Ein Präsidialerlass aus Washington hat der Aktie von Graphite One am 22. Juli 2026 kräftigen Auftrieb verschafft. Das Unternehmen mit Sitz in Kanada (TSXV: GPH, OTCQX: GPHOF) sieht sich als direkten Nutznießer der Executive Order, die Präsident Trump am 20. Juli 2026 unterzeichnet hat und die heimische Lieferketten für kritische Mineralien stärken soll.
Verschärfte Regeln für Verteidigungszulieferer
Die Anordnung schränkt Ausnahmegenehmigungen für Verteidigungsauftragnehmer ein, die kritische Mineralien aus China, Russland, Iran und Nordkorea beziehen. Ab Januar 2027 müssen Auftragnehmer nachweisen, dass sie sich um alternative, konforme Bezugsquellen bemüht haben. Senior Counsellor Peter Navarro ordnete den Schritt deutlich ein: Eine Lieferkette, die durch ein gegnerisches Land verlaufe, sei eine strategische Schwachstelle. Nach USGS-Daten aus dem Jahr 2025 sind die Vereinigten Staaten bei Gallium, Titan, Niob, Tantal und eben Naturgraphit zu 100 Prozent von Importen abhängig, bei Uran zu 99 Prozent und bei Seltenen Erden zu 67 Prozent. Der Erlass baut auf früheren Maßnahmen auf, darunter die Section-232-Untersuchung vom April 2025 und eine im Juni 2026 zugesagte Förderung von rund 2,9 Milliarden US-Dollar für die Lieferkette von Seltenen Erden und Magneten.
Graphite One positioniert sich als heimischer Anbieter
Graphite One reagierte prompt und betonte die strategische Übereinstimmung seines Geschäftsmodells mit den neuen Vorgaben. CEO Anthony Huston erklärte, das Unternehmen baue eine integrierte US-Graphitplattform auf. Kernstück ist das Projekt Graphite Creek in Alaska, nach Unternehmensangaben die größte bekannte Naturgraphit-Lagerstätte der USA. Es wird über den beschleunigten Genehmigungsprozess FAST-41 vorangetrieben. Ergänzt werden soll die Förderkette durch eine geplante Anodenmaterial-Fabrik in Ohio sowie ein Recyclingprogramm für Graphit.
Finanziell kann Graphite One auf staatliche Unterstützung verweisen: Das Unternehmen erhielt zwei Letters of Interest der EXIM Bank über ein Finanzierungsvolumen von 2,07 Milliarden US-Dollar sowie zwei Zuschüsse des US-Kriegsministeriums. Diese Kombination aus FAST-41-Status, staatlichem Finanzierungsinteresse und direkter Verzahnung mit der neuen Executive Order lieferte am Markt die Erzählung, auf die Anleger am 22. Juli reagierten.
Kursreaktion: Deutliches Plus, aber weiter unter dem Jahreshoch
Die Aktie notiert aktuell bei 0,5600 Euro und legt am heutigen Handelstag um 12,11 Prozent zu, nachdem sie am Vortag noch bei 0,4995 Euro geschlossen hatte. Der Sprung reiht sich in eine bereits positive Wochenentwicklung ein, bleibt aber im Kontext der vergangenen zwölf Monate zu relativieren: Zum 52-Wochen-Hoch von 1,59 Euro, erreicht am 28. Januar 2026, beträgt der Abstand weiterhin 64,89 Prozent. Die jüngste Rally zeigt damit vor allem, wie stark der Kurs seit dem Höchststand vom Jahresanfang unter Druck geraten war – der Erlass gibt der Aktie nun einen kurzfristigen Impuls, ohne die Verluste des laufenden Jahres bislang auszugleichen.
Für Graphite One bleibt die politische Rückendeckung aus Washington der zentrale Treiber der Kursbewegung. Ob sich aus den Letters of Interest der EXIM Bank tatsächlich verbindliche Finanzierungszusagen entwickeln und wie schnell Graphite Creek sowie die Ohio-Anlage voranschreiten, dürfte in den kommenden Monaten über die weitere Bewertung des Unternehmens entscheiden.
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