Der Aufstieg in den DAX brachte der Hochtief-Aktie zunächst rote Vorzeichen, da Investoren nach dem Indexwechsel ihre Gewinne mitnahmen. Nun richtet sich der Blick nach Berlin. Der Bundestag stimmt am Freitag über das Infrastruktur-Zukunftsgesetz ab. Das könnte das operative Geschäft massiv beschleunigen.
Berlin drückt aufs Tempo
Die schwarz-rote Koalition will den Bau von Straßen, Brücken und Schienen vereinfachen. Zentrale Verkehrsprojekte gelten künftig als Vorhaben des überragenden öffentlichen Interesses. Das beschleunigt die Genehmigungsverfahren erheblich.
Für Hochtief bedeutet das handfeste Vorteile. Der Konzern kann schneller mit dem Bau beginnen und Umsätze früher verbuchen. Die Auftragspipeline im Heimatmarkt dürfte sich zügig leeren und neu füllen.
Gewinnmitnahmen nach DAX-Aufstieg
Aktuell notiert das Papier bei 503,00 Euro und gibt damit am Freitag 1,66 Prozent nach. Seit dem Jahreswechsel steht dennoch ein Plus von gut 48 Prozent auf der Kurstafel. Der jüngste Rücksetzer hat keine operativen Gründe. Er folgt vielmehr der Mechanik des Indexwechsels.
Vor der DAX-Aufnahme kauften Investoren die Aktie stark ein, um von den Pflichtkäufen der passiven Indexfonds zu profitieren. Nach dem Vollzug folgten direkte Gewinnmitnahmen. Ein struktureller Faktor verschärft diese Schwankungen.
Der spanische Mutterkonzern ACS hält 80 Prozent der Anteile. Nur 20 Prozent der Papiere sind frei handelbar. Wenn große Fonds umschichten, trifft die Nachfrage auf ein enges Angebot. Die Folge: Schon kleine Volumina bewegen den Kurs spürbar.
Rekordbestand und vorsichtige Analysten
Das operative Fundament bleibt derweil stabil. Im ersten Quartal stieg das Nettoergebnis auf 217 Millionen Euro. Der Auftragsbestand markiert mit gut 79 Milliarden Euro einen neuen Rekord.
Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand einen Nettogewinn von rund einer Milliarde Euro an. Analysten bewerten die Lage dennoch zurückhaltend. Bernstein Research stuft die Aktie auf „Market Perform“ mit einem Kursziel von 532,60 Euro.
Jefferies und Barclays raten ebenfalls zum Halten. Auf Sicht von zwölf Monaten hat die Aktie bereits 207 Prozent zugelegt. Die Experten sehen diese starke Entwicklung weitgehend im Kurs eingepreist.
Die nächsten konkreten Impulse liefert der Sommer. Hochtief veröffentlicht am 27. Juli die Ergebnisse für das zweite Quartal. Dann muss der Vorstand aufzeigen, wie stark sich das Berliner Infrastrukturpaket bereits in konkreten Aufträgen niederschlägt.
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