Der Rüstungskonzern Hensoldt sitzt auf einem Rekordauftragsbestand und erhält prominente Rückendeckung von der Wall Street. Trotz eines überzeugenden operativen Gewinns für das abgelaufene Jahr reagieren Anleger abweisend. Offenbar wiegen die Kosten für den Kapazitätsausbau und strategische Zweifel am Markt derzeit schwerer als die geopolitische Notwendigkeit zur Luftverteidigung.
Ein Blick auf die finalen Zahlen für 2025 offenbart eine gemischte Lage. Zwar kletterte der Umsatz um knapp zehn Prozent auf 2,46 Milliarden Euro und das bereinigte EBITDA übertraf mit 452 Millionen Euro die Erwartungen. Allerdings schrumpfte der Nettogewinn von 106 auf 86 Millionen Euro. Das Management begründet diesen Rückgang mit notwendigen operativen Eingriffen. Neue Produktionskapazitäten, ein etabliertes Logistikzentrum und die Digitalisierung der Wertschöpfungskette kosten Geld. Diese Investitionen sollen sicherstellen, dass das gewaltige Orderbuch von 8,83 Milliarden Euro in Zukunft effizient abgearbeitet werden kann.
Analysten ziehen gegensätzliche Schlüsse
Die Bewertung der langfristigen Perspektiven spaltet derzeit die Experten. Zwei aktuelle Einschätzungen zeigen die enorme Bandbreite der Markterwartungen:
- Bank of America: Hochstufung auf „Buy“ mit einem Kursziel von 88,50 Euro. Analyst Benjamin Heelan verweist auf den iranischen Raketenangriff auf Diego Garcia, der die Notwendigkeit europäischer Luftverteidigung untermauere – ein Segment, das bis zu 70 Prozent der Hensoldt-Umsätze ausmacht.
- mwb research: Bestätigung der „Sell“-Einstufung mit einem Ziel von 57,00 Euro. Die Experten attestieren zwar Planungssicherheit im laufenden Zyklus, bezweifeln aber, dass das aktuelle Wachstum über das Jahr 2030 hinaus nachhaltig ist.
Warten auf den Margen-Beweis
Am Aktienmarkt überwiegt aktuell die Skepsis der Verkäufer. Die Bestätigung der Prognose für 2026 – ein anvisierter Umsatz von rund 2,75 Milliarden Euro bei einer leicht steigenden EBITDA-Marge von bis zu 19,0 Prozent – reichte nicht als Kurstreiber. Stattdessen rutschte der Titel weiter ab und notiert aktuell bei 68,95 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von knapp zehn Prozent auf der Anzeigetafel. Auch die geplante Dividendenanhebung auf 0,55 Euro je Aktie sowie die Meldung, dass BlackRock seinen Stimmrechtsanteil auf knapp unter fünf Prozent reduziert hat, änderten nichts an der gedrückten Stimmung.
Der nächste wichtige Prüfstein für das Taufkirchener Unternehmen steht bereits im Kalender. Am 6. Mai 2026 präsentiert Hensoldt die Ergebnisse für das erste Quartal. Anhand dieser Zahlen wird der Markt genau nachrechnen, ob die teuren Umbaumaßnahmen bereits erste Früchte tragen und sich die Lücke zwischen dem immensen Auftragsbestand und dem tatsächlichen Umsatzwachstum verkleinert.
