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Graphite One Aktie: 1,4 Milliarden für Ohio-Werk

Graphite One plant milliardenschwere US-Graphit-Lieferkette mit EXIM-Darlehen, während der Aktienkurs stark nachgibt.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • EXIM-Darlehen von über 2 Milliarden Dollar
  • Aktie seit Jahresbeginn fast 39 Prozent im Minus
  • Ohio-Anlage größter Finanzierungsposten
  • Entscheidende Anträge erst für zweite Jahreshälfte 2026 geplant

Fast 39 Prozent im Minus seit Jahresbeginn — die Graphite One-Aktie notiert bei 0,72 Euro und liegt damit mehr als 50 Prozent unter ihrem Januar-Hoch. Der Kursrückgang steht in scharfem Kontrast zu dem, was das Unternehmen gerade auf dem Papier aufbaut: eine US-Lieferkette für Graphit mit einem Finanzierungsrahmen von über zwei Milliarden US-Dollar.

Zwei Briefe, viel Potenzial — noch keine Bindung

Das Herzstück der Strategie sind zwei Absichtserklärungen der US-amerikanischen Export-Import Bank (EXIM). Für das Graphite Creek-Bergbauprojekt in Alaska hat EXIM ein potenzielles Darlehen von 670 Millionen US-Dollar in Aussicht gestellt. Die größere Summe entfällt auf die geplante Verarbeitungsanlage in Ohio: 1,4 Milliarden US-Dollar mit einer Laufzeit von 15 Jahren — hochgesetzt von ursprünglich 325 Millionen Dollar.

EXIM würde damit rund 70 Prozent der gesamten Kapitalkosten abdecken. Die verbleibenden 30 Prozent will Graphite One über die großen nordamerikanischen Investmentbanken finanzieren. Entscheidend ist jedoch: Beide Schreiben sind nicht bindend. Formale Anträge bei EXIM plant das Unternehmen erst im Laufe des Jahres 2026.

Ohio als größter Kapitalposten

Die Alaska-Mine zieht die meisten Schlagzeilen — das Ohio-Werk ist aber der größere Finanzierungsposten. Das Konzept sieht sieben Baumodule vor, jedes mit einer Jahreskapazität von 25.000 Tonnen Anodenmaterial. Allein das erste Modul kostet rund 607 Millionen Dollar.

Für den Bau in Alaska könnte der Startschuss 2027 fallen — vorausgesetzt, die EXIM-Anträge laufen erfolgreich durch. Das ist keine Kleinigkeit: Zwischen Absichtserklärung und genehmigtem Kredit liegt ein aufwendiger Due-Diligence-Prozess.

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Eigenkapital und soziale Akzeptanz

Um die Wartezeit zu überbrücken, hat Graphite One im Februar 2026 frisches Kapital eingesammelt. Das Unternehmen platzierte rund 20 Millionen Einheiten zu je 1,75 kanadischen Dollar — brutto flossen 35 Millionen kanadische Dollar. Jede Einheit enthielt eine Aktie und einen Warrant mit einem Ausübungspreis von 2,25 kanadischen Dollar, gültig für 36 Monate. Den Jahresverlust 2025 bezifferte das Unternehmen auf 9,14 Millionen Dollar.

Parallel dazu stärkt Graphite One seine gesellschaftliche Verankerung vor Ort. Mit Lucille Carter hat das Unternehmen eine erfahrene Fachfrau als Vizepräsidentin für Community Relations berufen. Carter kommt von der Bering Strait Native Corporation — einem strategischen Partner des Projekts — und soll die Akzeptanz bei den lokalen Gemeinden in der Region Nome sichern.

Zweite Jahreshälfte wird zum Prüfstein

Die Volatilität der Aktie — annualisiert rund 61 Prozent — spiegelt die Unsicherheit wider. Graphite One ist ein Explorations- und Entwicklungsunternehmen ohne laufende Produktion. Ob die Finanzierungsarchitektur trägt, entscheidet sich in der zweiten Jahreshälfte 2026: Dann laufen die FAST-41-Genehmigungsfristen, die formalen EXIM-Anträge sollen eingereicht werden, und die Ingenieurarbeiten für das Ohio-Werk schreiten voran. Aus Absichtserklärungen müssen dann verbindliche Zusagen werden — oder die Pläne verlieren an Substanz.

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Diskussion zu Graphite One

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.