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Symbolbild, KI-generiert

Guidance schlägt Zins? Was Accenture, Nike und Paris über Q4 verraten

Accenture übertrifft die eigene Umsatzspanne, Nike senkt die Jahreserwartung; Fresenius übernimmt mAbxience vollständig.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Accenture meldet 22 Prozent Kursplus
  • Nike erwartet deutlichen Jahresumsatzrückgang
  • Fresenius übernimmt restliche mAbxience-Anteile
  • Französischer Renditeabstand erreicht Eurokrisenhoch

Sehr geehrte Damen und Herren,

die wichtigste Nachricht dieser Woche war nicht der DAX unter 25.000 Punkten.

Am Donnerstag rutschte der Index bis an die 200-Tage-Linie. Entscheidender ist die Rotation zwischen den Einzelwerten, die man als Vorboten der Berichtssaison lesen muss. Accenture sprang nach starken Zahlen um gut ein Fünftel.

Continental stemmte sich mit robusten Reifenmargen gegen den Trend, Iberdrola und Heidelberg Materials bekamen Kaufempfehlungen. Nike fiel dagegen mit einer gekappten Prognose auf ein neues Jahrestief. Die These für das vierte Quartal: Nicht der Diskontsatz entscheidet über die Kurse, sondern die Frage, wer seine Prognose halten oder anheben kann.

KI-Dienstleister gegen Chip-Gewinner: Accenture liefert, Micron ist eingepreist

Die größte Einzelbewegung der Woche kam aus einem Sektor, den der Markt seit Monaten als KI-Verlierer abgeschrieben hatte. Accenture legte am Donnerstag Zahlen für das vierte Geschäftsquartal vor, die oberhalb der eigenen Spanne lagen: 18,68 Milliarden Dollar Umsatz gegen eine Guidance von maximal 18,40 Milliarden.

Zugleich hob Accenture den Ausblick für das Geschäftsjahr 2027 auf 3 bis 6 Prozent währungsbereinigtes Wachstum an (Konsens: 3,9 Prozent). Das berichtete Ergebnis je Aktie (GAAP) stieg um 46 Prozent auf 3,29 Dollar.

Für 2027 stellt der Konzern 14,39 bis 14,81 Dollar GAAP-EPS und mindestens 9,5 Milliarden Dollar Kapitalrückfluss in Aussicht. Die Aktie schoss an der Wall Street um 22 Prozent nach oben und zog Cognizant (rund +8 Prozent), IBM und die indischen IT-Dienstleister mit.

Entscheidend ist die Lesart. CEO Julie Sweet spricht von über 400 Kunden mit fortgeschrittenen KI-Projekten, sinkenden Token-Kosten als Nachfragetreiber und einer Allianz mit Anthropic über je mindestens eine Milliarde Dollar in fünf Jahren. Zugleich räumt sie Preisdruck in mehreren Sparten ein.

Die bereinigte operative Marge soll 2027 nur um 10 bis 30 Basispunkte auf 15,9 bis 16,1 Prozent steigen, und die Einstellungen werden, auch wegen KI, gebremst. Accenture notiert aktuell bei rund 189 Euro, damit zwar weit über dem Juni-Tief von 103,60 Euro, aber noch rund 18 Prozent unter dem Jahresauftakt und deutlich unter dem Januar-Hoch von knapp 251 Euro.

Wer die KI-Verlierer-These bei Dienstleistern für übertrieben hielt, bekommt mit diesem Quartal den ersten harten Beleg – allerdings zum Preis eines bereits abgearbeiteten Sprungs.

Ganz anders gelagert ist der Fall Micron, der in der Nacht auf Donnerstag die Saison eröffnete. Micron vervielfachte den Quartalsumsatz gegenüber dem Vorjahr auf 54,23 Milliarden Dollar (nach 11,32 Milliarden) und verdiente bereinigt 33,42 Dollar je Aktie. Für das laufende Quartal stellt Micron 61,5 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, rund 4 Milliarden über Konsens.

Der Auftragsbestand wuchs auf etwa 150 Milliarden Dollar, über 75 Prozent der Produktion für 2027 sind bereits vertraglich gebunden. Das Management erwartet eine noch engere Speicherversorgung 2027 und 2028. In Deutschland notiert Micron aktuell bei rund 970 Euro und damit unter dem Juni-Hoch von knapp 1.104 Euro, bei einem Jahresplus von 285 Prozent.

Viel Perfektion ist eingepreist. Die Impulse kamen bei den Zulieferern an: Infineon legte am Donnerstagmorgen zeitweise 1,6 Prozent zu, Advantest markierte am Freitag ein Rekordhoch. Für den Anleger ist das ein Hinweis, dass bei den Hardware-Gewinnern das Chance-Risiko-Verhältnis kippt, während die zweite Reihe – Dienstleister, Versorger, Netzinfrastruktur – noch Nachholpotenzial hat.

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Wenn bei Micron schon viel Perfektion im Kurs steckt und Accenture den Sprung hinter sich hat, rückt die Suche nach den weniger offensichtlichen KI-Werten in den Fokus. Ein kostenloser Report stellt die Top 10 der Big-Data-Unternehmen vor und zeigt Privatanlegern, wie sie gezielt in Künstliche Intelligenz investieren können – Report zu den Big-Data-Favoriten anfordern

Continental gegen Nike: Preismacht entscheidet über die Prognose

Ein Beispiel für operative Qualität abseits des Tech-Mainstreams lieferte Continental am Donnerstag im Pre-Close-Call vor den Novemberzahlen. Der Reifenumsatz des abgelaufenen Quartals dürfte leicht unter den 3,5 Milliarden Euro des Vorjahres liegen.

Die Marge der Sparte dürfte aber erneut am oberen Ende der Jahresspanne von 13 bis 14,5 Prozent liegen, getragen von der US-Nachfrage nach Ultra-High-Performance- und Nutzfahrzeugreifen. UBS-Analyst David Lesne hält deshalb eine Anhebung der Jahresziele für möglich und schließt ein Konzern-EBIT von 1,9 Milliarden Euro über Konsens nicht aus.

JPMorgan bestätigte am Mittwoch „Overweight“ mit Ziel 78 Euro und verweist auf den September als stärksten Monat des Quartals dank Winterreifengeschäft.

Continental hielt sich am Donnerstag gegen den fallenden Markt im Plus und notiert bei rund 67,50 Euro. Das ist nahezu unverändert seit Jahresbeginn und unter dem Juli-Hoch von 77,28 Euro. Mit einer Dividendenrendite von 4,24 Prozent und der ContiTech-Abspaltung zum Jahreswechsel ist das ein Zykliker, der in der Berichtssaison eher positiv überraschen dürfte – die Analystenziele liegen mit durchschnittlich 82 bis 83 Euro durchweg über dem Kurs.

Das Gegenstück kam in der Nacht auf Freitag. Nike verfehlte im ersten Geschäftsquartal mit 11,21 Milliarden Dollar Umsatz (−4 Prozent) die Erwartungen leicht. China brach währungsbereinigt um 26 Prozent ein, das neunte Quartalsminus in Folge. Das berichtete Ergebnis je Aktie von 0,48 Dollar lag zwar über dem Konsens, doch der Ausblick ist das Problem.

Für das Gesamtjahr erwartet Nike einen Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich, wo der Markt mit rund 2 Prozent Minus gerechnet hatte. Beim bereinigten EPS stellt Nike 1,15 bis 1,35 Dollar in Aussicht, gegen einen Konsens von 1,68 Dollar.

Das Restrukturierungsprogramm „Pace“ soll bis 2031 rund 2,5 Milliarden Dollar einsparen – bei etwa einer Milliarde Dollar Vorsteuerkosten, Stellenabbau ab 2027 und einer Reduktion auf drei Regionen. Hinzu kommen symbolische Niederlagen: Kylian Mbappé wechselte im September zu On, und Nike flog nach 18 Jahren aus dem S&P 100. Im deutschen Handel notiert Nike heute Vormittag bei rund 28,50 Euro, gut 8 Prozent im Minus und auf einem neuen 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert um 45 Prozent verbilligt, gegenüber dem Vorjahr um 55 Prozent.

Die Lehre für die anstehende Berichtssaison: Ein Gewinn-Beat ist wertlos, wenn die Jahresprognose den Konsens um ein Fünftel unterläuft. Konsumwerte ohne Preismacht sind in diesem Umfeld das genaue Gegenteil von Continentals Reifengeschäft.

Iberdrola und Heidelberg Materials: KI-Infrastruktur jenseits der Chips

Die Rotation hat am Donnerstag auch zwei Sektoren erreicht, die vom Stromhunger der Rechenzentren profitieren, aber nicht an Speicherpreisen hängen. Goldman Sachs hob Iberdrola von „Neutral“ auf „Buy“ und das Kursziel von 21 auf 25 Euro. Analyst Alberto Gandolfi erwartet bis 2031 im Schnitt zweistelliges jährliches Wachstum durch Rechenzentren und Elektrifizierung.

Kepler Cheuvreux ging gleichzeitig den umgekehrten Weg auf „Hold“, erhöhte das Ziel aber auf 21,10 Euro: ein klassischer Bewertungsstreit, kein Streit über das Geschäftsmodell. Iberdrola liegt bei rund 20,74 Euro, 14 Prozent über dem Jahresstart, mit 3,34 Prozent Dividendenrendite als Anleihe-Alternative mit Wachstumskomponente.

Deutlich spannender ist das Missverhältnis bei Heidelberg Materials. Jefferies bestätigte „Buy“ mit Ziel 286 Euro, erwartet für das dritte Quartal 4,6 Prozent organisches Wachstum und eine Bestätigung der Jahresziele am 4. November. Heidelberg Materials legte am Donnerstag gegen den Markt 2,8 Prozent zu.

Mit rund 146 Euro notiert die Aktie aber nur knapp über dem am Donnerstag markierten Jahrestief von 137,60 Euro – und 35 Prozent unter dem Jahresauftakt, nach einem Januar-Hoch von 241,70 Euro. Der Konsens der acht letzten Kursziele liegt bei 236,50 Euro. Entweder irrt der gesamte Analystenblock, oder der Markt preist hier eine Konjunkturangst ein, die die Quartalszahlen widerlegen müssten.

Fresenius: Volle Kontrolle über mAbxience, leicht höhere Verschuldung

Fresenius kauft sich die volle Hoheit über ein Wachstumsfeld, ohne die Aktionäre zu verwässern. Fresenius hat am Dienstag die restlichen 45 Prozent an der Biosimilar-Plattform mAbxience von Insud Pharma und Invim Corporativo übernommen und dies am Donnerstag gemeldet. Der Preis: bis zu 750 Millionen Euro in bar aus Liquidität und Cashflow, davon 50 Millionen an die Zulassung bestimmter Produktionsstätten geknüpft.

Der Konzern hielt seit August 2022 bereits 55 Prozent. mAbxience erlöste 2025 mehr als 320 Millionen Euro mit Margen über dem Kabi-Durchschnitt. Jefferies rechnet mit dem rund 5,2-fachen Umsatz und einem 2027er-KGV von 11 und sieht den Deal sofort positiv für das bereinigte Ergebnis je Aktie.

Die Nettoverschuldung im Verhältnis zum EBITDA steigt um rund 20 Basispunkte, bleibt aber am unteren Ende des Zielkorridors von 2,5 bis 3,0. Jahresprognose 2026 und das Biopharma-Ziel 2030 (Umsatzverdopplung gegenüber 2025 bei rund 20 Prozent EBIT-Marge) sind unverändert.

Der Markt quittierte das am Donnerstag mit einem Minus von gut 2 Prozent. Aktuell notiert Fresenius bei rund 43,77 Euro, 11 Prozent unter dem Jahresstart und weit unter dem Februar-Hoch von 52,90 Euro. Die Logik des Deals ist nachvollziehbar: Volle Kontrolle über Kosten, Kapazität und Timing bei Patentabläufen von Biologika, ohne Aktienverwässerung.

Dass der Kurs trotzdem nachgab, sagt mehr über die Stimmung gegenüber Pharma an diesem Tag als über die Transaktion selbst. Bayer verlor als DAX-Schlusslicht 5,3 Prozent, nachdem JPMorgan trotz „Overweight“ (Ziel 61 Euro) vor zu hohen Q3-Erwartungen im Agrargeschäft gewarnt hatte.

Paris, Frankfurt, Washington: Der Anleihemarkt strafft, die Notenbanken dürfen warten

Die Zinsgeschichte der Woche spielte weniger in den USA als in Paris. Der Renditeabstand französischer zu deutschen Zehnjährigen weitete sich auf rund 133 Basispunkte, der höchste Stand seit der Eurokrise 2012. Die französische Zehnjahresrendite kletterte in Richtung 4,9 Prozent.

Auch die Bundrendite stieg am Donnerstag zeitweise über 3,6 Prozent, den höchsten Stand seit 2009. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel machte am Donnerstag klar, dass das TPI-Instrument nicht zur Spread-Steuerung gedacht ist.

ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski hält eine Aussetzung des Bilanzabbaus mit Reinvestition in französische Titel für die realistischere Option. Sein Befund ist für Anleger der wichtigste: Der Renditeanstieg seit September wirkt bereits wie eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte in Deutschland und 50 in Frankreich.

Genau diese Logik prägt die Notenbank-Rhetorik. Isabel Schnabel signalisierte am Mittwoch, dass die EZB nach dem Ölpreisschock eine langsamere Rückkehr der Inflation toleriert. Der Einlagensatz steht nach den Erhöhungen im Juni und September bei 2,50 Prozent, TD Securities erwartet im Dezember eine letzte Anhebung auf 2,75 Prozent.

In den USA fiel die Wahrscheinlichkeit einer Oktober-Erhöhung binnen einer Woche von rund 70 auf 25 bis 38 Prozent. Zuvor hatten Williams und Fed-Vize Jefferson zur Geduld gemahnt, und die Kern-PCE-Inflation lag mit 3,0 Prozent unter den Erwartungen.

Dallas-Fed-Chefin Logan fordert dagegen noch mindestens 50 Basispunkte. Die US-Zehnjahresrendite erreichte am Donnerstag kurz ein 24-Jahres-Hoch über 5,3 Prozent und fiel dann zurück, was der Wall Street am Abend ins Plus half.

Die Zinsopfer am deutschen Markt sind benannt. Vonovia markierte am Donnerstag ein Jahrestief, JPMorgan kappte das Kursziel von 34,50 auf 26 Euro, hält aber an „Overweight“ fest. Die Deutsche Bank hat binnen 30 Tagen rund 12 Prozent verloren. Wer Duration hält, sollte den Dezember-Termin der EZB als potenziellen Höhepunkt des Zyklus auf dem Radar haben – der Markt preist bis Jahresende nur noch rund 31 Basispunkte Straffung.

Das große Bild

Das vierte Quartal beginnt mit Dispersion statt Richtung. Wer Cashflow und belastbare Prognosen liefert – Accenture, Continental, die Versorger –, wird gekauft.

Wer die Guidance kappt, wird wie Nike abgestraft, und bei Micron wandern die Impulse eher zu den Zulieferern. Heute Nachmittag richtet sich der Blick auf den US-Arbeitsmarktbericht als letzten großen Datenpunkt vor der Fed-Sitzung am 27./28. Oktober.

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Dispersion statt Richtung bedeutet: Die Titelauswahl macht den Unterschied, und das gilt von Energie über Gesundheit bis Hightech. Top-Analyst Mike Rückert nennt in einem kostenlosen PDF-Sonderreport fünf Aktien, die zu den großen Börsengewinnern zählen könnten – PDF-Sonderreport jetzt sichern

In der übernächsten Woche folgen die ersten deutschen Zwischenberichte mit BMW am 12. Oktober, bevor SAP am 21. Oktober und VW am 29. Oktober berichten. Der Markt wird auf Guidance-Qualität reagieren, nicht auf das Quartal selbst – das hat diese Woche eindrucksvoll vorgeführt.

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Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.