Hims & Hers polarisiert Anleger wie kaum ein anderer Telemedizin-Wert. Auf der einen Seite steht ein beeindruckendes Wachstum, auf der anderen massive Zweifel an der Widerstandskraft des Geschäftsmodells im neuen Abnehm-Boom. Der Markt setzt aktuell klar den Schwerpunkt auf die Risiken – und das spiegelt sich sowohl in Short-Positionen als auch in Analystenkommentaren wider.
Shortseller setzen auf Rückgang
Ein zentrales Signal für die angespannte Stimmung ist der außergewöhnlich hohe Short Interest. Per 16. Januar liegt der Anteil leerverkaufter Aktien bei 30,60 %. Damit gehört Hims & Hers zu den am stärksten geshorteten Titeln am Markt – viele professionelle Investoren wetten also explizit auf fallende Kurse.
Begründet wird diese Skepsis vor allem mit regulatorischen Unsicherheiten und der Furcht vor hartem Wettbewerb im Markt für Abnehm-Medikamente. Gerade in diesem Bereich versucht das Unternehmen, mit individuell hergestellten GLP‑1-Präparaten (kompoundierten Alternativen) mitzuspielen – ein Feld, das zunehmend in den Fokus von Aufsehern und großen Pharmakonzernen rückt.
Am Freitag schloss die Aktie bei 31,23 US‑Dollar und liegt damit deutlich unter ihrem 52‑Wochen-Hoch von Mitte Februar, auch wenn sie sich klar vom Tief im April abgesetzt hat.
Analysten mahnen zur Vorsicht
Die Zurückhaltung zeigt sich auch bei den großen Investmenthäusern. Mehrere aktuelle Einschätzungen deuten eher nach unten als nach oben:
- Citi stuft die Aktie mit „Sell“ ein und signalisiert damit die Erwartung sinkender Kurse.
- Evercore ISI ist mit einem „In Line“-Rating und einem Kursziel von 33,00 US‑Dollar neutral und sieht den aktuellen Stand im Wesentlichen als fair bewertet.
- Bank of America bleibt bei „Underperform“ und hat das Kursziel auf 29,00 US‑Dollar gesenkt.
Hinter diesen Einstufungen steht die Sorge, dass die aktuellen Konsensschätzungen für Umsatz- und Margenwachstum im Jahr 2026 zu ambitioniert sein könnten. Analysten rechnen offenbar damit, dass sich die Marktbedingungen schneller verändern, als es die Modelle vieler Investoren bislang abbilden.
Abnehm-Markt wird zum Stresstest
Treiber der negativen Stimmung ist vor allem die Dynamik im Markt für Abnehm-Medikamente. Hims & Hers steht hier gleich vor zwei Fronten, die direkt an das Kerngeschäft im Direktvertrieb an Endkunden rühren.
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Zum einen sorgt Novo Nordisk mit einer neuen oralen Version von Wegovy für Druck. Die Tablettenvariante wird zu einem Einstiegspreis von rund 149 US‑Dollar pro Monat angeboten. Damit greift der Konzern die Preispositionierung der kompoundierten GLP‑1-Lösungen von Hims & Hers frontal an und stellt deren Attraktivität für preisbewusste Kunden infrage.
Zum anderen baut Amazon Pharmacy sein Angebot aus und vertreibt nun ebenfalls die Wegovy-Pille. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Wettbewerbsfaktor bei Logistik, Service und Preisgestaltung. Für das direkt an Konsumenten gerichtete Modell von Hims & Hers bedeutet das: Die Differenzierung über Bequemlichkeit und Zugang wird schwieriger, wenn ein Plattformriese denselben Wirkstoff über eine etablierte Infrastruktur anbietet.
Diese Kombination aus aggressiver Preisstrategie und großer Vertriebsmacht verschiebt aus Sicht vieler Marktteilnehmer das Kräfteverhältnis in diesem Segment zulasten von Hims & Hers.
Starkes Wachstum, aber Gegenwind
Operativ liefert das Unternehmen zuletzt allerdings Zahlen, die auf den ersten Blick stabil wirken. Im dritten Quartal 2025 meldete Hims & Hers:
- Umsatz von knapp 600 Mio. US‑Dollar, ein Plus von 49 % gegenüber dem Vorjahr
- Abonnenten von fast 2,5 Mio., was einem Jahreswachstum von 21 % entspricht
- Adjusted EBITDA von über 78 Mio. US‑Dollar und eine entsprechende Marge von mehr als 13 %
Für das vierte Quartal 2025 stellt das Management eine Adjusted-EBITDA-Marge zwischen 9 % und 10 % in Aussicht. Das signalisiert, dass das Unternehmen bereit ist, etwas Marge zu opfern – etwa für Marketing, Produktanpassungen oder Investitionen in neue Angebote –, um das Wachstum abzusichern.
An der Börse überwiegt derzeit jedoch die Sorge, ob sich diese positive Entwicklung in einem deutlich härteren Wettbewerbsumfeld im Jahr 2026 fortschreiben lässt. Viele Investoren gewichten die drohenden Auswirkungen von Novo Nordisk und Amazon höher als die bisherige Erfolgsbilanz.
Entscheidend dürfte nun der anstehende Quartalsbericht Ende Februar 2026 werden: Dann muss Hims & Hers mit frischen Zahlen und einem konkreteren Ausblick darauf zeigen, ob Wachstum und Profitabilität auch unter verschärften Wettbewerbsbedingungen tragfähig bleiben.
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