Hochtief baut sein globales Projektportfolio in dieser Woche gleich an mehreren Fronten aus. Über die australische Tochter CIMIC meldete der Konzern neue Aufträge in Indien und Australien, während zugleich ein weiteres Servicegeschäft in Australien Zuwachs erhält.
Die Nachrichtenlage zeigt: Der Baukonzern diversifiziert sein Geschäft branchen- und länderübergreifend, auch wenn die Kartellprüfung zur Autmatec-Übernahme, vor gut einer Woche angekündigt, noch offen ist.
Neue Aufträge in Asien und Australien
Über Leightons Asia-Sparte hat Hochtief ein Data-Centre-Projekt in Indien gewonnen, das Unternehmen selbst als eigene Meldung verbreitete. Rechenzentren gelten wegen des Booms bei Cloud- und KI-Infrastruktur als eines der wachstumsstärksten Segmente im internationalen Baugeschäft, und Hochtief positioniert sich hier über seine asiatische Tochter offenbar gezielt.
Parallel dazu sicherte sich CPB Contractors, eine weitere CIMIC-Gesellschaft, gemeinsam mit den Partnern McConnell Dowell, Jacobs und Arup den Zuschlag für das Kwinana Freeway Upgrade in Westaustralien. Das Projekt reiht sich in eine Serie australischer Infrastrukturaufträge ein, die Hochtief in den vergangenen Wochen vermelden konnte.
Zusätzlich erhielt die Tochter UGL einen Engineering- und Asset-Management-Auftrag für ein Netzwerk von Bulk-Liquid-Storage-Terminals. Auch dieser Zuschlag unterstreicht, wie breit Hochtief sein Dienstleistungsgeschäft jenseits klassischer Bauprojekte aufgestellt hat – von Energieinfrastruktur über Rechenzentren bis zu industrieller Lagerlogistik.
Kartellprüfung zur Autmatec-Übernahme läuft
Im Hintergrund bleibt die vor gut einer Woche angekündigte Übernahme von Autmatec, einem deutschen Spezialisten für Hoch- und Höchstspannungs-Freileitungen, präsent. Das Bundeskartellamt hat den Erwerb sämtlicher Anteile und die damit verbundene alleinige Kontrolle über die Zielgesellschaft formal erfasst; das Fusionskontrollverfahren läuft.
Mit dem Zukauf will Hochtief seine Position im Markt für Übertragungsinfrastruktur stärken – ein Segment, das angesichts des europäischen Netzausbaus zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Kurs unter Druck trotz operativer Dynamik
Trotz der Serie operativer Erfolgsmeldungen zeigt sich die Aktie zuletzt schwächer. Am Freitag schloss das Papier bei 416,60 Euro, nach einem Tagesplus von 1,5 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 2,1 Prozent zu Buche, und auf Monatssicht hat der Titel 6,8 Prozent verloren. Die Diskrepanz zwischen der operativen Nachrichtenlage – neue Aufträge in mehreren Kontinenten – und der Kursentwicklung fällt auf.
Analysten hatten sich zuletzt Anfang August zurückhaltend positioniert: Deutsche Bank AG stufte die Aktie am 12. August mit „Hold“ ein, Barclays Capital vergab am 4. August ein „Equal Weight“, Jefferies sah das Papier am 29. Juli ebenfalls bei „Hold“. Neuere Einschätzungen liegen bislang nicht vor, die genannten Bewertungen datieren mittlerweile mehrere Wochen zurück und spiegeln damit nicht zwingend die aktuelle Auftragslage wider.
Für Anleger bleibt die Kombination aus solidem operativem Auftragseingang und schwächelndem Kurs das zentrale Spannungsfeld. Ob die jüngste Serie an Zuschlägen aus Indien, Australien und dem Energiesektor die Stimmung mittelfristig drehen kann, dürfte auch davon abhängen, wie zügig das Bundeskartellamt über die Autmatec-Übernahme entscheidet.
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