Hims & Hers steht an einem heiklen Punkt: Operativ liefert das Unternehmen starkes Wachstum und treibt die internationale Expansion voran. Gleichzeitig zieht der Streit um „compounded“ GLP‑1-Abnehmprodukte immer weitere Kreise – mit juristischem und regulatorischem Gegenwind. Genau diese Mischung sorgt zuletzt für spürbare Nervosität rund um die Aktie.
Strive rudert zurück – und nimmt Druck aus Gerüchten
Am Dienstag kam eine neue Wendung ausgerechnet vom Partner aus der Lieferkette: Strive Pharmacy stellte klar, dass man keine Verkäufe einer „compounded“ Version von Novo Nordisks oraler Semaglutid-Pille wieder aufnehmen will. Zuvor hatte ein Medienbericht nahegelegt, Strive wolle das Produkt über andere Gesundheitsanbieter erneut anbieten – eine Darstellung, die später korrigiert wurde.
Strive betonte zwar, die eigene Pillentechnologie könne grundsätzlich mit mehreren Wirkstoffen eingesetzt werden. Entscheidend ist aber der Zusatz des Marketingchefs Zach Shurtleff: „Wir bieten es nicht mit Semaglutid an.“ Damit ist ein kurzfristiges Comeback dieser speziellen GLP‑1-Pille vom Tisch – und ein Teil der Spekulationen verliert den Boden.
Wie der GLP‑1-Konflikt eskalierte
Der Kern des Problems liegt in einem sehr kurzen, aber folgenreichen Vorstoß: Hims hatte im vergangenen Monat angekündigt, eine „compounded“ orale Semaglutid-Pille für 49 Dollar anbieten zu wollen – nur rund einen Monat nachdem Novo Nordisk eine neue Wegovy-Pille auf den Markt gebracht hatte.
Die Reaktion kam schnell. Laut Bericht geriet das Vorgehen unter Druck von Novo Nordisk und der US-Arzneimittelbehörde FDA. Die FDA verwies das Unternehmen demnach an das Justizministerium und stellte zudem Einschränkungen bei Zutaten in Aussicht, die Apotheken für solche Mischpräparate verwenden.
Hims stoppte das Angebot bereits zwei Tage nach dem Start. Zusätzlich läuft nun eine Patentklage von Novo Nordisk. Novo will gerichtlich erreichen, dass Hims den Verkauf patentverletzender Versionen dauerhaft unterlässt und fordert Schadenersatz. Hims wiederum bezeichnete das Vorgehen als Angriff auf Menschen, die auf „compounded“ Medikamente für personalisierte Versorgung angewiesen seien, und argumentiert, die eigenen Varianten seien wegen „personalisierter“ Dosierungen legal – obwohl Semaglutid laut Bericht in den USA bis 2032 patentgeschützt ist.
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Rückenwind aus Washington – plus starke Zahlen und ein teurer Plan
Kurzzeitig bekam die Aktie auch positive Impulse: US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. sagte in einem Podcast, dass 14 Peptide, die zuvor in einer FDA-Kategorie als „nicht compounden“ geführt wurden, wieder in eine Kategorie zurückgestuft werden sollen, die das Compounding eher ermöglicht. Für Compounding-Apotheken wäre das relevant – und Hims hatte laut Text bereits eine Peptid-Anlage in Kalifornien gekauft, um davon zu profitieren.
Fundamental kann Hims & Hers zugleich starke Kennzahlen vorweisen: Für 2025 meldete das Unternehmen 2,35 Mrd. Dollar Umsatz, im Q4 617,82 Mio. Dollar, einen Nettogewinn von 128 Mio. Dollar und eine Abobasis von über 2,5 Mio. Nutzern. International wuchs der Umsatz laut Bericht besonders stark, und das Management peilt innerhalb von drei Jahren mehr als 1 Mrd. Dollar Auslandsumsatz an.
Parallel treibt Hims die Expansion über eine Übernahme voran: Eine verbindliche Vereinbarung zur Akquisition von Eucalyptus (aktiv u. a. in Australien, UK und Deutschland) soll den internationalen Ausbau beschleunigen. Eucalyptus bringt laut Bericht einen Jahresumsatz-Run-Rate von über 450 Mio. US-Dollar mit. Der Deal soll überwiegend aus vorhandener Liquidität und künftigen Cashflows finanziert werden und – vorbehaltlich Genehmigungen – zur Jahresmitte 2026 abgeschlossen werden.
Analysten werden vorsichtiger – Kurs bleibt anfällig
Die Gemengelage aus Wachstum und Rechtsrisiko spiegelt sich auch in Analysten-Updates: Deutsche Bank senkte das Kursziel auf 31 Dollar (von 42) und blieb bei Hold. Canaccord reduzierte auf 30 Dollar (von 68), hielt aber an Buy fest und argumentierte, der Abverkauf habe viel Wert rund um compounded Semaglutid bereits „eingepreist“. TD Cowen ging auf 20 Dollar (von 30) zurück und bleibt bei Hold – mit Verweis auf das erhöhte Risiko für GLP‑1-Umsätze 2026 und die Frage, ob zumindest das „compounded“ injizierbare GLP‑1-Angebot fortgeführt werden kann.
Auch im Kursbild zeigt sich die Belastung: In den letzten 30 Tagen liegt das Papier 38,2% im Minus – ein klarer Hinweis, wie stark die Unsicherheit aktuell dominiert.
Die nächsten Meilensteine sind damit klar umrissen: Gerichtliche Schritte im Novo-Nordisk-Verfahren und die regulatorischen Freigaben für die Eucalyptus-Übernahme, die laut Unternehmen zur Jahresmitte 2026 erwartet wird. Bis dahin dürfte jede Nachricht rund um GLP‑1 und FDA besonders kursrelevant bleiben.
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