Weniger Kunden, weniger Umsatz, trotzdem steigt der Gewinn: Hellofresh hat im dritten Quartal ein zwiespältiges Bild geliefert. Die Anleger konzentrierten sich auf die positive Seite. Die Aktie schoss zeitweise um bis zu 15 Prozent auf 3,44 Euro nach oben und führte den SDAX an.
Marketing-Bremse stützt das Ergebnis
Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um knapp zehn Prozent auf 1,43 Milliarden Euro. Bei Kochboxen fiel das Minus mit fast zwölf Prozent deutlicher aus, die Fertiggerichte gaben um gut neun Prozent nach. Den Grund hatte das Unternehmen schon Ende September genannt: eine enttäuschende Neukundengewinnung.
Der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) legte dagegen um mehr als ein Drittel auf 54,4 Millionen Euro zu. Das übertraf die Erwartungen der Analysten. Treiber sind deutlich gekürzte Werbeausgaben: Das Marketingbudget schrumpfte absolut um fast ein Viertel. Felix Dennl vom Bankhaus Metzler sprach von einer positiven Überraschung.
Die Zahlen lagen laut einem Händler am oberen Ende der vorläufigen Spannen.
Prognose bleibt gesenkt
Die zuletzt reduzierte Jahresprognose bestätigte der Konzern. Der Umsatz soll währungsbereinigt um 9 bis 11 Prozent sinken. Für das bereinigte Ebitda stellt das Management 350 bis 370 Millionen Euro in Aussicht.
Die Kursreaktion fiel kräftig aus. Die Aktie erreichte den höchsten Stand seit Mitte August und übersprang die 100-Tage-Linie, einen viel beachteten Indikator für den mittelfristigen Trend. Ende September war sie noch auf ein Rekordtief von rund 2,16 Euro gefallen.
Zur Einordnung: Seit Jahresbeginn hat das Papier trotz der Erholung fast die Hälfte seines Werts verloren. Der Börsenwert liegt bei etwas mehr als einer halben Milliarde Euro. Im Herbst 2021, als Hellofresh noch im Dax notierte, waren es zeitweise über 16 Milliarden Euro.
Die Quartalszahlen zeigen damit zweierlei: Das Unternehmen kann die Profitabilität über Kostendisziplin stabilisieren. Ein Wachstumsmotor ist das aber nicht, solange Neukunden ausbleiben und der Umsatz im Gesamtjahr voraussichtlich im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich schrumpft.
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