Der Wohnungsanbieter Grand City Properties hat sich mit 20,04 Prozent beim Konkurrenten LEG Immobilien eingekauft. Der Schritt nutzt die historisch niedrigen Bewertungen im deutschen Immobiliensektor aus: Da der Buchwert des Pakets deutlich über dem aktuellen Börsenwert liegt, winkt dem Käufer ein einmaliger Buchgewinn. An der Börse sorgte die Transaktion am Mittwoch für eine spürbare Erholung der gebeutelten Branchenwerte.
Hoher Buchwert lockt Finanzinvestor
Hinter dem Einstieg steht handfestes Bewertungskalkül. Der Buchwert des erworbenen LEG-Anteils beläuft sich auf rund 1,8 Milliarden Euro. Weil die Aktie an den Märkten derzeit mit einem deutlichen Abschlag gehandelt wird, entsteht für Grand City Properties die Chance auf einen einmaligen, nicht zahlungswirksamen Ertrag.
LEG teilte mit, dass die Luxemburger Tochtergesellschaft des Immobilienkonzerns Aroundtown die Position als reine Finanzinvestition einstuft. Für den gesamten Sektor, der seit Monaten unter steigenden Zinsen und politischen Risiken leidet, setzt das Manöver ein wichtiges Signal. Es führt vor Augen, wie weit die aktuellen Marktpreise inzwischen von den bilanzierten Immobilienwerten abweichen.
Kursplus im gesamten Immobiliensektor
Die Reaktion am Markt folgte prompt. Die Aktien von LEG legten am Mittwoch um 2,8 Prozent zu, während die Papiere von Grand City Properties um 3,1 Prozent kletterten. Auch die Anteilsscheine des Großaktionärs Aroundtown gewannen 1,7 Prozent.
Selbst nicht direkt beteiligte Wettbewerber profitierten von der verbesserten Branchenstimmung. Die Aktie des Dax-Konzerns Vonovia verteuerte sich um ein Prozent, obwohl dort die Debatte über eine mögliche Vergesellschaftung von Wohnungsbeständen in Berlin weiterhin auf der Stimmung lastet.
Offene Optionen für die Zukunft
Marktbeobachter werten die Transaktion allerdings mit Zurückhaltung. Kai Klose vom Analysehaus Berenberg stufte den Zukauf zwar als Überraschung ein, rechnet angesichts des anstehenden Refinanzierungsbedarfs jedoch nicht mit einem dauerhaften Engagement.
Grand City Properties hält sich derweil alle strategischen Wege offen. Das Unternehmen erwägt nach eigener Aussage sowohl eine Aufstockung der Anteile auf bis zu 29,9 Prozent als auch eine spätere Reduzierung oder den vollständigen Wiederverkauf der Beteiligung.
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