Hims & Hers startet mit einem Dämpfer ins neue Jahr. Ein skeptischer Analystenkommentar von Bank of America trifft auf Insider-Verkäufe und wachsenden Wettbewerbsdruck im margenstarken Abnehmgeschäft. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob das Geschäftsmodell 2026 stärker vom Investitionsbedarf oder von weiterem Wachstum geprägt sein wird.
Bank of America wird vorsichtiger
Auslöser der negativen Stimmung ist eine neue Studie von Bank of America-Analyst Allen Lutz. Er bestätigt seine Einstufung „Underperform“ und senkt das Kursziel von 32 auf 29 US-Dollar – nach seinen Berechnungen entspräche das einem deutlichen Rückschlag gegenüber dem Schlusskurs vom Mittwoch.
Seine Kernthese: Die Erwartungen des Marktes für 2026 liegen zu hoch im Vergleich zu dem, was Hims & Hers realistischerweise an Wachstum und Profitabilität liefern kann. Der aktuelle Konsens geht von einem zusätzlichen Jahresumsatz von rund 440 Millionen US-Dollar aus. BofA bezeichnet diese Annahme als „übermäßig optimistisch“, vor allem mit Blick auf die Wachstumsraten, mit denen das Unternehmen Ende 2025 aus dem Jahr gegangen ist.
Lutz sieht 2026 klar als Investitionsjahr. Das Management dürfte die Ausgaben für Personal, die Erweiterung der Technologieplattform und den stärker integrierten Aufbau der Lieferkette deutlich hochfahren. Aus seiner Sicht macht genau dieser Ausgabenschub die am Markt eingepreiste Verbesserung der EBITDA-Marge unrealistisch. Bank of America rechnet deshalb damit, dass es in den kommenden Monaten zu nach unten angepassten Gewinnerwartungen kommen könnte.
Für Kontrast sorgt Truist Securities: Die Bank bleibt bei einem „Hold“-Rating mit Kursziel 37 US-Dollar. Zur Begründung verweist sie auf eher verhaltene Konsumausgaben bis Ende 2025 – also ein Umfeld, das zusätzliche Vorsicht rechtfertigt, ohne jedoch ein klares Negativszenario zu zeichnen.
Insider-Verkäufe und GLP‑1-Konkurrenz
Zusätzlichen Druck bringen jüngste Insider-Transaktionen. Finanzchef Oluyemi Okupe meldete den Verkauf von Aktien nach Ausübung von Optionen, datiert auf den 7. Januar. Solche Vorgänge sind an sich nichts Ungewöhnliches, doch das Timing mitten in einer Phase erhöhter Unsicherheit über den Wachstumsplan für 2026 sorgt für Aufmerksamkeit.
Parallel verschärft sich die Wettbewerbssituation im lukrativen Markt für GLP‑1-Gewichtsverlusttherapien, einem wichtigen Wachstumstreiber von Hims & Hers. Branchenriese Novo Nordisk hat diese Woche eine breitere Verfügbarkeit seiner oralen Wegovy-Pille angekündigt. In der aktualisierten Partnerliste von Novo taucht Hims & Hers nicht auf.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Hims & Hers?
Analysten von Citi sehen genau darin ein mögliches Problem: Mit dem leichteren Zugang zu oralen Originalpräparaten könnte das Geschäft von Hims & Hers mit selbst hergestellten bzw. magistralen GLP‑1-Lösungen unter Druck geraten – insbesondere dann, wenn 2026 weitere orale Alternativen auf den Markt kommen und Marktanteile verschieben.
Bewertung im Spannungsfeld zur Investitionsphase
Hims & Hers geht damit in eine heikle Übergangsphase. Nach einem starken Wachstumsschub im Bereich Gewichtskontrolle verschiebt sich der Fokus nun klar in Richtung Infrastruktur und langfristiger Differenzierung.
Zwei zentrale Aspekte stehen im Vordergrund:
- Bewertung: Die Aktie wurde in der Vergangenheit mit einem Bewertungsaufschlag gehandelt, der auf hohe Wachstums- und Margenfantasie setzte. Aus Sicht von Bank of America wird es ohne zeitnahe Margenverbesserung schwieriger, diese hohen Multiples zu rechtfertigen.
- Strategischer Umbau: Die vertikale Integration der Lieferkette und der Ausbau des „Labs“-Angebots sollen das Geschäftsmodell robuster und schwerer angreifbar machen. Gleichzeitig betont BofA, dass solche Projekte üblicherweise zunächst die Profitabilität belasten. Genau dieser Zielkonflikt zwischen kurzfristigem Ergebnisdruck und langfristigem Aufbau sorgt aktuell für Reibung mit Teilen der Investorenschaft.
Auf technischer Seite ist der Titel zuletzt wieder etwas aufgekommen und liegt mit rund 35 US-Dollar im Bereich von etwa 9 % über dem 50‑Tage-Durchschnitt, gleichzeitig aber deutlich unter dem 200‑Tage-Durchschnitt. Das illustriert die Erholung der vergangenen Wochen – bei weiterhin angeschlagenem mittelfristigem Trend.
Wichtige Wegmarken für 2026
Kurzfristig rückt der anstehende Bericht zum vierten Quartal in den Vordergrund. Dort wird das Management erstmals einen klareren Rahmen für 2026 setzen. Entscheidend wird sein, wie sich die erwartete Beschleunigung der Investitionen zu den Zielen für Umsatzwachstum und Margen verhält.
Die Analystenkommentare der letzten Tage zeichnen dabei ein klares Bild:
– Bank of America rechnet mit spürbar steigenden Kosten und sieht daraus resultierende negative Gewinnrevisionen als wahrscheinlich.
– Truist bleibt neutral und verweist auf ein schwieriges Konsumsumfeld, ohne die Aktie aber klar negativ einzustufen.
– Citi legt den Finger auf das GLP‑1-Geschäft, wo neue orale Angebote etablierter Pharmakonzerne den Druck erhöhen könnten.
Für 2026 ergibt sich damit ein klares Prüfprogramm: Hims & Hers muss zeigen, dass sich die höheren Investitionen zügig in belastbareren Ertragsströmen, einer stärkeren Marktposition im GLP‑1-Segment und einem nachvollziehbaren Pfad zur Margenverbesserung niederschlagen. Gelingt das, können die aktuellen Bewertungsabschläge gegenüber früheren Hochs ein Stück weit abgebaut werden; bleiben dagegen Umsatzdynamik und Ertragskraft hinter den heutigen Erwartungen zurück, dürfte das Lager der Skeptiker rund um Bank of America Rückenwind behalten.
Hims & Hers-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Hims & Hers-Analyse vom 9. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Hims & Hers-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Hims & Hers-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 9. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Hims & Hers: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
