Citi setzt die Bewertung von Hermès heute niedriger an: Das Kursziel fällt von 1.540 auf 1.406 Euro. Die Einstufung bleibt „Neutral“. Damit reduziert das Analysehaus seine Zielmarke, ohne seine grundsätzliche Empfehlung zu ändern. Für Anleger ist das eine wichtige Unterscheidung: Die neue Einschätzung ist keine Herabstufung des Anlageurteils.
Das niedrigere Kursziel folgt auf eine Phase schwächeren Wachstums und hoher Kursverluste. Seit Jahresanfang hat die Hermès-Aktie -40% eingebüßt. Die Kursentwicklung allein beantwortet allerdings nicht, ob das Papier inzwischen günstig ist. Entscheidend ist auch, welche Wachstumsprämie Anleger dem Unternehmen weiterhin zugestehen.
Lederwaren tragen das Wachstum
Das operative Bild liefert Argumente für beide Seiten. Hermès erzielte im dritten Quartal 2026 einen Umsatz von 4,096 Milliarden Euro. Währungsbereinigt entsprach das einem Wachstum von 4,3%. Das Unternehmen wächst damit weiter, allerdings nicht gleichmäßig über seine Geschäftsbereiche hinweg.
Die Stärke der Lederwaren steht einer schwächeren Entwicklung bei Bekleidung und Accessoires gegenüber. Für die Bewertung zählt deshalb nicht nur das Konzernwachstum. Ebenso wichtig ist, wie breit dieses Wachstum getragen wird und ob schwächere Sparten wieder Anschluss finden.
Die Lederwaren- und Sattlereisparte steigerte ihren Umsatz im Quartal währungsbereinigt um 10,8%. Bekleidung und Accessoires verzeichneten dagegen einen Rückgang um 2%. In Asien ohne Japan stagnierte der Umsatz.
Diese Unterschiede begrenzen die Aussagekraft eines pauschalen Verweises auf die Widerstandsfähigkeit von Hermès. Das starke Ledergeschäft stützt den Konzern. Es beseitigt aber nicht die Schwäche anderer Produktgruppen oder die verhaltene Entwicklung in Asien.
Bewertungsprämie bleibt der Prüfstein
Saxo sieht bei Hermès gegenüber LVMH höhere Bewertungsrisiken. In einem Vergleich vom Freitag lag Hermès beim rund 29-Fachen des erwarteten Gewinns. Für LVMH nannte Saxo etwa das 17-Fache. Trotz der Kursverluste wurde Hermès damit weiterhin mit einer höheren Gewinnbewertung gehandelt.
Saxo räumt LVMH potenziell größere Erholungschancen ein. Das ist keine Aussage gegen die operative Stärke von Hermès. Es verweist vielmehr auf den Unterschied zwischen einem widerstandsfähigen Geschäft und einer attraktiven Aktienbewertung.
Citis heutige Entscheidung passt zu dieser vorsichtigen Einordnung. Das unveränderte Neutral-Urteil ist kein Verkaufsvotum; die niedrigere Zielmarke setzt aber einen zurückhaltenderen Bewertungsrahmen. Für die Aktie reicht anhaltendes Wachstum allein deshalb nicht als Argument. Es muss auch die weiterhin höhere Bewertung rechtfertigen.
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