Hensoldt hat am 9. September einen Vertrag im Volumen von 15 Millionen Euro mit der Bundeswehr unterzeichnet. Ziel ist die Weiterentwicklung des Mission-Support-Systems Optarion, das Militärhubschrauber ohne Änderungen an der Zelle an das digitale Gefechtsnetz anbindet. Der Auftrag reiht sich in eine Serie von Vernetzungsprojekten ein, mit denen der Konzern sein Standbein in der digitalen Aufklärung ausbaut.
Bundeswehr sucht Alternative zu Palantir
Parallel dazu rückt ein größeres Vorhaben in den Fokus: Die Bundeswehr testet derzeit Systeme von 30 Unternehmen, um Kampfdaten in Echtzeit zu verschmelzen.
Hensoldt bringt zusammen mit dem KI-Start-up Helsing die Lösung MDOCore in dieses Verfahren ein. Vizeadmiral Thomas Daum, Inspekteur des Cyber- und Informationsraums, rechnet für das zweite Quartal 2027 mit einem Prototyp, der Vollbetrieb soll Mitte 2028 folgen.
Die Software von Palantir, das sogenannte Maven Smart System, ist aus Souveränitätsgründen von vornherein ausgeschlossen worden – ein Umstand, der europäischen Anbietern wie Hensoldt und Helsing Auftrieb geben dürfte. Zum Vergleich: Der entsprechende US-Vertrag mit Palantir wurde 2024 mit 480 Millionen Dollar beziffert und soll bis 2029 auf fast 1,3 Milliarden Dollar anwachsen.
Diese Entwicklung fügt sich in eine Reihe von Aufträgen, die Hensoldts Rolle als Systemintegrator für vernetzte Verteidigungstechnik unterstreichen. Bereits vor über einem Monat hatte der Konzern einen Rekordauftragsbestand gemeldet, seither hat die Aktie rund 3 Prozent verloren. Auch der Auftrag aus Indien für Avionik-Systeme vom vergangenen Dienstag konnte den Kurs nicht stützen, der seither um mehr als 4 Prozent nachgab.
Kursverlauf trotz operativer Stärke unter Druck
Trotz der neuen Aufträge bleibt der Aktienkurs schwach: Am Mittwoch schloss das Papier bei 78,64 Euro, aktuell notiert es bei 77,36 Euro und damit rund 1,6 Prozent im Minus. Der gesamte Rüstungssektor steht derzeit unter Abwärtsdruck, was die Kursschwäche von Hensoldt zusätzlich verstärkt.
Bereits vor rund einem Monat hatte JPMorgan das Kursziel für Hensoldt angehoben, seither hat die Aktie aber rund 13,6 Prozent verloren – ein Zeichen dafür, dass positive Analystenurteile und operative Fortschritte den derzeitigen Marktdruck nicht kompensieren können.
Internationales Rüstungsnetzwerk wächst
Über die Bundeswehr-Projekte hinaus ist Hensoldt auch international eingebunden: Die Ukraine plant gemeinsam mit europäischen Partnern bis zur ersten Jahreshälfte 2027 den Prototyp eines Raketenabwehrsystems namens „Freyja“, das ballistische Raketen abfangen und die Abhängigkeit von US-amerikanischen Patriot-Systemen verringern soll.
Das Vorhaben wurde auf einem Pariser Gipfel vor zwei Wochen von zehn europäischen Staaten und rund einem Dutzend Rüstungsunternehmen gestartet. Neben Eurosam, Leonardo, Thales und Saab ist auch Hensoldt eingebunden, während das ukrainische Unternehmen Fire Point die industrielle Führung übernimmt.
Für Anleger zeigt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Operativ gewinnt Hensoldt mit neuen Bundeswehr- und Europa-Aufträgen an Substanz, während die Aktie unter dem allgemeinen Sektordruck und politischer Unsicherheit leidet. Ob sich die fundamentale Stärke des Auftragsbuchs mittelfristig im Kurs niederschlägt, bleibt von der weiteren Entwicklung der Verteidigungsausgaben und der Marktstimmung im Rüstungssektor abhängig.
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