsche Halbleiterindustrie – ein weiterer Beleg dafür, dass Hochtief über seine internationalen Tochtergesellschaften in mehreren Wachstumsmärkten gleichzeitig zulegt.
Rekordauftragsbestand und steigende Dividende
Der Auftragsschwung ist kein neues Phänomen. Bereits am 7. Juli hatten Hochtief und die Turner-Tochter Dornan den Zuschlag für ein 36-Megawatt-Rechenzentrum für NTT Global Data Centers in Berlin erhalten, mit einem Volumen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Am selben Tag zahlte der Konzern die Dividende für das Geschäftsjahr 2025 aus: 6,60 Euro je Aktie, ein Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Auch auf australischer Seite tut sich einiges. Die Tochter CIMIC übernahm über ihre Einheit UGL Anfang Juli eine dreijährige Vertragsverlängerung der Stanwell Corporation für die Instandhaltung kritischer Energieerzeugungsinfrastruktur in Queensland. Bereits am 1. Juli hatte CIMIC den Bergbaudienstleister Thiess vollständig übernommen und die verbliebenen 50 Prozent der Anteile von Elliott Advisors für 1,18 Milliarden australische Dollar erworben.
Untermauert wird die Dynamik durch die Zahlen vom 11. Mai: Der operative Konzerngewinn im ersten Quartal 2026 stieg um 30 Prozent auf 217 Millionen Euro, der Auftragsbestand erreichte mit 79,3 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. Für das laufende Geschäftsjahr bestätigte der Vorstand eine Guidance von 950 Millionen bis 1,025 Milliarden Euro operativem Netto-Gewinn. Ende Juni wurde die Aktie zudem offiziell in den DAX aufgenommen – ein Signal für das gestiegene Gewicht des Bauunternehmens im deutschen Leitindex.
Kurs unter dem Hoch, Blick auf den Halbjahresbericht
Der Aktienkurs bewegt sich derzeit unter seinem bisherigen Rekordniveau. Der Schlusskurs vom Donnerstag lag bei 462,60 Euro, gut 16,57 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 554,50 Euro aus dem Mai. Auf Monatssicht steht ein Rückgang von 8,67 Prozent zu Buche – nach der steilen Rally der vergangenen zwölf Monate wirkt das eher wie eine Verschnaufpause als ein Trendbruch.
Die Insider-Käufe von Vorstandsmitgliedern wie CEO Juan Santamaría Cases, Martina Steffen, Ángel Muriel Bernal und Christa Andresky Anfang Mai deuten darauf hin, dass das Management selbst von der weiteren Entwicklung überzeugt ist. Der nächste wichtige Termin steht bereits fest: Am 27. Juli veröffentlicht Hochtief den Halbjahresbericht für 2026, begleitet von einer Analysten-Konferenz. Angesichts der jüngsten Auftragswelle dürften die Erwartungen entsprechend hoch sein.
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