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Heidelberger Druckmaschinen übernimmt, Lufthansa am Jahreshoch — fünf Industriewerte im Check

Heidelberger Druckmaschinen übernimmt Manroland-Service, Lufthansa steigt in Militärausbildung ein. Ein Überblick über fünf unterschiedliche Industriestrategien.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Heidelberg kauft Manroland-Servicegeschäft
  • Rolls-Royce integriert Yacht-Systeme
  • Bilfinger sichert Wasserstoff-Aufträge
  • Alstom erhält Milliarden-Deal in Polen

Fünf Vertragsunterschriften in einer Woche, fünf völlig unterschiedliche Wachsttumsgeschichten: Während Heidelberger Druckmaschinen das Servicegeschäft eines insolventen Rivalen schluckt, dringt Lufthansa in die militärische Pilotenausbildung vor. Rolls-Royce festigt seinen Griff auf den Luxus-Yachtmarkt, Bilfinger sammelt Wasserstoff-Aufträge ein — und Alstom sichert sich einen Milliarden-Deal in Polen. Ein Blick auf fünf Industrieaktien zwischen Übernahmeoffensive und Restrukturierungsdruck.

Heidelberger Druckmaschinen: Manroland-Übernahme als Rettungsanker

Der Heidelberger Druckmaschinenhersteller hat gestern einen Kaufvertrag für das weltweite Lifecycle-Geschäft der insolventen Manroland Sheetfed GmbH unterzeichnet. Rund 600 Mitarbeiter, das gesamte Service- und Ersatzteilgeschäft samt Vertriebsgesellschaften sowie Technologie und geistiges Eigentum wechseln den Besitzer.

Für den Produktionsstandort Offenbach am Main ließ sich keine tragfähige Zukunftslösung finden. Manroland hatte bereits im April angekündigt, die Fertigung in einem zeitlich begrenzten Auslaufprozess herunterzufahren. Der Kaufpreis bleibt unter Verschluss.

Strategisch verfolgt Heidelberg damit eine klare Service-first-Logik. Kunden der übernommenen Geschäfte behalten ihre bisherigen Ansprechpartner, erhalten aber zugleich ein optionales Upgrade-Angebot auf aktuelle Speedmaster-Systeme. Das Servicegeschäft wird so zum Einstiegspunkt in modernere Plattformen — ein Ansatz, der angesichts des seit Jahren schrumpfenden Druckmaschinenmarkts überlebenswichtig ist.

Die Aktie legte heute um knapp 5 % auf 1,46 Euro zu. Seit Jahresbeginn steht allerdings ein Minus von über 28 % zu Buche. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 447 Millionen Euro bleibt das Unternehmen ein Leichtgewicht. Das Management hat sich vorgenommen, im Geschäftsjahr 2026/2027 deutlich profitabler zu werden — neben der Manroland-Integration sollen ein Sparprogramm und die Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland dazu beitragen.

Rolls-Royce: Vom Motor zum Komplettanbieter auf See

Rolls-Royce Power Systems baut seine Partnerschaft mit dem italienischen Yachthersteller Overmarine aus. Ein neuer Rahmenvertrag für die Jahre 2026 bis 2029 umfasst erstmals die Integration der mtu-NautIQ-Bridge in die Mangusta-Oceano-52-Baureihe sowie die Lieferung von 64 mtu-Motoren der Serie 2000.

Der Schritt ist strategisch aufschlussreich. Rolls-Royce bewegt sich damit von der reinen Antriebslieferung hin zur vollständigen Systemintegration: Brücke, Energiemanagement und Propulsion aus einer Hand. In absoluten Zahlen mag der Yacht-Deal überschaubar wirken. Er demonstriert aber die Fähigkeit, bestehende Kunden mit höherwertigen Lösungen auszustatten — ein Muster, das auf weitere Bootslinien übertragbar ist.

An der Börse notiert die Aktie mit 16,60 Euro nur einen Hauch unter dem 52-Wochen-Hoch. Auf Jahressicht beträgt das Plus gut 20 %. Der Konsens von 20 Analysten lautet „Kaufen“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 1.425 GBP — die Bank of America sieht mit einem Ziel von 1.740 Pence sogar noch deutlich mehr Luft nach oben.

Untermauert wird die Zuversicht durch die Geschäftszahlen des Jahres 2025: Der Umsatz kletterte um 12 % auf 21,2 Milliarden Pfund, der Gewinn je Aktie verdoppelte sich nahezu auf 0,69 Pfund. Die Nettogewinnmarge von 28 % unterstreicht, wie profitabel das Kerngeschäft inzwischen läuft.

Bilfinger: Wasserstoff-Pipeline füllt sich

Der Mannheimer Industriedienstleister hat sich in den vergangenen Wochen gleich mehrere Aufträge im Bereich Energiewende gesichert. Drei Projekte stechen hervor:

  • BP-Elektrolyseur: Bilfinger liefert als Konsortialpartner Vorfertigung, Montage und Installation für BPs neuen Grünwasserstoff-Elektrolyseur mit 100 Megawatt Kapazität — er soll bis zu 11.000 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr erzeugen und wird die erste vollständig in BP-Eigenregie betriebene Anlage dieser Art.
  • E.ON-Wärmespeicher in Malmö: Ein rund 70 Meter hoher Fernwärmespeicher mit etwa 2.400 MWh Kapazität — die größte Einzelinvestition in die Malmöer Fernwärmeinfrastruktur seit vielen Jahren.
  • EWE-Wasserstoffanlage in Emden: Stahlbau, Rohrleitungsbau und Komponentenmontage für eine 320-Megawatt-Produktionsanlage, die ab Ende 2027 grünen Wasserstoff an Industriekunden liefern soll.

CEO Thomas Schulz betonte beim Emden-Auftrag, man bringe „umfassende Erfahrung über die gesamte Wertschöpfungskette“ ein. Die Auftragsdichte belegt: Bilfinger positioniert sich systematisch als Service-Konsolidierer in Europas Energiewende — eine Rolle, die es von stärker kapitalguterabhängigen Industrieunternehmen unterscheidet.

Die Aktie notiert aktuell bei 83,35 Euro. Nach dem Rücksetzer der vergangenen Wochen — gut 35 % unter dem 52-Wochen-Hoch vom Februar — spiegelt der Kurs die operative Dynamik noch nicht wider. Auf Zwölfmonatssicht steht immerhin ein kleines Plus von knapp 6 %.

Lufthansa: Investment Grade bestätigt, Piloten für die Bundeswehr

Gleich zwei Nachrichten haben die Lufthansa-Aktie diese Woche angetrieben. Die Ratingagentur Fitch bestätigte die Bonitätsnote bei BBB- mit stabilem Ausblick — gerade noch Investment Grade. Fitch hob hervor, dass Lufthansa als Europas größte Airline-Gruppe nach Flotte und Umsatz stark aufgestellt sei und die führenden Positionen in Fracht und Wartung die zyklische Abhängigkeit abfederten.

Parallel nimmt ein ungewöhnliches Projekt Gestalt an: Lufthansa Aviation Training plant eine Einrichtung in Portugal zur Ausbildung von Militärpiloten. Eine Absichtserklärung zwischen Lufthansa Technik, dem Trainingsbereich und dem portugiesischen Verteidigungsministerium wurde am 9. Juni unterzeichnet. Konzernchef Carsten Spohr hatte Portugal bereits im Mai öffentlich als bevorzugten Standort für einen zusätzlichen europäischen Trainingsknoten benannt. Primär sollen dort Piloten der Bundeswehr und verbündeter Streitkräfte ausgebildet werden.

Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung und notiert heute bei 9,79 Euro — ein Plus von über 3 % und nur einen Bruchteil unter dem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn beläuft sich das Plus auf knapp 15 %, auf Zwölfmonatssicht sogar auf fast 39 %. Das laufende Transformationsprogramm zielt auf eine Bruttoverbesserung des bereinigten EBIT von 1,5 Milliarden Euro bis Jahresende 2026, unter anderem durch Komplexitätsreduktion und die Verschlankung der Flotte von zwölf auf acht Flugzeugtypen.

Alstom: 1,6-Milliarden-Deal in Polen — aber der Kurs fällt weiter

Alstom hat mit PKP Intercity einen Vertrag über 1,6 Milliarden Euro unterzeichnet. Er umfasst die Lieferung von 42 doppelstöckigen Coradia-Max-Elektrotriebzügen sowie eine 30-jährige Vollwartung. Hinzu kommt eine Option über 30 weitere Züge. Die Fahrzeuge erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h und werden komplett in den polnischen Werken Chorzów und Nadarzyn gebaut.

Die Wartungskomponente ist das eigentlich Bemerkenswerte: Über drei Jahrzehnte übernimmt Alstom sämtliche präventiven, korrektiven und Überholungsarbeiten sowie Reinigungsdienste. Unterstützt durch die digitale HealthHub-Plattform entsteht ein annuitätenartiger Umsatzstrom — genau das Modell, das Aktienmärkte mit höheren Bewertungsmultiplen belohnen.

Die Jahreszahlen für 2025/26 unterstreichen die operative Stärke: Der Umsatz stieg um 7 % organisch auf 19,2 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand kletterte um 10 % auf 104 Milliarden Euro. Der Nettogewinn verdoppelte sich auf 324 Millionen Euro. Gleichzeitig lag der Auftragseingang bei rund 27,6 Milliarden Euro — ein Book-to-Bill-Verhältnis von 1,4.

All das kann den Kurstrend bislang nicht drehen. Die Aktie fiel heute um 2,3 % auf 15,51 Euro und liegt seit Jahresbeginn fast 40 % im Minus. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt nahezu 49 %. Der Konsens der Analysten bleibt bei „Kaufen“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 22,25 Euro — die Spanne reicht allerdings von 10 bis 28 Euro. Probleme in der Rolling-Stock-Sparte, ungleichmäßige Projektabwicklung und Margendruck erklären die Diskrepanz zwischen operativem Erfolg und Marktbewertung.

Servicegeschäft als gemeinsamer Nenner — und entscheidender Unterschied

Die fünf Unternehmen illustrieren eine klare Trennlinie im Industriesektor: Wer auf langfristige Service- und Wartungsverträge setzt, verschafft sich Planbarkeit. Alstom mit dem 30-Jahres-Vertrag, Bilfinger mit seiner dichten Pipeline an Energiewende-Aufträgen, Rolls-Royce mit dem Systemintegrationsansatz im Yachtmarkt — sie alle verfolgen das gleiche Muster wiederkehrender Erlöse.

Heidelberger Druckmaschinen folgt derselben Logik, operiert aber aus einer strukturell schwächeren Position. Die Übernahme des Manroland-Servicegeschäfts ist keine Wachstumsoffensive, sondern eine Notwendigkeit in einem schrumpfenden Markt. Lufthansa wiederum diversifiziert in eine gänzlich neue Richtung — militärische Ausbildung als Ergänzung zum Zivilluftfahrtgeschäft.

Die nächsten Wochen werden zeigen, wie tragfähig diese Strategien sind. Alstoms Hauptversammlung im Juli und ein angekündigter Capital Markets Day rücken den operativen Verbesserungsplan ins Rampenlicht. Rolls-Royce legt voraussichtlich Ende Juli Halbjahreszahlen vor. Für Heidelberger Druckmaschinen wird die Integration der 600 Manroland-Mitarbeiter zum Lackmustest, ob sich die Servicestrategie tatsächlich in besseren Margen niederschlägt. Und bei Lufthansa bleibt die Portugal-Initiative vorerst bei einer Absichtserklärung — formale Vertragsdetails und regulatorische Genehmigungen stehen noch aus.

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