Der Goldpreis hat am Freitag erstmals seit Ende Juli wieder die Marke von 4.000 Dollar unterschritten. Eigentlich gilt das Edelmetall in unruhigen Phasen als Zufluchtsort. Diesmal greift der Mechanismus jedoch nicht: Anziehende Ölpreise heizen die Zinserwartungen an, während Verluste an den Aktienmärkten viele Anleger dazu zwingen, Goldbestände zur Beschaffung von Liquidität zu verkaufen.
Im frühen Londoner Handel fiel die Feinunze zeitweise auf knapp 3.987 Dollar und markierte damit den tiefsten Stand seit mehr als drei Monaten. Zuletzt erholte sich die Notierung leicht auf 4.021 Dollar.
Teures Rohöl weckt Zinssorgen
Der unmittelbare Druck auf das zinslose Edelmetall kommt vom Energiemarkt. Angriffe auf Förderanlagen von Saudi Aramco schürten neue Ängste vor Versorgungsengpässen im Nahen Osten. Brent-Öl verteuerte sich am Freitagmorgen auf 114,12 Dollar je Barrel, Rohöl der US-Sorte WTI stieg auf 100,53 Dollar.
Höhere Energiekosten treiben die Teuerung. Notenbanken könnten sich gezwungen sehen, ihre Zinsen länger hochzuhalten oder weiter anzuheben, um den Preisdruck einzudämmen. Da Gold keine Zinserträge liefert, verliert es bei steigenden Zinserwartungen gegenüber verzinslichen Anlagen an Attraktivität.
Eigentlich hätte das Edelmetall von den zuletzt gesunkenen Anleiherenditen profitieren müssen, die auf Umschichtungen infolge fallender US-Technologiewerte folgten. Am Markt überwogen zuletzt jedoch die Inflationsbedenken sowie der Zwang zur Risikoreduzierung.
Liquiditätsbedarf belastet die Notierungen
Hinzu kommt ein strukturelles Problem bei Kursrutschen an den Aktienmärkten. Wenn Technologieaktien nachgeben oder Zweifel an hohen Investitionen in Zukunftsthemen aufkommen, steigt der unmittelbare Bargeldbedarf. Investoren veräußern dann liquide Vermögenswerte wie Gold, um Nachschussverpflichtungen bei Brokern zu bedienen.
Gleichzeitig verschiebt sich der geldpolitische Ausblick. Während die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt der US-Notenbank Federal Reserve bei der Sitzung am 27. und 28. Oktober bei lediglich 7,2 Prozent liegt, rechnen die Marktteilnehmer für Dezember mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent mit einer weiteren Zinsanhebung. Bestätigen die anstehenden US-Inflationsdaten am 29. Oktober den erwarteten Anstieg der Teuerungsrate auf 3,6 Prozent, dürfte der geldpolitische Gegenwind für Gold anhalten.
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