Für Graphite Creek steht die bestätigte Bundesentscheidung nach dem FAST-41-Zieldatum Ende September weiter aus. Zugleich hat Graphite One die neue Sparte G1 Advanced Systems angekündigt. Was diese Schritte für den Wert des geplanten Graphitgeschäfts bedeuten, bespricht die Redaktion mit Dieter Jaworski.

Graphite One (CA38871F1027) — Schlusskurse 09.04.2026 bis 06.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 06.10.2026.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Graphite One gründet G1 Advanced Systems und vereinbart bezahlte Marketingkampagnen. Ist das nicht ein Schritt zu einem Geschäft, das mehr kann als Rohstoff fördern?
Dieter Jaworski: Die Annahme geht mir zu weit. Eine neue Sparte und Werbung belegen noch keine Preissetzungsmacht; die Schlusskette reißt bei den Kunden, die das Material verlässlich abnehmen müssten. Graphite Creek ist laut USGS das größte bekannte natürliche Graphitvorkommen der USA. Das kann niemand nachbauen.
Wenn die Nachfrage wegbricht, schützt die Lagerstätte allein jedoch weder den Absatz noch die Kapitalrendite – den Ertrag auf das eingesetzte Kapital – über den Zyklus. Die Lagerstätte bleibt, der Kunde kann wegbleiben.
Kapitalmarktexperten Redaktion: „Die Lagerstätte bleibt, der Kunde kann wegbleiben.“ Die USA sind bei natürlichem Graphit nahezu vollständig von Importen abhängig. Warum sollte diese Versorgungslücke Kunden nicht dauerhaft an Graphite One binden?
Dieter Jaworski: Der Bedarf an einer heimischen Quelle ist stark; deshalb hat das Projekt staatliche Unterstützung erhalten. Aus Versorgungssicherheit folgt aber noch kein Preis, zu dem Graphite One auch bei schwacher Nachfrage gut verdient. Selbst die Abnahmevereinbarung mit Lucid ist bislang nicht bindend. Ich gewichte diesen Unterschied höher als die politische Aufmerksamkeit.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Das FAST-41-Zieldatum ist verstrichen, die Bundesentscheidung steht weiterhin aus. Wie schwer trifft die Verzögerung Ihre Einschätzung?
Dieter Jaworski: Sie trifft sie spürbar. Ohne Entscheidung lässt sich der nächste Schritt schwer planen. Eine Absage lese ich daraus noch nicht. Beruhigend ist das trotzdem nicht.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Was trägt Ihre Bewertung, solange Graphite One noch keine operativen Umsätze erzielt?
Dieter Jaworski: Eine Bedingung trägt sie: Auf die Bundesfreigabe muss eine verbindliche Projektfinanzierung folgen. Erst dann wird aus der staatlich gestützten Ressource ein Vorhaben, dessen Ertragskraft sich prüfen lässt. Der Analysten-Konsens bietet mir hier wenig zusätzlichen Halt; hinter seinem Kursziel steht nur ein Haus. Für ein bewiesenes Qualitätsgeschäft wäre mir das zu wenig Substanz.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Angenommen, die Bundesfreigabe kommt. Woran würden Sie früh erkennen, dass Sie den Wert dennoch überschätzt haben?
Dieter Jaworski: Wenn aus den EXIM-Kreditzusagen auch nach einer Freigabe keine verbindliche Projektfinanzierung wird, läge ich falsch. Das wäre der frühe Prüfstein für mein faires Zwölfmonatsniveau von rund 1,56 Euro – meine Schätzung des Werts bei plausibler weiterer Projektentwicklung. Ein Förderversprechen baut noch keine Anlage.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie machen die Bewertung von Bundesfreigabe und verbindlicher Projektfinanzierung abhängig. Welches Gesamturteil folgt daraus für Graphite One?
Dieter Jaworski: Graphite Creek ist ein wertvoller Standort, Graphite One bisher kein bewiesenes Qualitätsgeschäft. Mein größtes Gewicht liegt auf der Finanzierung: Ohne sie bleibt selbst eine Bundesfreigabe für die Kapitalrendite wenig aussagekräftig. Die Aktie steht für eine Projektwette mit geologischer Substanz. Preissetzungsmacht muss das Unternehmen erst zeigen.
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