Hims & Hers steht gleich auf mehreren Baustellen unter Zugzwang. FDA-Prüfungen, ein Patentstreit mit Novo Nordisk und deutlich gesenkte Kursziele haben das Vertrauen der Märkte angekratzt. Gleichzeitig versucht das Management, die Story wieder zu stabilisieren – und verweist auf starkes Wachstum abseits des GLP‑1-Geschäfts.
GLP‑1: Vom Wachstumstreiber zum Risiko
Auslöser der jüngsten Negativspirale war ein Schritt, der schnell zurückrudert werden musste: Anfang Februar kündigte Hims & Hers kurzzeitig an, eine „compounded“ (also individuell hergestellte) orale Semaglutid-Version anbieten zu wollen – und kassierte das Vorhaben dann rasch wieder ein. Der Plan hatte zuvor bereits Gegenwind ausgelöst: Novo Nordisk und die US-Arzneimittelbehörde FDA reagierten kritisch. Die FDA verwies das Unternehmen laut Bericht sogar an das Justizministerium und stellte Einschränkungen bei Wirkstoffen in Aussicht, die Apotheken für solche Mischpräparate nutzen.
Im Februar 2026 legte Novo Nordisk nach und reichte eine breit angelegte Patentklage ein. Im Fokus stehen dabei die „personalisierten“ Compounding-Formulierungen. Genau diese rechtliche Unsicherheit ist es, die den Blick auf das Wachstum im Gewichtsreduktionssegment eintrübt.
Analysten senken Ziele – trotz rechnerischem Aufwärtspotenzial
Die Neubewertung kam prompt. Deutsche Bank senkte das Kursziel auf 31 US-Dollar (von 42) und blieb bei „Hold“. Die Begründung fiel deutlich aus: Nach der abrupten Kehrtwende beim GLP‑1-Pillen-Launch stehe das Unternehmen „unter Belagerung“.
Canaccord Genuity reduzierte das Kursziel sogar auf 30 US-Dollar (von 68), hielt aber an „Buy“ fest. Die Klage von Novo Nordisk erhöhe die operative Unsicherheit, so das Haus. Gleichzeitig argumentiert Canaccord, der schnelle Abverkauf habe den Großteil des Werts, den der Markt zuvor den Semaglutid-Compounding-Umsätzen zugeschrieben habe, bereits „aus dem Kurs genommen“.
Management versucht gegenzusteuern – und die Zahlen sind nicht das Problem
In dieser angespannten Lage suchte das Management die Öffentlichkeit: Nach Aussagen von CFO Yemi Okupe auf einer Morgan-Stanley-Konferenz kam es zu einer deutlichen Gegenbewegung, die laut Quelle auch durch technische Effekte wie Eindeckungen von Short-Positionen begünstigt wurde. Hintergrund: Die Märkte hatten nach dem schwachen Q1-Ausblick vom 23. Februar bereits ein sehr negatives Szenario eingepreist, inklusive spürbarem Gegenwind durch die regulatorische Prüfung des Compounding-Geschäfts.
Operativ zeigt das Bild für 2025 dagegen weiterhin viel Kraft: Der Umsatz stieg um 59% auf 2,35 Mrd. US-Dollar, die Abonnentenzahl lag bei über 2,5 Mio. Nutzerinnen und Nutzern. Das bereinigte EBITDA kletterte um 80% auf 318 Mio. US-Dollar. Für 2026 peilt das Unternehmen laut Bericht einen Umsatz von bis zu 2,9 Mrd. US-Dollar an. Wichtig für die Argumentation des Managements: Der Großteil von Umsatz und Ergebnis soll aus Angeboten außerhalb von GLP‑1 stammen.
Ein zusätzlicher Komplexitätsfaktor kommt obendrauf: Hims & Hers will Eucalyptus übernehmen, ein internationaler Digital-Health-Anbieter. Das Volumen liegt bei bis zu 1,15 Mrd. US-Dollar, der Abschluss wird für Mitte 2026 erwartet – vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Parallel dazu gab es diese Woche zudem Verwirrung um den Apothekenpartner Strive Pharmacy: Ein Bericht über eine mögliche Wiederaufnahme von Semaglutid-Compounding wurde von Strive dementiert.
Nach dem massiven Kursverfall der vergangenen Monate notiert die Aktie heute bei 14,20 Euro und liegt damit seit Jahresanfang rund 50% im Minus. Der nächste harte Prüfstein ist der Quartalsbericht am 11. Mai 2026 – dann muss das Unternehmen zeigen, dass Wachstum und Profitabilität auch mit weniger Abhängigkeit von „compounded“ GLP‑1-Produkten glaubwürdig bleiben.
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